Archiv für den Monat November 2017

Ein grosses Dankeschoen von Beena

Wie gewohnt, habe ich auch dieses Jahr eine laengere Zeit mit Beena Sebastian verbracht. Zu allererst muss ich herzliche Gruesse und einen gaaaaanz grossen Dank aussprechen an alle, die sie im letzten Jahr unterstuetzt haben.
Beena kaempft, wie die meisten Frauenschutzprojekte, mit ganz grossen finanziellen Problemen. Es ist einfacher, fuer ein Tierheim Spenden zu bekommen als fuer misshandelte und missbrauchte Frauen und Maedchen. Trotzdem leistet die Cultural Academy for peace, der auch ein Schutzhaus fuer Frauen und eins fuer Maedchen angeschlossen sind, eine unglaubliche Hilfe. Im Moment, wo das Bewusstsein fuer Missbrauch immer groesser wird, bitten so viele junge Frauen um Hilfe, dass im Frauenhaus von 45 Personen 25 Maedchen von 10 bis 18 Jahren sind, die eigentlich ihren eigenen Raum brauchen wuerden. Die juengsten sind natuerlich mit ihren Muettern dort. Im Maedchenschutzhaus sind 18 Maedchen im Alter von 12 bis 17 Jahren. Zur Zeit wissen die Verantwortlichen oft nicht, wie sie alle satt kriegen sollen, und das im hoechst entwickelten Staat von Indien, in Kerala. Dort steigen die Preise enorm. Alles wird teurer, nur die Loehne bleiben gleich. Und die Preise fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse sind im freien Fall, seit ein Abkommen mit Indonesien ermoeglicht, dass von dort die Waren viel billiger importiert werden koennen als indische Bauern produzieren. An einem Tag war deswegen Streik. Alles stand still.

Wenn moeglich werden einige der Frauen ausgebildet, so dass sie auf eigenen Fuessen stehen koennen. So konnten im letzten Jahr fuenf junge Frauen eine einjaehrige Lehre als Krankenschwester absolvieren. Damit ist erst mal gut fuer sie gesorgt. Vielleicht schaffen sie es spaeter noch sich zusaetzlich ausbilden zu lassen, dass sie auch international als Krankenschwestern arbeiten koennten. Eine Frau ist Ernaehrungsberaterin geworden. Dieser Beruf hat in Kerala besondere Zukunftschancen, denn die Fastfood-Sucht nimmt erschreckend zu. Zum einen ist das Zeug billig, zum andern haben berufstaetige Frauen nicht mehr die Zeit zum Kochen (indische Kueche ist sehr arbeitsintensiv) und drittens moegen es viele junge Leute, besonders College-Studenten, nur noch ‚fast‘. Dementsprechend nehmen Fettleibigkeit, Krebs und viele andere Wohlstandskrankheiten erschreckend zu. Zwei Frauen lernen noch Modedesign. Das sind etwas bessere Schneiderinnen, die dann wiederum andere ausbilden koennen.

Eine weitere Angelegenheit ist es, ein Konto anzulegen, an das nur diese Frauen rankommen und sonst niemand. Sehr oft werden diese Maedchen finanziell ausgenutzt. Das „Milchkuhsystem“ ist in Kerala zwar ueblich und hat in der Vergangenheit erheblich zum Aufschwung in diesem Staat beigetragen: Einer verdient gut in der Familie, arbeitet irgendwo im Ausland und erhaelt den ganzen Clan, besonders jene, die in der Ausbildung sind. So ist Kerala zum allgemeinen Wohlstand gekommen. Heute gehen 100% der Kinder zur Schule, wenigstens zeitweise.

Alles gut und recht, aber die jungen Frauen sollen selber entscheiden koennen, was sie mit ihrem Geld machen und an wen sie es weitergeben.

Die Frauenschutzhaeuser nehmen im Moment zwar den groessten Raum ein, aber nach wie vor gibt es viele andere Aufgaben fuer die Cultural Academy for Peace (CAP).

Eine sind die Kurse fuer die Polizei, besonders die Bahnpolizei, wie man mit missbrauchten Frauen respektvoll umgeht. Aber im Moment werden ebenfalls in den Schulen sogenannte Peace Clubs gegruendet. Die jungen Leute lernen Streit zu schlichten als auch die Augen offen zu halten bei Missbrauch, gegebenenfalls auch auf andere Verbrechen, zum Beispiel Kinderarbeit, Menschenhandel, etc. Sie erfahren, was man tun und wohin man sich wenden kann.

Beena interessierte sich fuer einige Uebungen, die wir beim Projekt Alternativen zur Gewalt (PAG) in den Gefaengnissen anleiten oder die ich auch persoenlich weiterentwickelt habe. Ihr Wunsch waere schon lange, dass ich mal mit ihr zusammen einen Workshop anbieten wuerde, aber mein Englisch ist nicht dermassen ausgefeilt, wie es in diesen Kursen sein muesste. Eigentlich war mein Plan gewesen, sie mit dem PAG-Team in Kerala zu vernetzen, oder jemand vom Nordosten haette sich gerne mit dem Team in Nepal vernetzt, aber es war einfach nicht moeglich. Jetzt da ich gute Kontakte zu Rajagopal und seiner Ekta Parishad habe, wird es wohl eher in diese Richtung gehen, um so mehr dies auch von ihm persoenlich und seiner Frau Jill gewuenscht wird.

Beena war froh, dass ich da war. Dass sie eine Gespraechspartnerin hatte, die ihr zuhoerte. Indische Projektleiterinnen sind vor allem gefordert. Wie es ihnen privat geht, das bleibt deren Ding. Es ist schon Tradition, dass wir miteinander essen gehen. Dieses Jahr sind wir in ein kleines Cafe gegangen, das auch eine Galerie ist. Kochi und ganz besonders Mattancherry, die juedische Stadt, sind nicht nur Hotspots fuer Touristen, sondern es laeuft auch sehr viel mit Kunst. Alle zwei Jahre gibt es ueber die Jahreswende eine Biennale. Da habe ich einige Bekannte. Zu diesem Kreis gehoert auch der Galerist mit seinem Cafe.
Er hatte sehr grosses Interesse, Beena kennen zu lernen. Wir luden auch unsern Freund, den Rikshawdriver, ein. Das ist sehr aussergewoehnlich, wenn sie sich einladen lassen von uns „mehr Besseren“. Mit unsern beiden Rickshawdrivern sind wir so weit, dass die Augenhoehe stimmt und wir einen sehr vertrauten Umgang pflegen. Der eine hatte mir kurz vorher mit Traenen in den Augen gesagt, dass seine drei Jahre alte Tocher Leukaemie hat. Seine Mutter hatte einen Schlaganfall. Die muss er auch noch pflegen. Jetzt im Gespraech mit Beena kam noch ein anderes Familiendrama zum Vorschein. Auf Beenas Frage, warum er sich nicht bei ihr gemeldet haette, antwortete er auf gut indisch: Ich habe befuerchtet, dass du zuviel Arbeit hast. Auf deutsch uebersetzt heisst das eher: Ich wollte kein Verraeter von Familienangelegenheiten sein.
Idylle am Hafenbecken von Kochi (Cochin)

Mittlerweile sind es 15 Jahre, seit ich Freiwillige in der Cultural Academy of Peace (CAP) in Cochin war. Eine lange Zeit und doch so kurz, voller Erfahrungen von Freundschaft mit Beena, der ich hoechste Achtung ausspreche fuer ihren langen, ja ich wuerde sagen, lebenslangen und selbstlosen Einsatz fuer Frieden, Gerechtigkeit und Genderfragen. Mit so vielen Leidensgeschichten von Frauen bin ich konfrontiert worden und wuerde wuenschen, dass besonders wir Frauen sensibler wuerden fuer das Leid von Millionen unserer Schwestern auf der ganzen Welt.

Auch in der westlichen Welt ist viel Not unter Frauen, und doch ist kein Vergleich mit dem, was sich in vielen andern Laendern abspielt, wo die Gesetze nicht da sind oder nicht greifen.

Dies soll keine einseitige Parteinahme fuer die Frauen sein. Beena ist die erste, die immer wieder Partnerschaft als Ziel vorgibt. Es hat auch schon Kurse fuer Maenner bei der CAP gegeben. Vom Interesse her koennte es noch viel mehr geben, denn auch unter Maennern waechst das Bewusstsein, dass nur durch ein partnerschaftliches Miteinander der ersehnte Frieden wachsen kann.

Ich hoffe sehr, dass alle, die daran arbeiten, in Cochin und anderswo, einen langen Atem und viel goettliche Kraft haben, um noch lange weiter zu machen. Ich hoffe und bete, dass der lebenslange Wunsch von Beena Sebastian, ein eigenes Friedens- und Therapiezentrum zu haben, sich erfuellen moege und sich immer genuegend Menschen finden, die sich ebenso selbstlos fuer diese Ziele einsetzen.
Viel Zeit verbrachte ich einmal mehr beim Zahnarzt: vier zum Teil schwierige Wurzelbehandlungen und zwei Kronen waren dran. Vor 15 Jahren hat diese Zahnaerztin diese Zaehne schon mal aufgemotzt. Sie ist Fachfrau fuer Wurzelbehandlungen, eine wahre Kuenstlerin, ihr Mann macht die Kronen und der alte Vater plombiert meistens noch. Ein Rudel junger Zahnaerztinnen sorgt fuer Zahnhygiene und was es sonst noch so braucht in einer Zahnklinik.

Letztes Jahr wollte auch eine Teilnehmerin der Reisegruppe ihre Zaehne dort putzen lassen. Jetzt will es ihre Freundin ihr nachtun. Als dies bei der Gruppenvorbereitung zur Sprache kam, haben sich auch gleich noch vier andere angemeldet. Also, ich habe eine kleine „Zahnarztgruppe“. Nachdem mir eine junge Zahnaeztin die Zaehne wieder auf Vordermann gebracht hatte, wollte ich die Gruppe auch gleich anmelden. Das war Anfang Oktober fuer den 17. November.. Aber die junge Frau wollte absolut nicht. Man kann sich doch nicht so lange zum voraus anmelden. Man weiss ja gar nicht, was da noch alles passiert… Nachdem ich ihr erklaert hatte, dass man sich bei uns ein halbes Jahr vorher anmelden muss, hat sie dann den Termin notiert mit der Zustimmung des ganzen Rudels.
Wir sehen uns im November!!!

Eure Schwester Myriam

Advertisements

Martina B: Ein Ausschnitt von der Indienreise im September 2017

Seit einigen Wochen bin ich von meiner Indienreise wieder zu Hause. Der Alltag ist bereits wieder eingekehrt. Trotzdem schweifen täglich Gedanken an die Menschen, welche ich im farbenfrohen, lebenslustigen Indien wieder getroffen und neu kennengelernt habe. Dabei tauchen häufig die Fragen auf: Wie geht es ihnen?? Was machen sie gerade? Läuft alles rund? Was haben sie für Wetter? Oder gibt es wieder neue Hindernisse, Herausforderungen und Aufgaben, die sie überwinden und bewältigen müssen?

Zurück im Alltag zu Hause werde ich oft gefragt: Wie war deine Reise??? Hast du viel erlebt? War bestimmt spannend oder nicht?
Da merke ich dann, dass ich immer wieder von Badwell, von dem Bubenheim mit 55 Jungs, welche aus sehr, sehr armen Familien aus der Umgebung stammen, beginne zu erzählen. Das Heim wird alleine von Father Ashi in Badwell geführt und geleitet. Die Jungs haben da eine Unterkunft mit dem aller, aller Nötigsten und haben dadurch die Möglichkeit die Schule besuchen, was für sie sonst kaum möglich wäre. Nach einer eindrücklichen mehrstündigen Fahrt mit dem Jeep mit unserem Reiseleiter Father Riju sind wir zu später Stunde in Badwell angekommen. Nach kurzem zügigem Hotelbezug ging es dann schnell zu den Jungs, die uns bereits erwarteten. Kaum sind wir auf dem Vorplatz des Heims angekommen, standen die quirligen, fröhlichen Jungs vor ihrem Hauseingang und begrüssten uns mit einem Willkommenslied und natürlich mit einem bunten, frischduftenden Blumenkranz, den sie jedem von uns Reiseteilnehmern um den Hals legten. So zeigten sie uns, dass wir herzlich willkommen sind.

Für die Jungs ging es dann langsam schlafen… Wir wurden zum Nachtessen eingeladen, der Tisch war reichlich gedeckt mit Reis, einem Eintopf und frischem Gemüse. Ja wenn ich ehrlich bin, habe ich schon recht leer geschluckt, als ich die Küche mit deren sehr schlichter, einfacher und zweckmässiger Einrichtung sah… Meine Gedanken waren: „Also, wenn ich diese Tage ohne jegliche Magendarmprobleme überstehe, dann habe ich eine gute Abwehr…“. Ja, es hat mich dann beruhigt, das vorbereitete Essen wurde alles heiss gekocht… und der Rohkost, der ich nicht traute, konnte ich ausweichen. Ja, und der „Appenzeller“ in meinem Gepäck sei Dank. Die Küchenablagen bestehen aus einfachen Holzbrettern, die mit Zeitungspapier abgedeckt werden, darauf standen die Pfannen und die allernötigsten Küchenutensilien. Die Wände wurden gezeichnet von den brodelnden, spritzenden Kochtöpfen. Der Kochherd war ein einfaches Gasrechaud mit zwei Kocheinheiten, auf dem täglich für drei Mahlzeiten Reis gekocht werden. Mir wurde dabei einfach nur unser Luxus zu Hause bewusst, und ich dachte immer wieder während dem Essen: „Also zu Hause muss niemand mehr eine Küche erneuern und umbauen, welche angeblich nach 25 Jahren ihren Dienst tat…“ Diese indische Küche – keine Ahnung, wie lange diese schon ihren Dienst tut.
Ja nichts desto trotz, alle Mahlzeiten in dieser Küche schmeckten trotzdem sehr gut, das Überwinden, das Essen zu probieren, hat sich gelohnt und die Magendarmprobleme blieben zum Glück aus. Wieder einmal mehr so typisch, wie doch die Aussage zutreffend ist: „Das Auge isst mit.“ Wie mich doch das beeinflussen lässt…
Für mich umso erstaunlicher und bewundernswerter, wie sich Father Ashi mit seinem Küchengehilfen und dessen Familie um die 55 Jungs alleine kümmert und sorgt. Das Haus, in dem alle gemeinsam wohnen, ist zweckmässig und sehr einfach eingerichtet. Es verfügt kein bisschen Luxus.
Am letzten Tag in Badwell ging es dann mit den Jungs auf die Schulreise. Das war für die Jungs eine Aufregung, sie konnten es kaum erwarten, bis es los ging. Solche Ausflüge weg vom Alltag gibt es für sie so viel wie gar nie… So durften sie wieder mal etwas sehr Spezielles erleben. Ich denke, von den Erinnerungen werden die Jungs noch lange zehren können.
Um rund 6.00 Uhr mussten alle bereit sein. Mit Bus und Auto ging es dann los, nach Gandikota im Staat Andhra Pradesh, das direkt zwischen Hügeln am Pennar Fluss liegt. Gandikota selber besteht aus vielen sehr alten Tempeln und Ruinen.
Sobald wir nach einer kurvenreichen, eindrücklichen Fahrt beim Eingang von Gandikota standen, die Bustür geöffnet wurde, rannten die Jungs voller Freude los. Gefahren und Ängste kannten sie nicht…. Schnell standen schon die ersten Jungs auf den Dächern und Terrassen der unterschiedlichen Ruinen und schauten zu uns mit einem lachenden Gesicht und riefen: „Picture, Picture, Picture“ Fotos mit den Jungs auf den Ruinen konnten nicht genug gemacht werden. Sahen sie die geknipsten Fotos von sich, funkelten ihre Augen noch stärker. Es erfreute mich sehr, dass die Jungs so eine Freude hatten an diesem Ausflug…. Sie konnten kaum genug kriegen… sie rannten fleissig und schnell umher. Auch die brütende Hitze störte sie nicht… mir rann der Schweiss nur so runter… ich war den Schattenplätzen sehr dankbar.
Nach rund drei Stunden waren alle Ruinen und Wege mit Sicht auf den Fluss besichtigt. Alle versammelten sich wieder beim Bus und Auto. Die Fahrt ging weiter, zu einem grossen Baum, der ausreichend Schatten spendete. Da gab es ein feines Mittagessen bestehend aus einem Reiseintopf. Jeder von uns bekam einen Teller voll mit Reis, der sichtlich genossen wurde.
Kaum hatten die Jungs den Reis verschlungen, rannten sie los zu den „Beerenbüschen“ von der nahen Umgebung. Dort pflückten sie emsig die Beeren. Mich erstaunte, wie sie genau wussten, was essbar ist und was nicht. Auch die Beeren sind mal eine grosse Abwechslung für sie.

War das Mittagessen wieder aufgeräumt, ging die Fahrt weiter zu den Belum Caves. Das ist ein riesen Höhlensystem, dies wurde noch nicht vor allzu langer Zeit entdeckt. Waren die Tickets besorgt und verteilt, so ging es los in die Höhle… für die quirligen, aufgeweckten Jungs auch eine komplett neue Erfahrung. In der Höhle war eine schwüle, drückende Hitze so um die 35 Grad… die Jungs störte dies nicht, sie waren immer noch voller Energie. Ich war froh, war die Wärme ausgeglichen und nicht wechselhaft und das „Lauftempo“ langsam. Die Höhle war sehr eindrücklich, teils sehr grosse Buchten und „Räume“ mit breiten Wegen, und teils dann wieder schmale Wege… wo wir uns durchschlichen und uns ducken mussten, damit wir die ganze Höhle besichtigen konnten. Diese Höhle wurde über viele, viele Jahrhunderte vom Grundwasser geformt. Nach dem Besuch der Höhle genossen wir zum Abschluss mit den Jungs noch eine Eiscreme. Die Jungs konnten sich nochmals austoben auf dem riesen Gelände und Fussball spielen. Ich brachte den Jungs zwei Fussbälle mit… mich hat es sehr erstaunt und stimmt mich heute immer wieder nachdenklich, welche Freude ein Ball bei den Jungs auslösen konnte. Laut Ashi haben die Jungs schon länger nach einen Ball zum Spielen gefragt, aber es gibt keine Bälle in Badwell zu kaufen. Das Geld reicht in dieser Gegend nur für das Allernötigste wenn überhaupt, für Spielzeug bleibt kein Geld mehr übrig. Ich konnte auch auf dem Markt kein Spielzeug und Bälle finden zum kaufen. Auch Ashi bestätigte mir, es gäbe in Badwell keine Bälle zu kaufen, er müsste dafür 30 Minuten mit seinem Motorrad fahren. Auch im Haus, in dem die Kinder wohnen, sind Spielsachen grosse Mangelware, ich konnte keine entdecken. Umso mehr erfreute ich mich für die Kinder für die Bälle und die mitgebrachten Buntstifte.

Ein weiterer für mich persönlicher Höhepunkt der Reise war der Besuch des Roshini-Projekts, das Sister Lisy führt. Ich war gespannt darauf, wie das neu gebaute Haus aussieht. Nach einer langen Fahrt mit dem Nachtzug kamen wir in Mysore an. Da wurden wir von unseren indischen Freunden abgeholt und zu Sister Lisy begleitet. Freudig und herzlich wurden wir von Sister Lisy empfangen, es war so richtig schön. Nach unserem Zimmerbezug konnten wir ein köstliches indisches Mittagessen geniessen. Über den Tag konnten wir die ersten Eindrücke des neuen Hauses gewinnen und etwas ruhen.

Am Abend wurden wir von den rund 25 Mädchen freudestrahlend begrüsst. Die Freude über unseren Besuch zeigten sie durch verschiedene Tänze in farbenfrohen bunten Kleidern.


Jeder aus unserer Gruppe bekam eine persönlich selbstgestaltete Karte und wurde nochmals begrüsst. Dies hat mich sehr berührt. Diese Karte steht nun in meinem Wohnzimmer, und ich denke so täglich an die Girls. Am zweiten Tag besuchten einige aus der Gruppe den Mysorepalast. Ich blieb zurück bei Lisy und genoss die Ruhe. Während ich so vor dem Hauseingang verweilte, bekam ich „Besuch“ von einem Mädchen, etwa 5 Jahre alt. Sie wohnt erst seit kurzem gemeinsam mit ihrer Mutter im Roshini-Projekt. Zu diesem Zeitpunkt besuchte sie noch keine Schule und war deshalb alleine zu Hause. Die andern Kinder besuchten die Schule. Die Geschichte des Mädchens und ihrer Mutter hat mich sehr berührt, Sister Lisy hat sie mir kurz erzählt. Der Ehemann und Vater hat die Familie verstossen, da die Ehefrau die Haare aus unerklärlichen Gründen verloren hat und nun immer ein Kopftuch tragen muss. Irgendwie fanden die Mutter und ihr Mädchen den Weg zu Sister Lisy, wo sie jetzt Unterschlupf bekommen haben. Das Mädchen sass dann bei mir, sie brachte ein Schulheft mit, das sie mir zeigte, dort schrieb sie zum Üben fein säuberlich und korrekt die Zahlen von 1 bis 100 und das ganze Alphabet rein. Ganz zu meinem Erstaunen sprach das Mädchen englisch, ich konnte mich dann immer besser mit ihr unterhalten. Unter anderem fragte sie mich, wie mein Name und der Name der Gruppenmitglieder ist. Ich schrieb dem Mädchen die Namen in ihr Heft und schnell schrieb sie diese Namen nach. Das Mädchen schien mir sehr wissensgierig und sehr lernwillig zu sein. Mit dem Mädchen ging ich dann auf die Dachterrasse. Ich genoss von dort oben den Ausblick und sie wich nicht von meiner Seite. Sie schien die Aufmerksamkeit für sich alleine zu geniessen.
Während der ganzen Reise durften wir überall, wo wir hinkamen, grosse Gastfreundschaft erfahren und wurden herzlich willkommen geheissen und wurden für Kaffee und Essen eingeladen. Für mich am bewundernswertesten: je weniger die Inder haben, je höher die Gastfreudschaft.

Nochmals ganz herzlich Dank an unsere indischen Freunde für ihre grossartige Begleitung, Unterstützung und Hilfsbereitschaft. Es war eine super spannende Reise, welche mir in noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Mit herzlichen Grüssen,
Martina

Unterwegs

Ich bin unterwegs in Indien „von Mensch zu Mensch“ vom 6. bis 25. November mit einer Gruppe aus der Schweiz. Da uns immer wieder Leute in Gedanken und Gebeten begleiten, besonders Ehemalige, setze ich den Plan unserer Reise ins Internet.

Danke fuer all eure Verbundenheit!
Eure Schwester Myriam


Montag, 6. Nov. Ankunft in Bangalore, Vinayalaya, erste Schritte in eine ganz andere Welt

Dienstag, 7. Nov. Besuch des Kinderdorfes in Kengeri. Abendmesse mit inkulturierter Liturgie im Priesterseminar

Mittwoch, 8. Nov. Fahrt nach Tumkur. Begegnung mit Dalits und deren Naturreligion, kulturelles Programm, Uebernachtung im Ashram

Im Gespraech mit den Ashrambewohnern Jyothy und Preetam

Donnerstag, 9. Nov. Fahrt nach Mysore. Unterwegs besuchen wir die Hindustadt Melkote auf dem Berge, Uebernachtung im Roshini-Projekt bis am Montag. Wir werden in Mysore den Palast besichtigen, mit den Kindern die Schule und auch einen Slum besuchen, durch die Maerkte schlendern, tuechtig shoppen gehen: Herz was begehrst Du mehr. Wir werden auch das Altenheim von Vjai besuchen, auf den heiligen Berg Chamundi Hill fahren und im Anjali-Ashram miteinander schweigen.

Montag, 13. Nov. Fahrt zur tibetanischen Kolonie Bylakoppe. Wir halten unterwegs bei einem heiligen Ort der Jains. Gegen Abend Fahrt durch den Urwald nach Kutta.

Unterwegs auf den Strassen Indiens

Dienstag, 14. und Mittwoch, 15. Nov. sind vorwiegend Ausruhtage. Wir schlendern aber auch durch die Kaffee- und Teeplantagen, picknicken im Urwald und steigen zu einem Wasserfall hoch. Und ein Besuch im Urwaldspital ist auch dabei.

Donnerstag, 16. Nov. Fahrt nach Kannur, wo wir in den Zug steigen und bis Ernakulam (Cochin) fahren. Beena erwartet uns.

Freitag, 17. Nov. Fuer die Haelfte der Gruppe beginnt der Tag mit einem Zahnarztbesuch. Sie wollen auch mal wissen, wie Zaehne auf indisch gereinigt werden. Den restlichen Tag verbringen wir in den verschiedenen Projekten von Beena Sebastian. Am Abend Essen im Frauenhaus.

Samstag, 18. Nov. Ausruhtag auf den Backwaters. Wir sind in einem Boot ohne Motor auf dem Wasser unterwegs.

Sonntag, 19. Nov. Fahrt nach Kochi. Unsere Rickshawdriver erwarten uns schon ungeduldig. Wir fahren ans Meer und besichtigen verschiedene interessante Orte. Auch Lady Di wird wieder dabei sein.

Orientierungstafel. Lesen muesste man koennen…

Montag, 20. Nov. Fahrt mit der Faehre nach Mattancherry in die juedische Stadt, Besuch der Synagoge und shoppen nach Herzenslust, gegen Abend weitershoppen im Broadway, der uralten Einkaufsstrasse von Ernakulam, oder einfach das Marktleben geniessen.

Dienstag, 21. Nov. Wir fahren nach Cherai Beach. Ayurveda-Massage fuer alle, die wollen.

Mittwoch, 22. Nov. Letzte Wuensche, Fahrt mit dem Nachtzug zurueck nach Bangalore. Der Kreis schliesst sich.

Donnerstag, 23. und Freitag, 24. Nov.: Letzte Wuensche in Bangalore, Besuch der theologischen Fakultaet mit Pater Henry, Abschied nehmen.

Samstag, 25. Nov. Rueckflug

Wir sind keine Touristengruppe, sondern wollen dem indischen Menschen begegnen, wie er leibt und lebt. Wir kommen, um zu lernen, mehr ueber den Alltag zu erfahren und uns Gedanken zu machen, was dies unsern Alltag im uebersaettigten Europa angeht. Wir besuchen ein Frauenhaus, essen mit ehemaligen Strassenkindern, sind offen, was der Augenblick uns bringt. Oft benutzen wir oeffentliche Verkehrmittel. Indien ist das religioeseste Land der Welt. Wir kommen in Kontakt mit sieben verschiedenen Weltreligionen, inklusive das Christentum. In Indien gibt es Christen seit dem ersten Jahrhundert. Wir erfahren das Wohlwollen von Muslimen, besuchen heilige Staetten der Hindus und Jains, lernen den tibetischen Buddhismus kennen, uebernachten in einem Ashram von Dalits, die einer Naturreligion angehoeren und besuchen die alte Synagoge in Mattamcherry. Indien hat eine sehr positive Geschichte mit den Juden. Bewusst halten wir die Preise tief, damit auch Menschen mit kleinerem Budget, aber viel Interesse mitkommen koennen. Wir sind keine Discounterreise! Diese Reise findet schon zum 9. Mal statt mit mittlerweile ueber 100 TeilnehmerInnen, von denen viele mehrmals dabei waren.