Archiv für den Monat Dezember 2015

Weihnächtliche Tage

Endlich mal ein Lebenszeichen von mir. Entschuldigung, dass ich mich bei vielen von Euch spät oder gar nicht gemeldet habe.

Ich bin am 15. Dezember gut in Düsseldorf gelandet. Schon am nächsten Tag fing es an mit Halsweh. Seither ist der Wurm drin. Dennoch hatte ich wunderschöne Weihnachtstage in Haus Overbach, wo ich an Weihnachten und Ostern und manchmal auch sonst anzutreffen bin. In Haus Overbach wird die gleiche salesianische Spiritualität gelebt. Die Sales-Oblaten (OSFS) sind eine Parallelgemeinschaft zu den Missionaren des hl. Franz von Sales (MSFS), bei denen ich in Indien meine Basisstation habe.

Die Sales-Oblaten waren in meinem Leben öfters wegweisend, wenn ich nicht mehr weiter wusste. Durch sie bin ich nach Deutschland gekommen. Durch sie bin ich nach Indien gekommen, weil ich dort auch den ersten indischen MSFS persönlich kennen lernte. Hier kehre ich seit mehr als 20 Jahren immer wieder zurück wie in ein Elternhaus. Hier finde ich Ruhe und kann mich so richtig dem Gebet ergeben. Hier arbeite ich auf, und hier finde ich eine wunderbare Natur zur Erholung.

Während ich in Overbach weilte, fand in unserer Wethener Gemeinschaft eine ganz besondere Weihnachtsfeier statt: Schon in Indien war die Nachricht angekommen, dass einer der Männer seine Frau, die in einem türkischen Flüchtlingslager gelebt hatte, in die Arme schliessen konnte. Ein anderer konnte seine Frau und die vier Kinder wiedersehen. Noch dürfen sie nicht am gleichen Ort leben, aber es ist vorgesehen. Am Weihnachtsabend waren sie dann alle zusammen, um zu feiern, Syrer, Kurden, Gemeinschaftsangehörige, Muslime, Jesiden, Christen und was sich sonst so alles bewegt. Sie waren in Frieden und Freude zusammen. Weihnachten pur!

Die Weihnachts- und Osterbotschaft sind die Pfeiler in meinem Leben und die Kraftquellen für alles was ich unternehme. Alles soll im Namen Gottes geschehen. Sieht mein Inneres aus wie ein Stall, in dem Ochs und Esel hausen, so ist das der Ort, wo Jesus geboren werden und Gestalt annehmen will. Ich muss nur meine Herzenstür für ihn offen halten.

Weihnachten ist für mich auch nicht unbedingt an einen Tag gebunden, sondern findet immer wieder statt, zum Beispiel wenn ich Menschen froh machen kann, oft mit kleinen Dingen durch kleine Dinge, wie mit der Aktion mit den kleinen Münzen. Da danke ich nochmals ganz herzlich allen, die sich so viel Mühe gemacht haben, die kleinen Roten zu sammeln. Als ich nach Hause kam, lagen in meinem Zimmer schon wieder einige Röllchen mit Kupfermünzen für nächstes Jahr..     Obstverteilung Mittlerweile hat Asi schon geschrieben, dass er regelmässig Obst an die Jungs verteilt. Auf Weihnachten hatten sie auch ein gutes Essen, wahrscheinlich mit Hähnchen, das absolute Ah und Oh für die Jungs. Auch die Lehrer hätten sich gefreut über eine kleine Weihnachtsüberraschung. Diese Lehrer haben einen grausam kleinen Lohn. Eine Reiseteilnehmerin vom letzten Jahr hatte mir für jeden ein kleines Schweizermesser gegeben. Dazu steckte ich noch ein Scheinchen, umgerechnet 1,50 Euro, in einen Umschlag. Damit kann man Essen kaufen oder sich sonst was leisten, was sonst nicht drin liegt, sich zum Beispiel was nähen lassen. Die Freude muss sehr gross gewesen sein. Herzlichen Dank nochmals!!

Immer wieder hatte ich Uttera besucht (siehe auch:  Uttera mit 15 verheiratet). Uttera wohnt jetzt mit ihrem Mann und den beiden jugendlichen Söhnen auf dem Dach eines vierstöckigen Hauses in einem kleinen Raum mit Kochnische und was man in Indien Badezimmer nennt. Im Wohnzimmer steht ein Schrank mit Fernseher und Hindu-Hausaltar. Einige Jesusbilder gehören auch dazu. Kein Problem für Hindus. Gegenüber ist ein Bett, auf das sich die Besucher setzen. Stühle gibt es keine.
Weil Uttera jetzt nähen lernt, hat sie sich irgendwie auch eine Nähmaschine angeschafft, mit Handbetrieb. Ich hätte ihr auch Arbeit gehabt, aber Uttera war krank mit hohem Fieber. Das schlechte Wetter liess viele Leute krank werden. Wenn Uttera zum Arzt ging, warteten bestimmt schon 142 andere Menschen vor ihr. Einmal war ich dort, als sie unbedingt arbeiten gehen wollte. Sie ist Hausangestellte. Sie hatte schon 5 Tage nichts gearbeitet, was soviel heisst wie: Wir haben kein Geld mehr und ich habe Angst, dass ich meine Stelle verliere. Ich habe dann dafür gesorgt, dass sie ruhig zu Hause bleiben konnte. Ich gehe sehr gerne zu dieser Familie, die immer zufrieden und gastfreundlich ist. Natürlich muss ich dann auch was essen oder zumindest trinken. Diese Familie erinnert mich immer an die heilige Familie in Bethlehem. Auch diese vier Menschen haben eine besondere Ausstrahlung. Nie hätte mich Uttera angebettelt oder gejammert.

adventlich geschmuecktes VinayalayaAlle diese kleinen ‚Weihnachtsfeiern‘ in Indien wären nicht möglich ohne die Unterstützung der MSFS, bei denen ich in Bangalore, in Vinayalaya, jeweils mein Basislager habe, wo ich wirklich zu Hause bin. Auch die Reisegruppen finden hier ein Zuhause.

Pater Henry erledigt Weihnachtspost

Pater Henry erledigt Weihnachtspost

Ohne das Wohlwollen der MSFS, besonders von Pater Henry, wäre die Ankunft um einiges unpersönlicher und der Schritt zur indischen Kultur sicher schwieriger. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass sie uns so gewogen sind, obwohl die allermeisten unserer Projekte keine MSFS Projekte sind. Unser Einsatz wird sehr geschätzt. Wir tun es für Christus, nicht für uns.

Vor allem ist es nicht selbstverständlich, dass ich als Frau, als Europäerin, wirklich eine der Ihren bin. Ich bin immer von Neuem über das Vertrauen und die Wertschätzung erstaunt, die sie mir entgegenbringen. Ich bin so ganz anders als indische Schwestern. Kein yes, yes, father! Natürlich macht es zuweilen auch Spass, die Schwester so richtig aufs Korn zu nehmen, die wiederum auch nicht auf den Mund gefallen ist. Nirgends lache ich so oft wie in Indien.

CandellightdinnerWieviele gute Tischgespräche haben wir geführt über Gott und die Welt. Die MSFS sind auch weltweit tätig, von Südafrika bis in den Norden Kanadas, von Brasilen bis auf die Philippinen.

Pater Manoj

Pater Manoj

Besonders mit Pater Manoj, der schon 13 Jahre in Kamerun arbeitet, habe ich mich oft unterhalten. Er gab mir die Bitte mit auf den Weg, Menschen zu finden, die bereit wären junge afrikanische Mitbrüder in ihrem Studium zu unterstützen. In die Kirche wird in vielen afrikanischen Ländern sehr viel Hoffnung und Vertrauen gesetzt, aber sie ist bitter arm.

Oft haben wir auch über die Stellung der Frauen in der Kirche, besonders die Ordensschwestern diskutiert. Es gibt verschiedene Meinungen, aber eins ist sicher: Viele der Patres, die auch Theologie-Professoren sind, würden die Schwestern bedeutend mehr fördern als diese es oft selber wollen. Besonders die jungen Kerle halten nicht mit der Meinung zurück.

Manchmal wurde ich auch gefragt, ob ich denn keine Angst hätte, dass Europa islamisiert wird? Nein. Die Indifferenz und die Aggressivität den Kirchen gegenüber gibt mir bedeutend mehr zu denken. Hier entsteht ein Vakuum, das eine Islamisierung, respektive Radikalisierung erst möglich machen würde.

jung und alt im speisesaalIm November wurde mein 40jähriges Professjubiläum gefeiert. Das war ein Fest. Auch die Schweizergruppe wurde miteinbezogen. An meinem ersten Professtag 1975 in Solothurn habe ich ein weisses Blatt Papier auf den Altar gelegt mit meiner Unterschrift und der Bitte an Gott aus meinem Leben einen Liebesbrief zu schreiben. Die Unterschrift gab ich zum Vornherein. Dabei hatte ich keine andere Absicht als in Solothurn, in unserm Kloster, zu leben und zu wirken. 1974 hatten wir einen Biogarten angefangen, damals gegen die Meinung so vieler, dass wir verrückt wären. Nie hätte ich auch nur daran gedacht, dass mein Leben eine solche Wendung nehmen würde. Gott hat auch auf vielen krummen Zeilen gerade geschrieben!! Und Gott hat Humor!!

Franz von Sales hat einmal gesagt: Kommt, lasst uns im Gebet erholen! Wie oft dachte ich am Abend: morgen schlaf ich mal länger. Wenn ich die Brüder am Morgen früh beten und singen hörte, war ich wach und bald danach mit ihnen in der Kapelle. Wir haben viel miteinander gebetet, am Morgen, am Mittag, vor und nach dem Abendessen. Solches Gebet verbindet. Einige sind grossartige Sänger und Musiker. Die jungen Mitbrüder bringen eine ganz intensive Energie in die Gemeinschaft und in die Gottesdienste.

mit der Klosterjugend in der eisdieleJa, dann brach unausweichlich der letzte Tag an. Am vorletzten war ich mit der Klosterjugend noch in der Eisdiele gewesen. Eis und Nutella machen Kinder froh und die ehrwürdigen Herren ebenso. Nutella kann man jetzt in ganz vielen Läden kaufen. Da kommt der ’sweet plastic‘ (Haribo), den die Schwester schon mal aus Europa mitbringt, nur noch auf Platz 3!!!

War öfter mal die Frage gewesen, wann ich denn abreisen würde, so gab es jetzt nur noch die Frage: Wann kommst du wieder? Am Morgen in der Messe wurde speziell für mich gebetet. Den MesseteilnehmerInnen wurden meine sämtlichen Tugenden aufgezählt und am Schluss ausführlich noch gedankt. So rasch war ich noch nie aus der Kapelle verschwunden. Ich brauchte Taschentücher!!

AbschiedsposterDer Tag verging rasch. Jeder wollte noch etwas Gutes sagen. Einer der Patres erwähnte, dass sie auch von uns Europäern viel gelernt hätten. Es ist ein Geben und Nehmen.
Um Mitternacht wollten wir losfahren zum Flughafen. Kurz vorher spazierte ich noch mit den jungen Mitbrüdern auf dem Vorplatz. Ich zeigte zum Himmel: Schaut, dort ist der Orion. Den seh’ ich auch, wenn ich zuhause bin. Denkt an mich, wenn ihr ihn seht, und ich denk an euch.

Der Flieger startete morgens viertel nach vier. Ich war so müde, dass ich den Start verschlief.
Nun bin ich schon 2 Wochen zurück. Ich habe unendlich viel Weihnachtspost, mails, Rückmeldungen auf den Blog erhalten. Einigen konnte ich leider noch nicht schreiben, aber ich werde es bestimmt so bald wie möglich tun.

Eine Folge eines Blogeintrags ist, dass es nun im Roshini-Projekt auf Weihnachten eine deutsche Freiwillige gab.

Ein ganz herzliches Danke schön für all euer Mittragen, Mitbeten, Spenden, euer Interesse. Das alles ist wichtig. Einem will ich ganz persönlich danken: Rainer, der meine Aufsätze mit Bildern schmückt und ins Internet stellt.

Ich wünsche allen ein gesegnetes Neues Jahr und wünsche Euch alles, was für Euch gut ist. Bleiben wir weiter miteinander auf dem Weg. In herzlicher Verbundenheit, eure Schwester Myriam

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