Friede auf Erden

Liebe Leute,
es ist Advent geworden. Wir bewegen uns auf Weihnachten zu. Ich bin immer noch in Indien und haette eigentlich sehr viel zu erzaehlen. Aber im Moment bewegt mich etwas anderes. Ich habe eben die Kampagne ‚Atomwaffen verbieten – humanitaere Tradition staerken‘ unterschrieben. Da geht es auch um die Schweiz. Was hat das mit Advent und Weihnachten zu tun? Weihnachten ist eigentlich ein Fest des Friedens. „Frieden auf Erden“ singen die Engel, und der Stall von Bethlehem wird zum globalen Treffpunkt, wo Arme und Reiche, Namenlose und Herrscher Platz finden bei einem, der eigentlich keinen Platz in dieser Welt hat(te): Jesus Christus. Ueber 2000 Jahre Christentum und der Grossteil der Menschheit lebt nicht in Wuerde, sondern in bitterer Armut, ohne Wuerde, ohne Menschenrechte, im Krieg und Verfolgung.

Ganz viele Menschen in der westlichen Welt kennen die Bedeutung von Weihnachten nicht mehr. Es wird mir wieder sehr schwer fallen, in die Konsum- und Verschwendungsgesellschaft einzutauchen, in die Luftblase der Behaglichkeit, die uns abschirmt von der Realitaet dieser Welt, vom Bewusstsein, dass wir, sogar wenn wir eher zur unteren Mittelschicht gehoeren, eben doch eine privilegierte, hauchduenne Minderheit auf diesem Planeten sind. Nein, wir sollen kein schlechtes Gewissen haben. Aber wir sollten Verantwortung uebernehmen fuer unsere Welt, fuer die Menschen unserer Zeit, egal auf welchem Kontinent sie leben.

Ich werde immer wieder angemacht, weil ich mich in Indien fuer die Arm(gemacht)en engagiere, in einem Land, das die Atombombe besitzt. Gegen diese Atombomben kann ich nichts tun, aber ich kann mich dagegen in Europa engagieren.

Am 7. Juli 2017 hat die Schweiz zusammen mit 121 anderen Staaten den UN-Vertrag über das Verbot von Atomwaffen angenommen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz rühmte den Vertrag als einen wesentlichen und lang erwarteten Schritt zur Verwirklichung des universellen Ziels einer Welt ohne Atomwaffen und forderte alle Staaten auf, dem Vertrag “unverzüglich” beizutreten (20.09.2017).

Leider hat die Schweiz den Vertrag bis heute nicht unterzeichnet. Sie liessen mehr als ein Jahr verstreichen, bevor sie am 15. August 2018 mit Verweis auf den Bericht einer interdepartementalen Arbeitsgruppe verkündeten, die Schweiz werde dem Vertrag vorerst nicht beitreten. Es würde mir sehr viel bedeuten, wenn diese Petition https://act.campax.org/petitions/atomwaffen-verbieten-humanitare-tradition-retten  von moeglichst vielen Menschen unterstuetzt wuerde. Alle, die unterschreiben, helfen mit, diese Kampagne zu stärken und machen es wahrscheinlicher, dass wir damit das angestrebte Ziel auch tatsächlich erreichen können. Vielleicht doch ein bisschen mehr Frieden auf dieser Erde…??

Je mehr Menschen hinter einem Anliegen stehen, desto wahrscheinlicher werden Entscheidungsträger dem Thema Aufmerksamkeit schenken. Jede Person, die mit ihrem Namen für die Sache eintritt, bringt die Kampagne einen Schritt näher zum Erfolg.

Frieden auf Erden!

Rainer, der diesen Blog mit Liebe und Sorgfalt gestaltet, hat ebenfalls seine Weihnachtsgedanken geschickt. Unsere Wethener Gemeinschaft hat viele Beziehungen zum Balkan. Ich selber habe ueber Weihnachten / Neujahr / Ostern 2000 sechs Monate in Serbien verbracht. Kurze Zeit vorher war das Land von der NATO ausgebomt worden. Alle Bruecken in Novi Sad waren zerstoert. Auf einer dieser Bruecken, der Most Slobode, der Freiheitsbruecke, habe ich die ersten Schritte ins neue Jahrtausend hineingetan…

Zerstörte Most Slobode, Novi Sad, Foto: Wolfgang Hunscher, Dortmund, 26.07.2001

Nach wie vor ist der Balkan aus dem Blickfeld der Oeffentlichkeit entschwunden, ein Pulverfass, das jederzeit explodieren koennte. Doch auch hier leben und arbeiten ganz verborgen Menschen fuer den Frieden, einen Frieden, den Waffen nie bringen werden.

Rainers Text: „In diesem Jahr bin ich an den Weihnachtsfeiertagen bei einer muslimischen Familie in Bosnien eingeladen. Als ich die Einladung bekam, fiel mir ein Artikel aus dem vorigen Jahr ein: https://www.derstandard.de/story/2000070906215/weihnachten-in-bosnien-das-glueck-anderer-ist-immer-das-eigene Am Ende des Artikels ist ein Video des Chores „Pontanima – Brücke der Seele“ verlinkt. Der Franziskaner Markovic hat nach dem Krieg diesen Chor gegründet, in dem etwa 50 Bosnier, Christen, Muslime, Juden und Atheisten singen. Markovic spricht von einer „Sinfonie der Religionen“. Der Verfremdungseffekt, den Bertolt Brecht beschrieb, um Stereotype zu brechen, geschieht etwa, wenn Pontanima im Advent das arabisch-islamische Lied „Salla Alejke Allahu“ vorträgt (auch hier im Video ab Minute 28:00 zu hören).
Ich wünsche mir, allen Atheisten und Gläubigen, unsere friedensstärkenden Kräfte zu trainieren und zu verbinden.“

Das ist auch mein Wunsch.
Mit herzlichen Friedenswuenschen,

Eure Schwester Myriam

Mein Weihnachtsbild: Buntes Gewusel im Bus, singen, tanzen, sich freuen, Inderinnen, Deutsche, Schweizerinnen, /Reiche /Arme, Hindus, Christen, keine Beruehrungsaengste, alle in einem Bus unterwegs in der einen Welt

und der Dankesbrief dazu:

Warm greetings from Anvaya Public School, Mysore!

The teachers in the school are still thrilled about the reminiscences with your group. The time you spent with us was really fertile and lively. We have put up your photographs in the school notice board for the children and parents to see your group. In fact, the children have expressed that they missed the event!

In fact, we are very thankful to you for having made such a ‚historical‘ visit to our school and the village. Your visit was ‚talk of the area‘ for a few days. I thank Sr. Lisy for having provided such opportunity to us. We extend warm welcome to your group in the years ahead.

Warm regards,
Mahadev Kote, Director
Anvaya Public School

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