Archiv für den Monat April 2014

Manchmal feiern wir

Liebe Leute,
Der Alltag hat mich wieder, nach sehr intensiven Erfahrungen während der österlichen Tage. Doch wie heisst es in einem Lied? Mitten im Alltag feiern wir ein Fest der Auferstehung.

Am Karfreitag erreichte mich eine Botschaft aus Pakistan, die mich sehr bewegte: Am Freitag bin ich meinem muslimischen Bruder immer sehr verbunden. Am Karfreitag war er wieder in Pakistan, von wo er schrieb:

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„Ich war nicht in der Moschee, aber gestern in der katholischen Kirche in einem Dorf, wo ich Bürgermeister bin – zwar umstritten, weil ich Ahmadi bin.“ (also unter Lebensgefahr, die Ahmadis gelten in Pakistan, wo sie eigentlich herkommen, als Ketzer und werden verfolgt) „Bitte bete, dass alles gut geht. Gestern und vorgestern durften wir ca. 80 Personen „die Füsse waschen“, pflegen, abchecken und „verarzten“. Anschliessend gingen wir in die Kirche zum Gebet…“

Kirche

Dazu passt die Karfreitagspredigt, gehalten von Pater Josef Költringer, OSFS, Haus Overbach, zu einem Thema, das alles andere als ‚in‘ ist in unserer Wohlstandsgesellschaft. Aber Karfreitag ist von Ostern nicht zu trennen:

  • „Der Jesuitenpater Frans von der Lugt ist am Montag vergangener Woche im syrischen Homs erschossen worden. Er wollte die letzten Zivilisten nicht alleine lassen. Aber warum?
  • Ein alter Mann besucht seit mehreren Jahren Tag für Tag seine Frau im Pflegeheim und trinkt stundenlang mit ihr Kaffee, dabei erkennt sie ihn nicht einmal mehr? Warum macht er das?
  • Ein Lehrer überlässt wildfremden Menschen, die er am Straßenrand aufgelesen hat, seinen Wagen, damit sie nach Hause fahren können zu ihren Familien. Vielleicht sieht er den Wagen nie wieder — was hat der Mann davon?

Im Mittelpunkt von Ostern stehen Menschen wie diese, Menschen, die Opfer gebracht haben. Sie haben nicht gefragt: Lohnt es sich für mich? Was ist mein Vorteil? Es gab keinen Vorteil.
Sie haben etwas riskiert, damit andere leben oder es besser haben oder ein Ziel erreichen, das ohne dieses Opfer unerreichbar geblieben wäre.
Darum geht es an Ostern: Es ist die Feier der Zukunft nach der Hingabe der eigenen Existenz.
Im Mittelpunkt von Ostern steht stets die bittere Entscheidung: für einen anderen auf etwas zu verzichten — bis hin zum eigenen Leben.

Wir alle leben vom Opfer, das andere bringen. Familien leben davon, Freundschaften, Unternehmen leben davon, ja die ganze Gesellschaft.
Und auch die Weltgemeinschaft wird die vor uns liegende Zeit der Überbevölkerung, der Zerrissenheit zwischen Arm und Reich und des Klimawandels nur überstehen, wenn die einen für die anderen Opfer bringen. Deshalb sind die Opfer und der Neuanfang nicht voneinander zu trennen.

Und das ist Ostern.
Ich lade Sie jetzt ein, nach vorne zu kommen, ein Teelicht zu entzünden und dabei an einen Menschen zu denken, für ihn zu beten, der ein Opfer gebracht hat, damit es uns gut geht, und dieses kleine Lichtlein vor das Kreuz hier zu stellen, dem Symbol für die Hingabe Gottes an uns.“

In diesen Tagen habe ich auch viel an den alten Professor Ramaswami gedacht, der mittlerweile das Zeitliche gesegnet hat. Jetzt weiss er mehr. Von ihm, dem überzeugten Hindubrahmanen, habe ich sehr viel für meinen eigenen Glauben gelernt. Er fehlt mir immer noch. Wie gerne würde ich oft wieder mit ihm sprechen. Auch er hat einmal Adivasis die Füsse gewaschen, als Protest gegen das Kastenunwesen und die Diskriminierung der Unberührbaren. Auch sonst ist er viel angeeckt mit seiner Einstellung. Er ist verlacht und angefeindet worden, hat aber für sein geliebtes Heimatland Indien so viel getan, für Bildung, Kultur, wirtschaftlichen Aufschwung, dass er schliesslich die höchste Auszeichnung Indiens, Doctor of India, erhielt.

Professor Ramsawami sagte immer: „Es gibt nur einen Gott. Die vielen Götter, die wir kennen, sind nur verschiedene Gesichter des EINEN Gottes.“ Er betonte immer wieder, dass er von den Christen viel soziale Einstellung gelernt hätte. Eines Tages sagte er: „Wir haben Millionen von Göttern, aber was Jesus für euch getan hat, das hat keiner von den andern für uns getan.“ Dauf habe ich widersprochen: „Er hat es für ALLE getan.“ Gerade in Indien ist mir bewusst geworden, wie viele Menschen sich nach Erlösung sehnen. Nirgends wie dort habe ich mich mit dem Thema beschäftigt, das ich hier dann weitergegeben habe.

In diesen Tagen bin ich auch ums Gebet gebeten worden für einen schwer krebskranken Jungen. Diese Bitte gebe ich hiermit weiter. Ich werde sie aber auch einer Kollegin in Bangalore mailen. Sie ist bei IBM Top-Ingenieurin, aufgewachsen in Bhutan, wo ihr Vater ebenfalls Ingenieur war. Sie ist ebenfalls Brahmanin, hat sich aber vor einigen Jahren für Jesus entschieden und hat sich taufen lassen. Immer, wenn ich sehr schwere Gebetsanliegen habe, schreibe ich ihr. Von ihrem Gottvertrauen und ihrer Gebetskraft kann ich nur lernen. Übrigens habe ich Paramita in einem überfüllten Nachtzug kennen gelernt. Ich hatte meine Fahrkarte und meine Reservierung, aber der Zug war hoffnungslos überbucht, was ich zu spät bemerkt hatte und ich MUSSTE nach Bangalore zurück. Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass ich die Nacht auf meiner Tasche sitzend im Zwischenraum zwischen zwei Wagen verbringen würde. Alleine war ich nicht. Einigen jungen Ingenieuren war es gleich ergangen. Wir waren eben in eine rege Diskussion vertieft, als Paramita vorbeikam und fragte, ob ich denn keinen Schlafplatz hätte. Sie lud mich kurzerhand ein, ihre Pritsche mit ihr zu teilen. Es war ein bisschen schmal und unbequem, aber der Beginn einer guten Freundschaft.

Liebe Leute, kommt lasst uns immer wieder ein Fest der Auferstehung feiern, auch wenn es mal eng wird.

Einen herzlichen Gruss schicke ich Euch in die kommende Woche, Eure
Schwester Myriam

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