Archiv für den Monat November 2014

Rundbrief November 2014

Liebe Leute,
es gibt mich noch. Ich bin die letzten drei Wochen nur kaum zum Schreiben gekommen, ja nicht einmal dazu, die verschiedenen mails zu öffnen.

Eine wunderbare Reise mit einer sehr interessierten und aufgeschlossenen Gruppe liegt hinter mir. Wir waren eine verschworene Gemeinschaft, in der sich alle einbrachten. Auch Sprachprobleme zwischen SchweizerInnen und der deutschen Minderheit waren bald gelöst.
Mittlerweile sind die meisten zurück in Europa. Ich hoffe natürlich, dass die einen oder anderen sich aufraffen trotz Weihnachtsrummel, um einige Eindrücke wiederzugeben und will ihnen nicht vorgreifen.

mit Schwerstbehinderten bei den Mutter Teresa Schwestern
Für mich war es rührend, wie sie alle auf diese unbekannte, von vielen madig gemachte Welt zugingen. Ich denke, das war eines der häufigsten Themen, dass so vieles, das über Indien verbreitet wird, so nicht stimmt oder jedenfalls nicht allgemein gültig ist. Etwa wie wenn jemand sagen würde: „Passt auf, in Deutschland laufen alle zur IS.“

Für mich waren einige an und für sich sehr belanglose Dinge sehr bewegend: Lisy hat den neuen Kühlschrank bekommen und ihn mit uns eingeweiht. Jetzt kann viel Essen für die Kinder besser aufgehoben werden und es wird Energie und Geld gespart.


Wir haben viele Feste miteinander gefeiert, oft sehr spontan. In Cochin am Meer hatte ich dieses Jahr mit unseren anderen indischen Freunden zwei muslimische Rikshawfahrer zum Essen mit eingeladen. Nur dass sie die Einladung annahmen, war schon nicht üblich. Rikshawfahrer gehören zur unteren Klasse. Dazu eine australische Künstlerin, Beena Sebastian und ihr Mann, und Pater Henry. Menschen mit verschiedensten Aufgaben und Hintergründen. Mir kam es vor wie das biblische Gastmahl. Wir haben im Frauenhaus gegessen und mit ehemaligen Strassenkindern. Sie alle haben uns mit ihren Tänzen erfreut.

Gastfreundschaft bei den SikhsWir haben die Gastfreundschaft und die Musik im Sikhtempel erfahren.

Eine Rückmeldung einer unserer Reisenden hat mich sehr berührt: Überall haben wir spontan Hilfe oder Gastfreundschaft erfahren, obwohl wir eine andere Hautfarbe haben. Wenn bei uns in Europa eine braune Haut kommt, sind wir erst skeptisch oder gar abweisend.
Familiennachmittag Romea hat viele Jahre bei Lisy gearbeitetImmer wieder habe ich gehört, wie indische Menschen sich bedankten, dass wir sie besucht haben: Gut, dass ihr gekommen seid.

Einmal war ich ganz ehrlich auch ein wenig schadenfreudig. Wir begegneten einer deutschen so genannten Pilgergruppe, die im Flugzeug und im Aircondition-Bus durch Indien gejettet war, in 5-Sterne Hotels übernachtete und natürlich viel mehr bezahlte als unsere Leute, aber sehr wenige persönliche Kontakte hatte. Ich fragte sie, ob sie sich in dem tiefgekühlten Bus nicht erkältet hätten und wie es ihnen mit dem Essen gegangen war. Ach, hatten alles durch, Magenprobleme und Erkältung…. wie wir auch.

im indischen Zug

Es gab auch einige mails in dieser Zeit, die mich sehr berührten. So meldete sich jemand, mit dem ich sicher 15 Jahre keinen Kontakt mehr hatte aufgrund meines blogs.
Vor allem ist es für mich auch immer bewegend, wie ehemalige Mitreisende unsere Reisen in diesen Tagen wieder mit begleiten und in Gedanken und Gebeten bei uns sind. Wir haben wirklich Indien von Mensch zu Mensch erfahren, wie wir alle nur eine Welt sind.

Die herzlichsten Grüsse von Eurer Schwester Myriam

„Be the change that you wish to see in the world.“  Gandhi

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