Bilder einer Reise, Teil 1: Malur

 

Willkommen

Es war eine Reise, die viel Freude gebracht hat. Es war ein Geben und Empfangen. Wir waren eine Gruppe von fuenf Leuten, im Alter, von den Berufen, von der Weltanschauung her sehr verschieden. Zwischen der juengsten und dem aeltesten lagen 40 Jahre. Aber wir verstanden uns, gingen aufeinander ein, halfen einander aus, unkompliziert, was der Augenblick erforderte. Ueberall wurde uns grosse Gastfreundschaft entgegen gebracht. Die Einheimischen freuten sich ueber uns an unserem Interesse fuer ihr Leben. Besonders freuten sie sich, wenn wir mit ihnen Tee tranken oder assen. Das bedeutet fuer sie eine besondere Ehre.

Fuer mich war es auch eine Reise, die auf grossem Vertrauen aufgebaut war. Fast zufaellig haben wir letzes Jahr darueber gesprochen, dass diese Reise auch ueber Malur (Wikipedia-Artikel, engl.)  oestlich von Bangalore fuehren koennte. „Ja, dann muss uns aber auch einer von euch begleiten. Ich kenne die Gegend zu wenig und es ist eine Erstlingsreise“. Eigentlich hatte ich von Bangalore nach Badwell zu den kleinen Jungs in Andrah fahren wollen. „Machen wir“! Zwei MSFS, ein Wort! Die Inder haben ihre eigene Weise zu organisieren, aber im Improvisieren sind sie Weltmeister. Und das war unser Glueck. Beim Vorbereiten gab es laufend Unvorhergesehenes. Dann gab es eine Zeitlang gar keinen Kontakt mehr. Pater Riju wurde in ein anderes Haus versetzt, bekam eine andere Aufgabe. Dann der unerwartete, aeusserst schmerzliche Todesfall seines Mitbruders. Zwei Tage bevor die Gruppe ankam, musste er nochmals zu einer Beerdigung eines nahen Verwandten nach Kerala. Er tat mir so leid. Was nun? Immer wieder hoerte ich die gleichen Worte: „Vertrau, es wird alles gut!“

Ich habe noch selten jemandem so bedingungslos vertraut. Nur in einem Fall waren wir uns nie so ganz einig: Was meinte er, wenn er sagte: „In fuenf Minuten“? Waren nun fuenf „indische“ oder fuenf internationale Minuten gemeint? Im ersten Fall konnte man den Tee naemlich noch ganz gemaechlich zu Ende trinken oder sonst noch was erledigen. So vieles nahmen wir mit Humor.

Es gibt auch eine Naehschule fuer arme Frauen, damit sie ihren Lebensunterhalt verdienen koennen. Wer will, wird dann auch angestellt. P. Rijus Aufgabe ist es, das Ganze weiter auszubauen.

(Bilder anklicken zum Vergrössern)

In der Naehe gibt es auch ein Schutzhaus fuer misshandelte und verstossene Frauen, von Schwestern geleitet. Dort finden auch schwangere oder misshandelte Maedchen oder Vergewaltigungsopfer Zuflucht. Einige von ihnen besuchen die Naehschule.

Auch da wurden wir herzlichst mit Blumen empfangen, ohne dass gefragt wurde, zu welchem Bekenntnis wir gehoeren. Im Allgemeinen wurde gestaunt, wie viel christliche Praesenz hier in Indien ist und die Arbeit der jeweiligen Ordensleute wertgeschaetzt. Manchmal bin ich traurig, wenn Reisende fuer alle Religionen und Weltanschauungen offen sind, aber finden, Christen haetten hier nichts verloren. Christen gibt es seit dem Jahre 52 in Indien, als der Apostel Thomas den Spuren seiner juedischen Glaubensgenossen folgte. Indien hat auch eine sehr positive Geschichte mit den Juden. Eine Zwangsmissionierung gab es nie. Allerdings ist die portugiesische Kolonialgeschichte ein sehr dunkles Kapitel.

Was waere Indien ohne die unzaehligen sozialen Einrichtungen fuer die Aermstem der Armen? Ohne haetten verstossene Frauen keine andere Moeglichkeit als die Strasse. Das gilt fuer viele andere Arme und Ausgestossene und natuerlich die Unberuehrbaren, ganze Volksgruppen, die durch ihr „Karma“ bestimmt sind, Latrinen zu putzen und den Hoehergeborenen den Dreck weg zu machen. Wo waere das Bildungswesen ohne die Abertausenden von christlichen Schulen, meistens von Ordensleuten gefuehrt? Allein die MSFS unterrichten etwa 200 000 SchuelerInnen, ohne nach deren Religion zu fragen. Dass die Bildung der Kastenlosen nicht im Interesse vieler ist, liegt auf der Hand. Auch im Gesundheitswesen geben viele christliche Menschen, ebenfalls wieder eine grosse Anzahl von Ordenleuten, ihr Bestes.

Spontan waren wir zum Pfarreifest eingeladen. Pater Sami segnet das Reisgericht, das fuer alle von seinem Freund Sebastian gesponsert wurde:

Pater Sami segnet das Reisgericht, das fuer alle von seinem Freund Sebastian gesponsert wurde

 

(Teil 2 folgt)

Advertisements