Für mich ist Weihnachten …

Von guten Mächten wunderbar geborgen
Erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Liebe Leute,
Ich hoffe und wünsche, dass alle das Neue Jahr gut angefangen haben. Möge es ein gesegnetes Jahr sein!

Herzlichen Dank für die vielen Rückmeldungen auf meine Blogeinträge während der Coronazeit. Es waren bedeutend mehr als normalerweise. Das hat mich sehr gefreut.

Viele von uns haben durch Corona viel durchgemacht. Sei es als persönlich Betroffene durch die Krankheit, sei es durch Verluste im Freundes- und Verwandtenkreis, sei es durch die Bedrohung der Existenzgrundlage. Ich wünsche Euch allen viel Kraft und Mut, das neue Jahr anzugehen.

Die Schweiz hat es besonders hart getroffen. Ich war zum Glück direkt vor der Pandemie noch dort. Dann hat der Winzling alles lahm gelegt. Ich bin dankbar, dass ich diese Zeit in Deutschland, in unserem nordhessischen Dorf verbringen konnte, wo es möglich war in Feld und Wald spazieren zu gehen. Ich habe dieses Jahr die Natur, besonders auch im eigenen Garten, noch viel inniger genossen als sonst. Ich habe mich gefreut Nachrichten zu hören (und selber auch zu erleben), wie die Umwelt sich erholt hat. Keine Kondensstreifen mehr am Himmel, auch nicht vom Flieger, der mich eigentlich nach Indien hätte bringen sollen… Unglaublich, wie viel Kreativität und Solidarität sich entwickelt hat, besonders auch von jungen Menschen Älteren gegenüber. Ich war glücklich, dass so viele Menschen nachdenklich wurden und dies auch mitgeteilt haben. Aber auch die Enttäuschung, dass es dann wieder so schnell wie möglich wie früher sein sollte, Party machen auf Mallorca oder als Coronaleugner, das einigen dann wiederum das Leben gekostet hat. Warum melden sich die Coronaleugner nicht als Freiwillige, um Krankenpersonal zu unterstützen oder um für arme Menschen zu kochen wie David, der Inder, im letzten Sommer? Er hatte auch keine Angst vor Corona. Er tat einfach das, was am nötigsten war. Siehe auch: Corona in Indien

Covid hat uns auf dramatische Weise gezeigt, dass wir nur EINE Welt sind, EINE Menschheit. Es war mir wichtig, mit der Welt verbunden zu bleiben. Das relativiert die eigenen Probleme.

Leider gab es in den Medien fast nur noch Berichte über Corona und dessen Auswirkungen bei uns, was es mit uns macht. Was macht es aber in den armen Ländern? Immer noch sterben mehr Menschen an Malaria als an Covid. Alle paar Sekunden stirbt nach wie vor ein Kind an Unterernährung oder mangelnder Hygiene auf Grund von Armut und ungerechter Weltwirtschaft. Was passiert weiterhin in Syrien? Die grösste humanitäre Katastrophe herrscht zur Zeit im Jemen. Kein Weihnachten in Moria! Wer hat den Blitzkrieg zwischen Armenien und Aserbaidschan mitbekommen, in dem innerhalb kürzester Zeit Tausende starben, die einen beschützt vom grossen Bruder im Norden, die andern vom Helfer am Bosporus… Ein Spielball der Grossmächte.

Da ist ein junger Mann aus Armenien, der in Deutschland studiert. Statt in die Armee wollte er sich ausbilden lassen, um seinem Land einmal beim Aufbau zu helfen. Jetzt ist Krieg. Kollegen sind gestorben. Er war nicht dort. Wie ihm zureden, dass er für die Zukunft seines Landes berufen ist und nicht als Kanonenfutter?

Es hat mich sehr betroffen gemacht, als eine gute Kollegin, die Verantwortung in einem Pflegeheim trägt, geschrieben hat: „Der unerwünschte Gast schlug bei der Arbeit ein, wie eine Bombe.. Viele Pflegende sind am Anschlag.. Sehr viele Bewohner sind an Covid gestorben, über 20…. Jetzt sind viele Betten leer. Wann und wie sie wieder besetzt werden können, ist noch offen…..“

Ich bin den deutschen Politikern dankbar, besonders Angela Merkel, die ohne Pandemie-Erfahrung sicher versuchten ihr Bestes zu machen und all jene aushalten mussten, die alles viel besser gewusst hätten…

In Deutschland und vielen andern Ländern wurden Soldaten zum Helfen eingesetzt. Das entspricht einem meiner Lebensträume: Armeen ohne Waffen, aber überall dort, wo Hilfe gebraucht wird, bei Naturkatastrophen oder eben wie bei der Pandemie. Da, wo Menschen gebraucht werden, nicht Kriegsmaschinerie. Frieden auf Erden, den Menschen guten Willens, Kern der Weihnachtsbotschaft..

Ja, Weihnachten war anders als wir es gewohnt sind. Für mich ist Weihnachten weniger ein Fest als ein Geschehen, das nicht an ein Datum gebunden ist, sondern immer wieder dort geschieht, wo Herzen sich öffnen, Menschen mehr Mensch werden, das ganze Jahr über. Die Weihnachtstage im Dezember sind für mich dann vor allem Tage des Gebetes, des Dankens, der Anbetung.

Wer weiss wirklich noch, was Weihnachten im Tiefsten bedeutet, jenseits der wunderbaren Weihnachtsmärkte, des allgegenwärtigen Weihnachtsmannes mit der roten Mütze, frei von Coca Cola erfunden? Mittlerweile gibt es ja auch schon Weihnachtsfrauen im Minirock und Hunde und Katzen, die ebenfalls mit der roten Zipfelmütze dekoriert sind. Aber wo bleibt derjenige, dessentwegen das Fest überhaupt gefeiert wird?

2019 erzählte ein MSFS-Pater eine Geschichte, die mir im Gedächtnis geblieben ist: In einer Kirche wurde Weihnachten gefeiert, mit Musik, Gesang und allem, was dazu gehört. Vor der Tür saß im Dunkeln ein Mann, den niemand beachtete. Irgendwann kam ein Fremder auf ihn zu und fragte: „Warum sitzt du hier draußen?“ Der Mann antwortete: „Da drinnen wird mein Geburtstag gefeiert, aber niemand weiß, dass ich hier draußen sitze…“

Im gleichen Jahr habe ich im Dalitdorf etwas erlebt, das mich das ganze Jahr über beschäftigt hat:

Es war noch gar nicht Weihnachten, oder besser, es war Weihnachten für die Leute, weil ich da war, jemand von einem fremden Land, die ihnen Interesse bekundete. Die mit ihnen gegessen hat und sich für sie interessierte. Dalit sein heisst, ein ganzes Leben lang diskriminiert zu sein. Die Unterseite des Lebens in aller Bitterkeit kennen gelernt zu haben. Ich habe mehrmals mit Gruppen Dalitdörfer besucht. Das bewirkt unheimlich viel. Die Damen unserer Reisegruppen haben dann auch noch oft mit den Leuten getanzt und gesungen. Wer es nicht selber erfahren hat, kann sich nicht vorstellen, wie viel Positives solche Begegnungen auslösen.

In der Kindheit von Onkel Michael war das nicht anders, aber er hatte das unglaubliche Glück, vom Deutschen Kinderhilfswerk irgendwie gefunden und gefördert worden zu sein. Er ist Lehrer geworden und könnte ein reicher Mann sein, aber er tut alles für ´seine` Dalitkinder, dass auch sie auf ein besseres Leben hoffen dürfen. Seine eigenen Kinder haben beide ein Studium abgeschlossen und stehen auf eigenen Füssen.

Um alles perfekt zu machen, hatte Michael noch Carepakete für die Kinder bestellt, die ich verteilen sollte, was mir nicht besonders gefiel, aber ich kam da nicht raus. Die Kirche war vollgestopft mit Leuten. Von den 25 katholischen Kindern waren 50 da. Die freuten sich auch alle, denn in den Schachteln waren kostbare Dinge wie Buntstifte, Hefte oder gar Süssigkeiten. Sofort wurde in der Kirche alles ausgepackt:

Es war ein Riesenfest. Ich stand so, dass ich als einzige direkt zum Fenster sah. Da standen zwei Mädchen draussen und lugten durch das Fenster. Es waren offensichtlich zwei sehr arme Kinder. Warum sah sie niemand? Ich war mit dem Verteilen der Pakete beschäftigt und natürlich mit Händeschütteln. Aber diese beiden standen da draussen. Warum habe ich nicht einfach inne gehalten oder Michael oder den Pfarrer oder sonst irgend jemanden am Kleid gezupft und auf die Kinder gezeigt?

Später, als wir zum Haus von Davids Eltern gingen, er selber war im Studium in Europa, sah ich die beiden Mädchen nochmals. Ihre Mutter sagte etwas, aber niemand beachtete sie. Ich selber hatte nichts dabei als den Fotoapparat und machte ein Bild. Dann war ich wieder beschäftigt mit den Menschen, bei denen ich war und die mir allerlei zeigen wollten.

Aber die beiden Mädchen liessen mich nicht los. Es war ein leichtes, sie später ausfindig zu machen. Für mich war es aber Derjenige, der draussen stand, der immer wieder unerkannt draussen steht.

Das war dann die Geschichte dahinter: Die Mutter der beiden Kinder ist schwer nierenkrank. Deshalb hat ihr Mann sie verlassen. An dem Tag hatte sie nicht einmal Frühstück für die Kinder gehabt. Sie hatten aber gehört, dass es in der Kirche was gab, vielleicht sogar Süssigkeiten, aber sie wurden nicht in die Kirche gelassen, weil sie keine Christen waren.

Jesus hat klar gesagt, das was wir dem Geringsten tun, das tun wir ihm selber. Von Bekenntnis hat er nichts gesagt. Diese Geschichte hat mich nie wieder losgelassen. Mit David war sie oft Thema bis heute. Es müsste eine Möglichkeit geben, dass alle Religionen zusammen gegen die Armut und gegen das Kastenunwesen arbeiten. Deshalb gibt es nur eines: den Kindern Bildung, Bildung, Bildung ermöglichen.

Schon lange unterhält Onkel Michael in einer nahegelegenen Stadt eine Schule. Einige Kinder müssen bezahlen, die ganz Armen sind frei. Für das Schulgebäude muss er horrende Mieten bezahlen. Deshalb beschloss er eine eigene Schule zu bauen. Bis im Juni sollte sie fertig sein. Er hatte auch an offizieller Stelle Zuschüsse beantragt und selber halt jahrelang so viel wie möglich gespart. Der Bau konnte beginnen. Zuerst kamen die Zuschüsse nicht und dann kam Corona und alles stand still. Was nun? Schliesslich halfen dann auch noch die LehrerInnen beim Bauen mit und bekamen dafür Essen.

Damals schrieb er: „Eigentlich weiss ich nicht, wie es weitergehen soll mit dem Bau des Schulgebäudes, aber durch Gottes Gnade und das Gebet WIRD es weiter gehen. Bitte schliess mich in dein Gebet ein.“ Siehe auch: Das Beste erwarten

UND DAS BESTE TRAF EIN!!

Wenn Engel auf dem Dach tanzen

Kurz vor Weihnachten erreichte mich dieses Bild. Onkel Michael und seine Frau Angelina tanzen fröhlich auf dem Dach des noch unfertigen Schulgebäudes, offensichtlich nach einem kräftigen Regenguss. Jemand hatte sich von ihrer Geschichte berühren lassen und eine grosszügige Spende gemacht. Die beiden kommen mir vor wie die Engel, die bei der Geburt Jesu auf den Feldern das Gloria sangen. Sie jubeln ihre Freude hinaus: „Ehre sei Gott (und Dank den Menschen). Friede auf Erden allen, die sich Frieden und das Wohl aller wünschen.“

Weihnachten im Leprosendorf

Onkel Michael hat auch im Leprosendorf Weihnachten gefeiert. Die Leute haben offensichtlich Handtücher und wahrscheinlich Seife bekommen. Sie leben sonst vom Betteln, aber seit Corona dürfen sie das Lager nicht mehr verlassen. Sie werden sozusagen wieder als Aussätzige behandelt.

Gebe Gott, dass sie eines Tages so stark werden, dass sie ihr eigenes Leben in die Hand nehmen können, sei es durch Bildung, durch Stärkung des Selbstwertgefühls, durch Entfaltung der eigenen Talente und Fähigkeiten.

Auch David hat mir seine Weihnachtsgeschichte geschickt, die ganz viel mit den oben erzählten Geschichten zu tun hat. Er arbeitet zur Zeit in einer Sozialstation mit Ausgestossenen, HIV-Kranken oder sonst irgend Menschen, die den Anschluss an eine Familie oder die Gesellschaft nicht mehr schaffen. Im Juni wird er hoffentlich mit dem Studium weitermachen können.

David unterrichtet unter anderem Englisch für Kinder, die während der Corona-Pandemie täglich zu ihm kommen

Liebe Schwester, Du hast über die zwei Kinder geschrieben, die in meinem Dorf vor dem Fenster ausserhalb der Kirche standen, und wie Du von diesen zwei Mädchen berührt wurdest. Eigentlich sind diese Kinder die Gestalt Jesu, der wieder draussen steht, weil in unseren Herzen so wenig Platz für ihn ist. Auch ich habe das Gleiche erlebt, aber anders. Vor Weihnachten ging ich jeden Tag zur Messe ins Schwesternkloster. Auf dem Weg zum Kloster sah ich eine arme Frau, die so alt war wie meine Mutter und jeden Tag bettelte und auf der Strasse schlief, sie trank das Wasser, das aus dem Abwasserkanal kam. Nachdem ich das gesehen hatte, sagte ich ihr, sie solle dieses Wasser nicht trinken, weil es schmutzig sei. Und ich sagte ihr, sie solle dort bleiben, bis ich von der Messe zurückkomme, sie sagte OK. Als ich zurückkam, war sie nicht mehr da, ich suchte sie den ganzen Tag, aber ich fand sie nicht. Das hat mich sehr traurig gemacht. Ich konnte mich nicht mehr richtig über Weihnachten freuen.

Viele Leute waren zu Weihnachten im Gottesdienst, um die 400 Leute, mit guter Kleidung und mit schöner Dekoration in der Kirche, mit guter Musik, alles war gut, aber da war etwas, was mir über diese arme Frau durch den Kopf ging. An diesem Tag hatte ich morgens nichts, um ihr etwas zu geben, aber ich sagte ihr, sie solle warten, damit ich ihr etwas zu essen geben kann, das war ein trauriger Morgen für mich. Ich erinnere mich an Dich, wie du anderen geholfen hast, obwohl du nicht reich bist, aber trotzdem hast du dein Herz geöffnet, um zu helfen und an andere zu denken. Als ich nach Europa kam, war ich sehr einsam, hatte keine Bekannten und Freunde. Durch dich hat Gott mir geholfen in Beziehung zu treten mit andern Menschen, die mir sehr wichtig geworden sind. Jetzt bin ich  mit den Menschen in Europa und in Indien und anderen Orten verbunden. Liebe Schwester, ich vergesse meine Vergangenheit nicht, wie arm und ausgeschlossen ich war und wie ich erzogen wurde, wenn ich die armen Menschen um mich sehe. ER (Jesus) möchte eins sein mit uns allen wie mit dieser armen Frau. Wir alle haben leere Hände vor Gott, aber er kann sie uns füllen, wenn wir ein offenes Herz haben.

In diesem Jahr habe ich besonders über die geschlossenen Türen nachgedacht. Für mich ist das Wichtigste an Weihnachten, dass die Türen des Herzens offen bleiben, egal wie dunkel es in der inneren Mördergrube ist und es aussieht, als würden dort Ochs und Esel hausen. Jesus ist das Licht der Welt und der Herzen, an allen Tagen des Jahres. Er ist der Verwandelnde. Er hat uns alle auserwählt, seine Botschafter des Friedens auf Erden zu sein! Dein Bruder David

Zum Schluss noch ein Gebet von Kierkegaard, das mir sehr oft in den Sinn kommt:

Herr, schenk mir blöde Augen, für Dinge die nichts taugen.
Und Augen voller Klarheit für alle deine Wahrheit.

Nochmals wünsche ich allen ein gesegnetes Neues Jahr, die Kraft, vertrauensvoll in die Zukunft zu gehen, den Blick stets auf das Wesentliche gerichtet zu haben und vielleicht sogar die Fähigkeit durch die Ereignisse hindurch zu sehen, den Durchblick zu haben auf Gott hin..

Eure Schwester Myriam

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