Mein Bruder heisst Yahya und ist Pakistani

Liebe Leute,
im letzten Blogeintrag bin ich auf die Frage eingegangen: „soll man den Armen überhaupt helfen?“ Nächste Frage: „Soll man einem Land helfen, das die Atombombe hat und die Frauen unterdrückt? Wie kann man wissen, ob die Spenden überhaupt ankommen?“ Diese Fragen stellen sich viele zu Recht. Diese Fragen betreffen sowohl Indien als auch Pakistan. Ist nicht alles Sisyphus-Arbeit?
Die Antwort gibt mir ein Mann mit seinem Leben, den ich Bruder nenne…, der durch alle Probleme hindurch seine Zuversicht und seinen Humor behalten hat.

Dr Yahya Hassan Bajwa mit einer christlichen Familie

Als er zwei Jahre alt war, kam er mit seinen Eltern in die Schweiz. Mit 14 schrieb er in einem Schulaufsatz, wie er seinem Heimatland helfen wollte, wenn er denn mal ´gross´ sei. Mit 24 erhielt er den Schweizer Pass und bekleidete mehrmals wichtige Posten in der Politik. Yahya konnte beste Schulen besuchen, ist hoch gebildet mit Doktortitel und könnte ein reicher Mann sein. Statt sich mit fünf Oldtimern oder drei Perserkatzen zu schmücken, setzt er sich unermüdlich für sein Herkunftsland ein, für die Bildung der Mädchen und zwar bewusst für ALLE Religionen zusammen, und für misshandelte und missbrauchte Frauen. Yahya ist ein Mann, der mit kleinen Schritten schon einen sehr langen Weg gegangen ist, ein Weg, der auch schon mehr als einmal lebensbedrohlich war. Yahya und sein Team und ein grosser Freundeskreis geben nicht auf. Hier ein Bericht von der Arbeit von ´LivingEducation´, einem Verein, der sich auf Tod und Leben in Pakistan einsetzt, letztlich auch, weil unser Planet zu einem globalen Dorf geworden ist. Näheres siehe auf http://www.livingEducation.org

Eure Schwester Myriam

Liebe Spenderinnen und Spender, liebe Freundinnen und Freunde von
LivingEducation,

Erfolgreicher Strategiewechsel von Living Education
Im letzten Jahr setzte sich LivingEducation intensiv mit der Frage „Wie geht es weiter mit den Projekten von LivingEducation“ auseinander. Wir beschlossen, dass wir unsere Aktivität auf die individuelle Unterstützung von Mädchen (zu 90%) und Knaben (zu 10%) vor Ort aus den Slumgebieten konzentrieren. Dabei erhalten mittellose Kinder und ihre Eltern eine finanzielle Unterstützung, die es ihnen ermöglicht, Schulen vor Ort zu besuchen. Unsere Unterstützung deckt das Schulgeld ab, die Bezahlung der Schuluniform und – wenn nötig – den Einkommensverlust auf Grund des durch den Schulbesuch wegfallenden Kindereinkommens. Die Auswahl der Kinder begann bereits im September 2017. Im April 2018 war der Präsident von LivingEducation in Pakistan und wählte gemeinsam mit dem Länderkoordinator Fida Waraich und seinem Team bis Ende Mai 651 Kinder aus. In der Regel unterstützen wir Kinder beim Besuch der öffentlichen Schulen. Die Kinder leben vor allem in armen Gegenden, Dörfern und Quartieren. Allerdings gibt es in einigen Gegenden keine Unterrichtsmöglichkeit ausser in Privatschulen. In diesen Fällen übernehmen wir das Schulgeld für diese Schulen.

Fida Hussain Waraich im afghanischen Fluechtlingscamp in der Nähe von Islamabad

Pilotprojekt
Das Pilotprojet ist im Oktober 2017 gestartet und konnte bis Juni 2018 erfolgreich abgeschlossen werden. Die weitere Projektplanung und –umsetzung erfolgt laufend, da unsere Hilfe unabhängig vom Schuljahresbeginn ist. Die Anzahl der unterstützten Kinder hängt vom Geld ab, das uns zur Verfügung steht. Die ersten Rückmeldungen aus den Schulen sind sehr positiv: Die Lehrpersonen sehen, dass die Kinder durch unsere Zuwendung ein grösseres Selbstwert- und Zugehörigkeitsgefühl entwickeln. Nach den Sommerferien geht die Auswahl weiter. Unser Ziel ist es, rund 1000 Kindern pro Jahr helfen zu können.

Projektverlauf und Geldvergabe
LivingEducation plante die Geldvergabe an die ausgewählten Schulen über die Bank zu tätigen. Unsere Bank riet uns davon ab, da solche Überweisungen speziell überprüft werden und wir gemäss dem „AntiTerroristen-Gesetz“ Gefahr laufen, unter Beobachtung gestellt zu werden. Aus diesem Grund wird das Geld durch unsere Mitarbeiter direkt vor Ort ausbezahlt. Die Lehrpersonen sind dafür verantwortlich, die Unterrichtspräsenz der Kinder laufend zu überprüfen. Sie halten den Schulbesuch der Kinder schriftlich fest und führen Buch darüber, wofür das Geld verwendet worden ist. Nur wer regelmäßig die Schule besucht, wird auch unterstützt. Vertreter von LivingEducation werden in den Schulen Kontrollen durchführen. Alle Lehrpersonen legen vor einem weiteren Unterstützungsentscheid sämtliche Zeugnisse der in Frage kommenden Kinder zur Einsicht vor. Wir haben vor Ort lokale Vertreter ausgewählt, – oft sind es jene Personen, die uns auf die Kinder aufmerksam gemacht haben -, die ebenfalls den Schulbesuch und den Schulerfolg der Kinder überprüfen und mit den Eltern den Kontakt aufrecht halten. Bei Problemfällen werden die Eltern direkt von uns kontaktiert. Diese Arbeit erfolgt gegen ein kleines Honorar.

Frauenprojekte
Das Menschenrechtsbüro für Frauen mit Schutzhaus funktioniert weiterhin gut. Nach dem Fastenmonat im Juni begannen wieder die Näh-, PC-, Englisch- und Beautician-Kurse. Im Oktober 2018 wird der Präsident diesen Frauen die Kursdiplome verteilen. Ebenfalls im Oktober wird der bisherige Verlauf des „Micro Finance Projects“ evaluiert und – nach einem Unterbruch – weitergeführt. Die finanziellen Mittel stehen dafür zur Verfügung.

LivingEducation ist nicht nur eine soziale, sondern auch eine Friedensinitiative zwischen zwei ehemals verfeindeten Ländern: Pakistan und das noch viel ärmere Bangladesh. Schon bilden sich Kreise in die verschiedenen Erdteile, wie wenn ein Stein ins Wasser geworfen wurde… Tarango ist eine Frauenorganisation in Bangladesch, die vor rund 20 Jahren gegründet wurde. Frauen, die zuvor Prostituierte waren, wurden zu Näherinnen ausgebildet. Heute produziert Tarango Frauentaschen aus Jute und auch aus wiederverwendeten Zementsäcken, die in Europa, in den USA und auch in Australien verkauft werden.
LivTar ist ein Projekt, das LivingEducation und Tarango gemeimsam gestartet haben. Tarango Produkte werden durch LivingEducation direkt eingekauft und der Gewinn geht an unsere Projekte in Pakistan. Somit ist das auch ein Friedensprojekt zwischen zwei Ländern, die früher gegeneinander Krieg geführt haben. Noch wichtiger ist die Tatsache, dass Frauen in Bangladesch Mädchen in Pakistan unterstützen. Im April 2014 kam auch ein Team aus Bangladesch, um unser Microfinance-Projekt vorzubereiten. Weitere Informationen unter: http://www.livingeducation.org/portfolio/livingeducation-tarango-livtar/

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