Archiv für den Monat Januar 2015

Freundbilder suchen statt Feindbilder aufbauen

Liebe Leute,
wir alle sind sehr betroffen über die islamistischen Anschläge der letzten Zeit. Angst breitet sich aus, Wut und Hilflosigkeit. Noch überwiegen Trauer und Betroffenheit. Wird daraus bald Hass entstehen, Ablehnung von allem und auch der Menschen mit islamischem Hintergrund?
Hier in Deutschland wird für und gegen Pegida („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) demonstriert. Während ich diese Zeilen schreibe, bäckt in unserer Küche eine muslimische junge Frau aus Bosnien Börek. Sie ist hier, um alte Menschen zu pflegen. Sie spricht perfekt deutsch, weil sie als Flüchtlingskind während dem Bosnienkrieg mit ihrer Famile in Deutschland ZuFLUCHT gefunden hatte. Damals, vor etwa 20 Jahren, wurden tausende Muslime in Bosnien fern der Weltöffentlichkeit von sogenannten Christen hingeschlachtet. Jetzt terrorisieren uns sogenannte Muslime.
myriam_poster
In meinem Zimmer hängt ein Poster. Das hier abgebildete Poster. Ich habe es in Indien, bei einer interreligiösen Feier mit Beena Sebastian von Ahamadyya Muslimen bekommen. Seither hängt es neben meinem Schreibtisch. Ich erzählte den Leuten dort, dass mein pakistanischer Bruder auch Ahamadyya Muslim ist. Die Reaktion war verhalten. Man(n) hatte weniger Ahamdyya als Pakistan gehört. Pakistan ist der Erzfeind von Indien.
Dabei wäre gerade da Interesse von Nöten gewesen. Mein Bruder, der auch Verwandte in Indien hat, setzt sich auf Tod und Leben in Pakistan für die Bildung von Mädchen und Frauenrechte ein. www.livingeducation.org
Er weiss nie, ob er wieder lebend in die Schweiz zurückkehrt. Doch soviel sind ihm die Menschenrechte wert. Ahamadyya Muslime werden in Pakistan von den eigenen Leuten genau so grausam verfolgt wie Christen, nur dass die Medien dies kaum interessiert.

Vor einigen Jahren war ich in Mysore bei einer Weihnachtsfeier dabei, zu der auch andere Religionsvertreter eingeladen waren. Da sprach auch ein hinduistisches Ehepaar. Sie hatten ihren Sohn bei dem Terroranschlag in Bombay verloren. Sie sagten: Hass macht unsern Sohn auch nicht wieder lebendig und Vergeltung ruft nur nach neuer Vergeltung und neuem Hass. Wir müssen neue Wege gehen, Wege der Versöhnung.

Als Christin möchte ich sagen: Wir haben eben Weihnachten, das Fest der Menschwerdung gefeiert. Lasst uns endlich Mensch werden. Lasst uns Freundbilder suchen statt Feindbilder aufbauen. Demonstrationen sind ein Weg, dafür oder dagegen. Gebet ist ein anderer Weg. Ich wünschte, dass überall auf der Welt sich Menschen, Christen, Muslime und viele andere, sich gemeinsam zum Gebet einfänden und sich gegenseitig für Frieden und Gewaltfreiheit bestärken würden. Lasst uns nicht in der Masse mitfluchen, sondern auf Augenhöhe Mensch sein.


Imame verurteilen Gewalt
Imame in ganz Frankreich verurteilten während des Freitagsgebets die Anschläge und riefen zu Gewaltlosigkeit auf. Die Attentäter seien «Kriminelle, keine Muslime», sagte der Geistliche Chabbar Taieb, der fünf Moscheen in Paris vorsteht. Folge ihrer Bluttat sei nun, dass überall die Furcht vor Muslimen zunehme «und die Muslime ebenfalls in Furcht leben».
http://www.tagesanzeiger.ch/…/Eine-Tragoedie…/story/21145354


6. Dezember aus den Vatikan Nachrichten
BRENNPUNKT NAHER OSTEN:
Ägypten: Hochrangige Konferenz gegen Islamismus
700 Delegierte aus 120 Ländern haben in Kairo an einer Konferenz gegen islamischen Terrorismus und Extremismus teilgenommen, die die al-Azhar-Universität organisiert hat, also die wichtigste Lehrstätte des sunnitischen Islams. Noch nie ist der Islamismus auf so hohem Niveau und so deutlich von einer islamischen Autorität verurteilt worden. Der Comboni-Missionar Giuseppe Scattolin würdigt gegenüber RV die Initiative von al-Azhar; allerdings werfe das Verhältnis von Teilen des Islam zur Gewalt auch künftig Fragen auf. Scattolin, der Gast der Konferenz war, legt dem Islam ein Schuldbekenntnis nahe, wie es Johannes Paul II. 2000 für das Christentum abgelegt hatte. (rv/fides)

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