Archiv für den Monat Dezember 2014

Caroline Grace, das Weihnachtskind

Schon letztes Jahr hat Caroline Grace meinen Weihnachtsbrief geschmückt. Dieses Jahr wird sie ihren 2. Geburtstag feiern können. Sie ist ein Energiebündel sondergleichen, jetzt schon eine willenstarke Frau.

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Vor zwei Jahren wurde ihre Mutter mit dem Kind im Bauch aus dem tamilischen Hinterland nach Mysore gefahren, das Kind anfangs 7. Monat: Gebärmutterriss. Es war kein Arzt aufzutreiben, ausser im damals teuersten und besten Krankenhaus. (Jetzt gibt es ein noch weit luxuriöseres.)

Mit äussersten Anstrengungen wurden beide, Mutter und Kind, gerettet. Auch für die Ärzte war es ein Wunder, dass beide überlebten und schon nach einem Monat das Krankenhaus verlassen konnten. Die Eltern des Kindes sind beide Lehrer in ihrem Tamilendorf, also Gutverdiener, damals zusammen rund 150 Euros im Monat. Das reichte nicht, um für einen Tag im Krankenhaus zu bezahlen.

Lisys Hilferuf schallte bis nach Europa, und in einer Blitzaktion kam das Geld zusammen, so dass die Eltern nicht für ihr Leben lang verschuldet sein müssen, weil sie ihrem Mädchen das Leben erhalten wollten. Das Mädchen ist total gesund und gehört zu einem Forschungsprogramm, in dem „Frühchen“ in ihrer Entwicklung beobachtet werden.

Diese Aktion hat aber auch viele Fragen ausgelöst: Musste es denn das teuerste Krankenhaus sein? Ja, musste es sein. In einem Armenkrankenhaus wären bestimmt beide gestorben. Muss denn jedes Kind gerettet werden? Es muss doch nicht jedes asiatische Kind unbedingt 70 werden. (Zitat)

Ich frage einfach: Was wird aus diesem Kinde werden, dass es das Privileg hatte, das Millionen von Kindern nicht haben? Mutter Teresa wird gerügt, weil sie den Sterbenden in den Slums zu einem würdigen Sterben verhalf. Wir werden kritisiert, weil wir für eine Mutter und ein Mädchen alles getan haben, um sie am Leben zu erhalten.

Und manchmal denke ich daran, dass ich auch dieses Privileg hatte, denn die Ärzte haben damals meiner Mutter abgeraten, die Schwangerschaft auszutragen. Gott und meine Eltern haben mich gewollt. Das gab mir in dunkelsten Stunden die Kraft weiter zu leben, das Leben zu wählen.

Manchmal werde ich gefragt, ob ich denn wirklich an das Weihnachts- und Ostergeschehen glaube? Nein, ich LEBE daraus! Wenn mein Herz aussieht wie ein Stall, in dem Ochs und Esel hausen, dann weiss ich, dass das der Ort ist, wo Jesus geboren werden will, in mir Gestalt annehmen will, wenn ich nur meine Herzenstür offen lasse.

Happy birthday, dear Caroline, und allen ein frohes Weihnachtsfest, allen, die im Dunkel dieser Welt immer wieder das Leben wählen!

In der Welt ist’s dunkel, leuchten sollen wir,
Du in Deiner Ecke, ich in meiner hier.
(aus einem Kinderalbum)

Und einen guten (Sch)Ritt ins Neue Jahr!

1400Eure Schwester Myriam

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