Indische Religionsobere wollen Hass nicht tolerieren

Indien ist für mich das religiöseste Land der Welt. Religion ist keine Theorie, sondern allgegenwärtig im Alltag. Indien ist nicht bloss ein Land, sondern ein ganzer Kontinent, eine Vielvölkergemeinschaft, ein Schmelztiegel der Religionen, Kulturen, Sprachen und Ethnien. Das geht nicht ohne Konflikte. Doch seit einigen Jahren nehmen Intoleranz und sektiererische Gewalt im ganzen Land zu. Religion wird auch dort immer mehr missbraucht von der Politik. Den folgenden Bericht aus den Vatikan-Nachrichten vom 13. April 2018 finde ich bemerkenswert:

Indien: Aufruf zu religiöser Toleranz

Mehr als 1500 religiöse Führer haben sich in Indien zu einer zweitägigen Versammlung getroffen. Sie wollen sich verstärkt dafür einsetzen, die jeweils wahren Botschaften ihres Glaubens zu verbreiten und so der wachsenden religiös-motivierten Gewalt und dem Hass entgegentreten.

Repräsentanten der Hinduisten, Muslime, Christen, Sikh, Jain und Buddhisten sowie religiöser und sexueller Minderheit haben an einer Konferenz am 11. und 12. April in Indore teilgenommen. Es wurde gemeinsam von drei Organisationen, die sich für religiöse Harmonie einsetzen, organisiert. „Wir sehen eine Zunahme von religiöser Gewalt im Land und müssen dafür eine Lösung finden. Diejenigen, die Gewalt verbreiten, sind keine religiösen Menschen. Sie verstehen die Grundsätze ihrer Religion nicht“, sagte Adil Sayeed, einer der Organisatoren. Weiter sagte er, die Menschen, die religiösen Hass verbreiteten, täten dies aus politischen Gründen oder um sich persönlich zu bereichern. Sie würden sich lediglich die Lehren und Tradition heraussuchen, die ihnen persönlich zum Vorteil gereichten, um so Hass zu verbreiten. Gewöhnliche Menschen könnten diese verfälschten Lehren glauben — so entstünde dann religiöse Intoleranz, erklärt Sayeed. Die Teilnehmer haben sich laut Sayeed dazu verpflichtet, den Angehörigen ihrer Religion die wahre Lehre ihres Glaubens nahezubringen, denn keine Religion lehre Hass und Gewalt.

Indien erlebte seit dem Amtsantritt der pro-hinduistischen Bharatiya Janata Party (BJP) im Jahr 2014 eine zunehmende religiöse Polarisierung. Die Partei propagiert sich selbst als Vorkämpfer der Hindus und unterstützt hinduistische Gruppen, um ihre Aktion zur Umwandlung Indiens in eine Hindu-Nation zu beschleunigen. Religiöse Minderheiten wie Christen und Muslime beschweren sich über vermehrte Gewalt gegen ihre Religionsgruppen. Zehn muslimische Männer wurden getötet und 2017 wurden 736 Christen attackiert, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

80 Prozent der 1,3 Milliarden Inder sind Hindus. Mit 14 Prozent stellen die Muslime die größte Minderheit dar. Christen machen gerade einmal 2,3 Prozent der Bevölkerung aus. Da 2019 die nächsten Parlamentswahlen anstehen, stellen sich die Politiker aktuell gerne als Beschützer der Religionen dar.

Eigene Erfahrungen

Schon mehrmals wurde ich gefragt, manchmal neugierig, manchmal auch gehässig, wie ich denn in Indien mit den andern Religionen umgehen könne, da ich doch so katholisch sei. Sehr gut kann ich damit umgehen, denn ich weiss, wer ich bin und wo ich stehe. Viele meinen, dass das Christentum eh nichts in Indien zu suchen hätte und wissen nicht, dass es im Süden seit dem ersten Jahrhundert Christen gibt, noch haben sie eine Ahnung, welchen enormen Einsatz die Kirchen, insbesondere Ordensleute, bei den Ärmsten der Armen, dort wo keiner hingeht, leisten, oft unter Einsatz des eigenen Lebens. Diese westliche antikirchliche Propaganda ist natürlich Wasser auf die Mühle der Ultranationalisten, denen es nicht um die Menschen, sondern um Macht und Reichtum geht. Es gibt auch Evangelikale, welche alles, was nicht ihrer Lehre entspricht, zur Hölle verdonnern und dabei Hindus und viele andern zur Weissglut bringen.

Was ich bei meinen indischen FreundInnen besonders schätze, ist die Art, über Religion im Alltag zu sprechen. Man erkennt die Religionszugehörigkeit auch an der Kleidung, den Namen, an den religiösen Bildern oder Symbolen im Laden, im Auto, im Büro oder wo immer. Es kann auch vorkommen, dass ein Ladenbesitzer zuerst noch seine Andacht halten will, ehe er einen bedient. Christen beten oft einen Segen, ehe sie mit dem Auto losfahren (bei dem Verkehr!!). An mehreren Orten, wo ich jeweils länger weile, höre ich am Morgen oder auch am Abend den Gebetsruf des Muezzin. Irgendwann tönt die Musik vom Tempel herüber, an einigen Orten werden dann auch vom Kirchturm Gebete, Lieder oder das Evangelium des Tages gesendet. Ich geniesse diese Orte. So könnte es sein, Frieden auf Erden den Menschen guten Willens, verbunden mit DEM, der alles zusammenhält.. Oder eben ein Vorgeschmack auf den Himmel…

Als ich 1998 das erste Mal in Bangalore weilte, lernte ich an einem interreligiösen Treffen Professor N.S. Ramaswami (en.wikipedia) kennen. Er war ein hoher Gelehrter, ein Universalgenie, ein einfacher Mann, von dem ich sehr viel gelernt habe und der mir heute manchmal noch fehlt. Einmal sagte er mir: „Es gibt nur einen Gott. Die vielen tausend Götter im Hinduismus sind einfach verschiedene Gesichter des einen Gottes.“ Ich dachte an unsere vielen Heiligen oder Patrone, die in ihrer Verschiedenheit alle etwas von Christus in ihrem Leben verwirklicht haben. Ein anderes Mal sagte er: „Wir haben 20 Millionen von Göttern, aber was Jesus für Euch getan hat, hat keiner von den unsern für uns getan.“ Welche tiefe Erkenntnis hatte dieser Mann, wo in unserer Zeit im reichen Westen das Ärgernis des Kreuzes und Opfertod Jesu wegdiskutiert wird? Professor Ramaswami war ein grosser Verehrer von Sai baba. Er war ein hochkarätiger Brahmane, aber einmal soll er Kastenlosen die Füsse gewaschen haben. Für Ordensschwestern hatte er eine besondere Verehrung, weil die zu den Ärmsten der Armen gehen, da wo keiner hingeht. Für Konversionen hatte er allerdings kein Verständnis. Jeder soll da gut leben, wo er hineingeboren ist. Als ich ihn einmal fragte: „Wie sehen Sie den Run zum Materialismus, der sich rasant ausbreitet?“ Professor Ramaswami lächelte nur und antwortete dann: „Sie werden ihm eine Zeitlang nachrennen, aber sie werden bald genug davon haben und sich wieder auf die alten Werte besinnen.“

Als ich 2002 bei Beena weilte, verlor ich mein Professkreuz. Das bedeutet für mich soviel wie für andere der Verlust des Eherings. Ein Freund aus der salesianischen Familie schickte mir darauf eine Skizze des Kreuzes. Ich ging zu einem Silberschmied, der mir das Kreuz dann auch anfertigte, ein Hindu. Ich musste ihm jedes Detail ganz genau erklären. Als ich das Kreuz abholen ging, hatte er Traubensaft besorgt, wollte nochmals alles ganz genau wissen und dann feierten wir zusammen mit seinem Mitarbeiter ein richtiges Fest. So hat sich nie wieder jemand für mein Kreuz interessiert…

Schwester Lisy, die Gründerin des Roshini Projektes, könnte Professorin sein. Stattdessen gehört ihr Herz den Armen, den Strassenkindern, den zukunftslosen jungen Leuten, besonders den Frauen. Ihre rechte Hand ist eine Muslimin, eine wunderbare Frau. Das erste Mädchen, das wir föderten, war ein hochbegabtes, aber völlig mittelloses Hindumädchen, das heute Ingenieurin ist.

Als ich das erste Mal bei Schwester Lisy in Mysore lebte, wohnten wir im Salafistenviertel. Zugegeben, der eine Nachbar war ein Ekel, aber solche Nachbarn gibt es überall. Wenn die andern Leute in der Nachbarschaft ein Fest feierten oder sich auf die Reise nach Mekka machten, waren wir miteingeladen. An Weihnachten teilten wir mit ihnen unsern Weihnachtskuchen.
Erst zurück in Deutschland habe ich erfahren, dass die Salafisten alle böse sind. (Entschuldigung, das sind plakative Vorurteile, die ich oft zu hören bekomme, aber so krass treffen sie auf mich.)

Ein besonderes Erlebnis war die Einladung zu einer muslimischen Hochzeit. Samir war ein grosser Wohltäter von Lisy, ein Mann, der half, wo er helfen konnte. Auch ich verstand mich mit ihm ausgezeichnet. Also, wir sollten an seine Hochzeit kommen. Ausser ihm kannten wir niemand von der Gesellschaft, aber seine Schwester kam sofort auf uns zu. Lisy fiel durch ihr Ordenskleid auf, ich durch meine weisse Haut. Frauen und Männer waren getrennt. Sameer hörten wir hinter einer Wand zwar beten, aber wir sahen ihn erst, als er hereinkam, um seiner Braut den Ehevertrag zum Unterzeichnen zu bringen. Diese sass auf einer Art Bühne. Wir erkannten unsern bescheidenen Sameer kaum. Er sah aus wie ein Prinz. Er schritt würdevoll von hinten durch die Halle, doch dann bog er plötzlich zu uns beiden ab, begrüsste uns herzlichst, dann schritt er würdevoll weiter Richtung Braut. Nach der Trauung kümmerte sich wieder seine Schwester um uns, dass wir ja genug zu essen hatten.

Auch das Frauenhaus von Beena Sebastian und ihre Friedensakademie ist offen für alle. Beena vermeidet es ganz klar, sich mit einer einzelnen Religion oder Partei oder Organisation einzulassen, auch wenn sie dadurch finanzielle Einbussen erleiden muss. Die Angestellten kommen ebenfalls aus allen Religionen. Übers Jahr hinweg werden denn auch die wichtigen Feste der einzelnen Bekenntnisse von allen gefeiert.

Beenas Vater war ein anglikanischer Pastor, ein grosser internationaler Friedensstifter und Kollege von Gandhi, heute leider vergessen. Interreligiöser Dialog ist in Indien ein Muss, wenn man für den Frieden arbeiten will. Beena hat viele Jahre für die katholische Bischofskonferenz gearbeitet, um ihr Anliegen in die Kirche einzubringen, hat aber auch mit allen andern Religionen Kontakt. Wenn die Frauen verschiedener Religionen sich zusammen tun, dann ist schon viel getan.

In Kochi habe ich auch meine muslimischen Freude, die Rickshawfahrer. Sie begleiten immer unsere Reisegruppen, zeigen verborgene Winkel, welche nur wenige Touris sehen und haben uns schon in vielen schwierigen Situationen geholfen. Der eine ist ganz stolz, dass seine Frau für eine kommunistische Partei kandidiert. Kerala ist tatsächlich das erste Land, das 1958 ein frei gewähltes kommunistisches Parlament hatte. Heute noch wechseln sich Congress Partei und die Kommunisten in der Regierung ab. Die Nationalhinduisten haben dort keine Chance. Als von Delhi die Verordnung kam, ab sofort wäre das Schlachten von Rindern im ganzen Land verboten, feierten die Keraliten ein grosses Rinder-Festival. Rindfleisch gehört zu unserer Kultur!!

In Kochi gibt es auch eine alte jüdische Stadt mit einer Synagoge aus dem 16. Jahrhundert. Was in Europa kaum bekannt ist: Indien hat eine äusserst positive Geschichte mit den Juden bis in die jüngste Zeit. Die portugiesische Kolonialzeit war die schlimmste Epoche mit Judenprogromen. Heute ist diese jüdische Kolonie leider am Aussterben. Aber in der Gegend von Goa sammelt sich eine ganz neue Gruppe Juden: Israelische Soldaten, die nach ihrem Wehrdienst die weite Welt sehen wollen und die oft erst dann auch merken, was in ihrem Land mit den Palästinensern abgeht. Wie lange es Juden in Indien gibt, weiss niemand, aber möglicherweise kamen Flüchtlinge nach der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar und der babylonischen Gefangenschaft, 600 Jahre vor Christus. Nach der Auferstehung Jesu wurden die Apostel in alle damals bekannte Welt gesandt. Diese jüdischen Gemeinden mögen der Grund gewesen sein, dass der Apostel Thomas bis nach Indien kam. Deshalb gibt es in Kerala eine der ältesten Kirchen der Welt.

Mit unsern Gruppen haben wir bis vor kurzem auch immer den Sikhtempel besucht:

Sikhismus war ein Versuch von einer Art Versöhnung zwischen Islam und Hinduismus. Daraus ist eine neue Religion entstanden. Was unsere Leute besonders beeindruckte, war die herzliche Gastfreundschaft. Viele fragten sich nachher: Würden wir auch so nett sein und eine fremde Gruppe, mit anderer Religion und aus einem andern Kontinent so gastfreundlich aufnehmen?

Letztes Jahr besuchten wir mit unserer Reisegruppe erstmals einen Ashram von Daliths, kastenlose Ureinwohner, die einer Naturreligion angehören. Sie kennen keinen üblichen Gott, sondern sind mit Mutter Erde und den Ahnen verbunden. Mit ihnen feierten wir, pflanzten Bäume und liessen uns einfach beeindrucken von der ganzen Lebensweise eines Volkes, das stets ausgegrenzt war, jetzt aber mit einem unglaublichen Selbstbewusstsein auf gewaltfreie Art für seine Rechte eintritt und auch viel erreicht, aber nach wie vor sehr viel zu erdulden hat…

Von ihrer Art mit der Natur umzugehen, könnten wir alle viel lernen.

Die Daliths werden offiziel zu den Hindus gezählt, wollen es aber nicht sein. Auch sie haben das Rindfleischverbot nicht anerkannt, weil für sie die Kraft des Tieres beim Essen auf sie übergeht.

Und natürlich finde ich auch meine eigene Kirche wieder, eine ganz andere, junge, bunte, kreative und tief spirituelle Gemeinschaft. Ich erlebe Ordensleute, die ihr Leben wagen bei ihrem Einsatz für die Ausgegrenzten, Menschen, welche zu Menschen gehen, die sonst auf Grund ihrer Herkunft keine Chancen hätten auf Bildung, medizinische Versorgung und in unzähligen andern sozialen Projekten. Hier erlebe ich meine alte salesianische Spriritualität ganz neu. Je mehr ich mich ins Herz Gottes verliere, um so näher bin ich meinen Mitmenschen.

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Rundbrief aus dem Roshini-Projekt, Herbst 2017

ROSHINI RAYS, September/Oktober 2017 

Bericht zweimal jährlich. Ein Einblick in den Alltag im Roshini Projekt, Mysore, Südindien. Sinngemässe Übersetzung: Margrit Germann (Original von Sr. Lisy in Englisch)

Unsere Aufgaben:

Berufsbildungen, Heimplatzierung von Kindern und Mädchen in Not, retten und rehabilitieren, ganzheitliche Entwicklung, Schulen in den Slums, Arbeitsplatzvermittlung.

Unsere Visionen:

Eine kinder- und frauenfreundliche Gesellschaft in Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Respekt und Integrität.

Liebe Freunde vom Roshini Förderverein und alle, die unsere Arbeit unterstützen,

Unser herzlichster Dank an Euch alle, die unsere Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung, Schulung und ihrem Wachsen unterstützen.

Der Traum von zwei eigenen Kühen ist durch Euch erfüllt worden, und schon bald wird der Traum eines eigenen Schulhauses für die Ausbildungskurse auch Wirklichkeit.

(Sr. Lisy Georges, Leiterin Roshini Projekt)

Besuch von Vineesha Nero, Ministerin Legislative Assembly Bundesstaat Karnataka

Frau Vineesha Nero, Ministerin für Rechte im Staate Karnataka, überraschte uns am 19. August mit ihrem Besuch und der Entscheidung, eine Nacht bei uns im Roshini Kinderheim zu verbringen.

Das ganze Haus wurde sofort festlich eingerichtet. Die Kinder waren erfreut, sie zu treffen und mit ihr zusammen zu sein. Sie haben für sie getanzt, gesungen und verbrachten fast zwei Stunden mit ihr. Frau Nero liess die Kinder Fragen stellen und gab Antworten über ganz verschiedene Themen. Beim Essen mit dem Team teilte sie ihre Sicht mit uns, wie die Kinder aufwachsen dürfen und sich zu starken Frauen entwickeln sollen.

Frau Vineesha Nero erklärte uns einige Angelegenheiten betreffend der verfassungsmässigen Rechte der Kinder und der momentanen Situation im Bundesstaat Karnataka.

Auch machte sie uns darauf aufmerksam, dass wir nach drei Jahren, nach dem Bezug des neuen Kinderheimes und dessen Registrierung, bei der Regierung eine kleine Hilfe anfordern können. Sie versprach uns zu unterstützen, falls es damit Probleme geben sollte.

Sie lobte und schätzte die gute Entwicklung der Kinder, die Möglichkeiten, die den Kindern und Jugendlichen geboten wird und die überaus grosse Arbeit von Sr. Lisy und ihrem Team.

Examen und Resultate

Im September/Oktober ist die Zeit, wo in den Schulen Examen abgehalten werden. Die Resultate sind herausgegeben worden und alle unsere Kinder haben in allen Fächern bestanden. Die Meisten haben sehr gute Noten erhalten, dank ihrem Fleiss und ihrer Zielstrebigkeit und auch dank der Unterstützung unserer Mitarbeiterinnen und Schwestern.

 Martina Bo aus Italien

Durch ein Gespräch mit Sr. Lisy kam Martina Bo aus Italien ins Roshini Center. Sie und ihr Verlobter waren hier als Joga-Lehrer tätig. Martina besuchte jeden Sonntag unser Kinderheim und unterrichtete die Kinder in Geschicklichkeit und Joga und spielte mit ihnen.  Die Kinder freuten sich und genossen die Zeit mit ihr. Vielen Dank, liebe Martina für deine wertvolle Zeit mit uns.

 

Ein Ausflug zum Sacchidanatha Ashram

Auf unsern Ausflug am 2. September freuten sich die Kinder sehr. Wir besuchten den Ganapathi Sacchidanatha Ashram in Mysore. Das spezielle in diesem Ashram sind die vielen Papageien, die hier gehalten werden. Sie sind einzigartig, aus allen Erdteilen und in allen Grössen und Farben. Einige der Vögel können Stimmen nachsprechen. Im Ashram ist auch eine spezielle Tierklinik für Vögel eingerichtet und rundherum ist ein schöner Bonsaigarten. Dazu wird eine Licht- und Sound-Produktion geboten.

Wir schätzten uns glücklich in der Natur zu sein und manches über die Vögel zu lernen.

Volontärinnen aus Deutschland.

Seit Juli dieses Jahres sind Lisa und Leonie aus Deutschland als junge Volontärinnen bei uns im Team. Ihre Anwesenheit ist eine Ermutigung für die Kinder und Jugendlichen. Beide begleiten die Kleinen zur Schule und bleiben dort im Unterricht bis mittags. Wenn die Kinder nach Hause kommen, helfen sie ihnen bei den Hausaufgaben und in anderen Aktivitäten wie Gartenarbeit, singen, spielen etc. Die Kinder sind beschenkt mit der Anwesenheit dieser zwei jungen Frauen, und die Volontärinnen nehmen die Pflichten und die Verantwortung freudig auf. Es ist eine gute gegenseitige Erfahrung und ihre Präsenz ist auch eine Erleichterung für uns Schwestern, da wir auch viel auswärts im Slum und an anderen Orten arbeiten.

Für alles danke ich von Herzen!

Sr. Lisy Georges, Leiterin Roshini-Projekt

Weihnachten ist, wenn …

Liebe Leute,
ich bin wieder gut in Duesseldorf gelandet und in Wethen angekommen. Ein Stueck Herz und viele liebe Menschen sind in Indien zurueckgeblieben mit ihrem taeglichen Kampf ums Ueberleben. Ein Stueck Indien ist in meinem Herzen nach Wethen gekommen, wo ich liebevoll erwartet wurde.

Was ist denn Weihnachten? Welchen Sinn macht die Geburt Jesu in meinem Leben?
Wenn ich im Dunkel der Zeit das Licht der Liebe, der Wertschätzung und des Friedens erfahre und auch weitergebe. Wenn ich in diesem Licht den Bruder oder die Schwester erkenne, das Antlitz Jesu entdecke, denn ER ist es IMMER. Mein Herz muss der Ort sein, in dem Jesus geboren werden will, selbst wenn dieses Herz manchmal aussieht wie ein Stall, in dem Ochs und Esel hausen. Hauptsache, die Türe steht offen für Hirten und Könige.

Vor fast 60 Jahren hat mir eine Schulkollegin ein Gedicht in mein Album geschrieben, das mich bis heute begleitet:

In der Welt ist’s dunkel, leuchten müssen wir.
Du in Deiner Ecke, ich in meiner hier.

Diese Worte haben mich mein Leben lang begleitet.

Weihnachten ist, wenn Vinayalaya festlich geschmückt wird.

Weihnachten wird, wenn unsere Krippenbaufachingenieure am Werkeln sind. Wieviele Menschen in Indien und anderswo würden sich glücklich schätzen, wenigstens soviel Platz zum Leben wie in dieser Krippe zu haben…

Weihnachten ist, wenn es in meinem Garten mitten im Winter blueht und alle, die es sehen, sich daran freuen. Der Winterjasmin lässt grüssen.

Weihnachten ist, wenn eine junge Mutter im Slum sich ueber ihr Kind freut.

Weihnachten ist, wenn in traurigen Kinderaugen das Licht aufscheint.

Weihnachten ist, wenn jene, die draussen wohnen…
Wollen wir sie ueberhaupt? Auch in Deutschland nimmt die Obdachlosigkeit zu. Der junge Klosterbruder konnte es kaum fassen, als ich ihm davon erzaehlte.. Auch die Hirten haben draussen gewohnt, waren als Gesindel verschrien…, aber dann kamen Engel…

Weihnachten ist, wenn Menschen verschiedener Kulturen, Generationen und Sprachen sich verstehen und miteinander feiern.

Weihnachten ist, wenn Frauen, die ein sehr schweres Leben hinter sich haben, so offen und mit Freude auf die Fremden zugehen koennen…

Im Frauenhaus von Beena Sebastian wird es diese Weihnacht keine Bescherung geben. Ihre Aufklärungskampagne in den Schulen, bei der Polizei und an vielen andern Orten über Missbrauch, Gewalt in den Familien, Kinderarbeit, etc. trägt dermassen Früchte, dass immer mehr Frauen und junge Mädchen ihr Schweigen brechen und in die Schutzhäuser flüchten. Doch die staatlichen Stellen leisten keine finanzielle Hilfe. Das Geld reicht kaum mehr für die nötigsten Dinge. Das Essen muss auf Kredit eingekauft werden. Aber sie werden feiern, singen und tanzen, denn es ist Weihnachten.
Vielleicht kommt irgendwo ein Lichtlein her…

Weihnachten war, als die Daliths, die Ureinwohner Indiens, ein Volk, das jahrhundertelang diskriminiert und verachtet wurde, ‚unberuehrbar‘ war, Freude und Wuerde ausstrahlen und gelernt haben, das eigene Geschick in die Hand zu nehmen.

Sie freuten sich ueber die Leute aus Europa, die ihnen Wertschaetzung erwiesen und die ploetzlich merkten, welch reiche Kultur sie hier finden,

wieviel Gastfreundschaft, Herzensfreude und Zufriedenheit die Menschen erfuellt und auf uns ueberging.

Traenen flossen. Zusammen pflanzten wir einen Friedensbaum. Friede auf Erden allen Menschen, die sich Frieden wuenschen!!

Ich wuensche allen eine erfuellte, freudenreiche Weihnachtszeit, das ganze Neue Jahr hindurch.

Eure Schwester Myriam

Weihnachtssternhecke im Bergdorf Kutta, an der Grenze zu Kerala

Indien von Mensch zu Mensch 2018, vom 04. bis 24. November

Wer kommt mit zur 10. Rundreise „Indien von Mensch zu Mensch“?

Wir sind keine Touristengruppe, sondern wollen dem indischen Menschen begegnen, wie er leibt und lebt. Wir kommen, um zu lernen, mehr ueber den Alltag der indischen Menschen zu erfahren und uns Gedanken zu machen, was dies uns in unserm Alltag im uebersaettigten Europa angeht. Wir besuchen einen Ashram, in dem Dalits (Ureinwohner) Wuerde und Recht finden. Wir verbringen drei Tage im Roshini-Projekt, wo wir erleben, wie Maedchen von der Strasse oder sehr schwierigen Verhaeltnissen zu frohen jungen Menschen heranwachsen. Wir verbringen einen Tag mit Beena Sebastian, die sich ihr Leben lang fuer Frauenrechte und Friedensprojekte eingesetzt hat. Am Abend essen wir im Frauenhaus. Wir erholen uns im Urwald und im Cherai Beach Ressort, wo wir uns eine Ayurveda-Massage goennen. Wir sind offen, was der Augenblick uns bringt, und der indische Alltag bringt eine Menge Ueberraschungen. Oft benutzen wir oeffentliche Verkehrmittel.

Indien ist das religioeseste Land der Welt. Wir kommen in Kontakt mit sieben verschiedenen Weltreligionen, inklusive das Christentum mit seinen unzaehligen sozialen Projekten. In Indien gibt es Christen seit dem ersten Jahrhundert. Wir erfahren das Wohlwollen von Muslimen, besichtigen heilige Staetten der Hindus und Jains, lernen den tibetischen Buddhismus kennen, uebernachten in einem Ashram von Dalits, die einer Naturreligion angehoeren und besuchen die alte Synagoge in Mattamcherry. Indien hat eine sehr positive Geschichte mit den Juden.

Bewusst halten wir die Preise tief, damit auch Menschen mit kleinerem Budget, aber viel Interesse mitkommen koennen. Wir sind keine Discounterreise! Auch keine Bettelreise. Wer spenden will, soll dies aus eigener innerer Ueberzeugung machen.

Immer begleiten uns Einheimische oder MitarbeiterInnen aus den Projekten. Diese Reise findet zum 10. Mal statt. Mittlerweile waren etwa 120 TeilnehmerInnen mit uns unterwegs, von denen viele mehrmals dabei waren.

Reiseplan

So, 4. Nov. Abflug in Zuerich oder in Deutschland.

Mo, 5. Nov. Ankunf in Bangalore, Transfer nach Vinayalaya, dem Gaestehaus der MSFS Patres (Missionnare des hl. Franz von Sales)

Vinayalaya,das gastfreundliche Haus der MSFS Patres, wo wir unsere ersten Tage verbringen und sich der Kreis wieder schliesst

Am Nachmittag erstes Beschnuppern der Umgebung. Zwei Uebernachtungen in Ein- und Zweibettzimmern.

Di, 6. Nov. Spaziergang zum ISCON-Tempel, ein Tempel der hinduistischen Hare Krishna-Bewegung. Moeglichkeit indische Kleidung zu kaufen. Nachmittag in Bangalore

Mi, 7. Nov. Fahrt mit dem Kleinbus zum Booshakthi Kendra Ashram, wo wir die Freuden, Sorgen und Noete der Dalits kennenlernen. Uebernachtung in Ein- und Zweibettzimmern

Der Booshakthi Kendra Ashram, eine Anlaufstelle fuer Dalits

Do, 8. Nov. Abfahrt mit dem Kleinbus am Vormittag nach Mysore. Unterwegs besuchen wir das Hindustaedtchen Melakote und wandern dort auf einem Pilgerweg. Je nach Zeit Besuch von Tempeln.

Am Abend Ankunft im Roshini Kinderprojekt von Mysore. Unterkunft im Projekt selber in Mehrbettzimmern. 4 Uebernachtungen.

Das Haus des Roshini-Projektes fuer ehemalige Strassenmaedchen

Fr, 9. Nov. Besuch des Palastes von Mysore, Weltkulturerbe, Gang durch die verschiedenen Basare und Maerkte. Mysore ist Seiden- und Parfuemstadt.

Sa, 10. Nov. Schul- und Slumbesuch vom Roshini-Projekt, Besuch in einem privaten Altenheim, wo voellig mittellose Menschen aufgenommen werden.

So, 11. Nov. Katholische Sonntagsmesse fuer alle, die wollen. Besuch der Kathedrale, Gang durch die Geschaeftsstrassen. Am Nachmittag Kaffee trinken bei einer muslimischen Famile oder Ausgang nach Wunsch oder mit den Kindern spielen… oder….

Mo, 12. Nov. Fahrt nach Bylakoppe, einer tibetischen Kolonie. Gegen Abend Fahrt durch den Urwald nach Kutta, ein Staedtchen zwischen Urwald und Kaffeeplantagen. Erholungstage in der Natur. 3 Uebernachtungen in Mehrbettzimmern.

Do, 15. Nov. Fahrt mit dem Kleinbus nach Kannur, wo wir in den Zug nach Ernakulam steigen. Uebernachtung im POC Center in Einbett- und Zweibettzimmern. (Einbettzimmer mit Aufschlag)

Fr, 16. Nov. Projekttag mit Beena Sebastian, Gruenderin der Cultural Academy for Peace und letzte Hoffnung fuer missbrauchte und gequaelte Frauen.

Beena Sebastian

Sa, 17. Nov. Erholung auf den Kanaelen und Fluessen Keralas.

So, 18. Nov. Mit der Faehre fahren wir zum alten Kochi hinaus. Unsere muslimischen Freunde und Rikshawdriver zeigen uns verschiedene interessante Ecken und bringen uns an einen einsamen Strand.

Mo, 19. Nov. Wir besuchen die juedische Stadt mit der alten Synagoge und bei genuegend Zeit auch den alten Markt in Ernakulam. Gegen Abend holt uns der Kleinbus ab nach Cherai Beach. 2 Uebernachtungen in Zweier- und Einzelzimmern (Aufschlag).

Di, 20. Nov. Tag am Meer. Wer will, kann sich zu einer Ayurveda-Massage anmelden.

Mi, 21. Nov. Wir bleiben in Cherai Beach bis nach dem Mittagessen. Im Verlaufe des Nachmittags holt uns der Kleinbus ab nach Ernakulam. Fruehes Abendessen bei Beena Sebastian. Beena wird uns nachher zum Bahnhof begleiten. Nachtfahrt mit dem Zug nach

Do, 22. Nov. Bangalore. Der Kreis schliesst sich. Am Nachmittag fahren wir zum Priesterseminar der MSFS Patres. Abendmesse mit indischer Liturgie und Abendessen mit den Seminaristen. 2 Uebernachtungen in unseren schon gewohnten Zimmern in Vinayalaya.

Fr. 23. Nov. Bangalore, Wunschtag, Abschied nehmen, Candellightdinner

Sa, 24. Nov. Rueckflug

Wie die Erfahrung zeigt, wird es immer wieder Aenderungen, Improvisationen und Anpassungen geben. Die hauptsaechlichen Punkte werden aber alle drankommen.

Preis der Reise: 1280 Schweizer Franken fuer die drei Wochen, alles inbegriffen; plus Flug, ca 700 bis 800 Euros ab Deutschland, ab Zuerich zwischen 800 und 1000 SFr. Der Flug wird Anfang Maerz gebucht und sollte dann auch bezahlt werden. Das Reisegeld fuer die 3 Wochen wird direkt am Anreisetag in Bangalore eingezogen. Der Betrag kann ohne weiteres in Euros bezahlt werden.

Leider ist das Visum sehr teuer geworden, in Deutschland um die 200 Euros, in der Schweiz um die 200 Sfr.

Die Anmeldung muss bis Mitte Februar definitiv sein. Der Flug wird ca. Ende Februar gebucht.

Die Reisegruppen umfassen ca. 14 TeilnehmerInnen, Anmeldung nach Reihenfolge. Je nach TeilnehmerInnen aus der Schweiz und Deutschland finden lokale Infotreffen statt, die fuer Angemeldete obligatorisch sind. In der Schweiz ist Margrit Germann die Ansprechsperson, in Deutschland Schwester Myriam. Fuer weitere Fragen und Orientierungshilfen stehen wir zur Verfuegung.

Im Blog schwestermyriam.wordpress.com wird regelmaessig ueber die Projekte und Erfahrungen berichtet. Schwester Myriam weilt jedes Jahr ungefaehr drei Monate in Indien.

Ein grosses Dankeschoen von Beena

Wie gewohnt, habe ich auch dieses Jahr eine laengere Zeit mit Beena Sebastian verbracht. Zu allererst muss ich herzliche Gruesse und einen gaaaaanz grossen Dank aussprechen an alle, die sie im letzten Jahr unterstuetzt haben.
Beena kaempft, wie die meisten Frauenschutzprojekte, mit ganz grossen finanziellen Problemen. Es ist einfacher, fuer ein Tierheim Spenden zu bekommen als fuer misshandelte und missbrauchte Frauen und Maedchen. Trotzdem leistet die Cultural Academy for peace, der auch ein Schutzhaus fuer Frauen und eins fuer Maedchen angeschlossen sind, eine unglaubliche Hilfe. Im Moment, wo das Bewusstsein fuer Missbrauch immer groesser wird, bitten so viele junge Frauen um Hilfe, dass im Frauenhaus von 45 Personen 25 Maedchen von 10 bis 18 Jahren sind, die eigentlich ihren eigenen Raum brauchen wuerden. Die juengsten sind natuerlich mit ihren Muettern dort. Im Maedchenschutzhaus sind 18 Maedchen im Alter von 12 bis 17 Jahren. Zur Zeit wissen die Verantwortlichen oft nicht, wie sie alle satt kriegen sollen, und das im hoechst entwickelten Staat von Indien, in Kerala. Dort steigen die Preise enorm. Alles wird teurer, nur die Loehne bleiben gleich. Und die Preise fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse sind im freien Fall, seit ein Abkommen mit Indonesien ermoeglicht, dass von dort die Waren viel billiger importiert werden koennen als indische Bauern produzieren. An einem Tag war deswegen Streik. Alles stand still.

Wenn moeglich werden einige der Frauen ausgebildet, so dass sie auf eigenen Fuessen stehen koennen. So konnten im letzten Jahr fuenf junge Frauen eine einjaehrige Lehre als Krankenschwester absolvieren. Damit ist erst mal gut fuer sie gesorgt. Vielleicht schaffen sie es spaeter noch sich zusaetzlich ausbilden zu lassen, dass sie auch international als Krankenschwestern arbeiten koennten. Eine Frau ist Ernaehrungsberaterin geworden. Dieser Beruf hat in Kerala besondere Zukunftschancen, denn die Fastfood-Sucht nimmt erschreckend zu. Zum einen ist das Zeug billig, zum andern haben berufstaetige Frauen nicht mehr die Zeit zum Kochen (indische Kueche ist sehr arbeitsintensiv) und drittens moegen es viele junge Leute, besonders College-Studenten, nur noch ‚fast‘. Dementsprechend nehmen Fettleibigkeit, Krebs und viele andere Wohlstandskrankheiten erschreckend zu. Zwei Frauen lernen noch Modedesign. Das sind etwas bessere Schneiderinnen, die dann wiederum andere ausbilden koennen.

Eine weitere Angelegenheit ist es, ein Konto anzulegen, an das nur diese Frauen rankommen und sonst niemand. Sehr oft werden diese Maedchen finanziell ausgenutzt. Das „Milchkuhsystem“ ist in Kerala zwar ueblich und hat in der Vergangenheit erheblich zum Aufschwung in diesem Staat beigetragen: Einer verdient gut in der Familie, arbeitet irgendwo im Ausland und erhaelt den ganzen Clan, besonders jene, die in der Ausbildung sind. So ist Kerala zum allgemeinen Wohlstand gekommen. Heute gehen 100% der Kinder zur Schule, wenigstens zeitweise.

Alles gut und recht, aber die jungen Frauen sollen selber entscheiden koennen, was sie mit ihrem Geld machen und an wen sie es weitergeben.

Die Frauenschutzhaeuser nehmen im Moment zwar den groessten Raum ein, aber nach wie vor gibt es viele andere Aufgaben fuer die Cultural Academy for Peace (CAP).

Eine sind die Kurse fuer die Polizei, besonders die Bahnpolizei, wie man mit missbrauchten Frauen respektvoll umgeht. Aber im Moment werden ebenfalls in den Schulen sogenannte Peace Clubs gegruendet. Die jungen Leute lernen Streit zu schlichten als auch die Augen offen zu halten bei Missbrauch, gegebenenfalls auch auf andere Verbrechen, zum Beispiel Kinderarbeit, Menschenhandel, etc. Sie erfahren, was man tun und wohin man sich wenden kann.

Beena interessierte sich fuer einige Uebungen, die wir beim Projekt Alternativen zur Gewalt (PAG) in den Gefaengnissen anleiten oder die ich auch persoenlich weiterentwickelt habe. Ihr Wunsch waere schon lange, dass ich mal mit ihr zusammen einen Workshop anbieten wuerde, aber mein Englisch ist nicht dermassen ausgefeilt, wie es in diesen Kursen sein muesste. Eigentlich war mein Plan gewesen, sie mit dem PAG-Team in Kerala zu vernetzen, oder jemand vom Nordosten haette sich gerne mit dem Team in Nepal vernetzt, aber es war einfach nicht moeglich. Jetzt da ich gute Kontakte zu Rajagopal und seiner Ekta Parishad habe, wird es wohl eher in diese Richtung gehen, um so mehr dies auch von ihm persoenlich und seiner Frau Jill gewuenscht wird.

Beena war froh, dass ich da war. Dass sie eine Gespraechspartnerin hatte, die ihr zuhoerte. Indische Projektleiterinnen sind vor allem gefordert. Wie es ihnen privat geht, das bleibt deren Ding. Es ist schon Tradition, dass wir miteinander essen gehen. Dieses Jahr sind wir in ein kleines Cafe gegangen, das auch eine Galerie ist. Kochi und ganz besonders Mattancherry, die juedische Stadt, sind nicht nur Hotspots fuer Touristen, sondern es laeuft auch sehr viel mit Kunst. Alle zwei Jahre gibt es ueber die Jahreswende eine Biennale. Da habe ich einige Bekannte. Zu diesem Kreis gehoert auch der Galerist mit seinem Cafe.
Er hatte sehr grosses Interesse, Beena kennen zu lernen. Wir luden auch unsern Freund, den Rikshawdriver, ein. Das ist sehr aussergewoehnlich, wenn sie sich einladen lassen von uns „mehr Besseren“. Mit unsern beiden Rickshawdrivern sind wir so weit, dass die Augenhoehe stimmt und wir einen sehr vertrauten Umgang pflegen. Der eine hatte mir kurz vorher mit Traenen in den Augen gesagt, dass seine drei Jahre alte Tocher Leukaemie hat. Seine Mutter hatte einen Schlaganfall. Die muss er auch noch pflegen. Jetzt im Gespraech mit Beena kam noch ein anderes Familiendrama zum Vorschein. Auf Beenas Frage, warum er sich nicht bei ihr gemeldet haette, antwortete er auf gut indisch: Ich habe befuerchtet, dass du zuviel Arbeit hast. Auf deutsch uebersetzt heisst das eher: Ich wollte kein Verraeter von Familienangelegenheiten sein.
Idylle am Hafenbecken von Kochi (Cochin)

Mittlerweile sind es 15 Jahre, seit ich Freiwillige in der Cultural Academy of Peace (CAP) in Cochin war. Eine lange Zeit und doch so kurz, voller Erfahrungen von Freundschaft mit Beena, der ich hoechste Achtung ausspreche fuer ihren langen, ja ich wuerde sagen, lebenslangen und selbstlosen Einsatz fuer Frieden, Gerechtigkeit und Genderfragen. Mit so vielen Leidensgeschichten von Frauen bin ich konfrontiert worden und wuerde wuenschen, dass besonders wir Frauen sensibler wuerden fuer das Leid von Millionen unserer Schwestern auf der ganzen Welt.

Auch in der westlichen Welt ist viel Not unter Frauen, und doch ist kein Vergleich mit dem, was sich in vielen andern Laendern abspielt, wo die Gesetze nicht da sind oder nicht greifen.

Dies soll keine einseitige Parteinahme fuer die Frauen sein. Beena ist die erste, die immer wieder Partnerschaft als Ziel vorgibt. Es hat auch schon Kurse fuer Maenner bei der CAP gegeben. Vom Interesse her koennte es noch viel mehr geben, denn auch unter Maennern waechst das Bewusstsein, dass nur durch ein partnerschaftliches Miteinander der ersehnte Frieden wachsen kann.

Ich hoffe sehr, dass alle, die daran arbeiten, in Cochin und anderswo, einen langen Atem und viel goettliche Kraft haben, um noch lange weiter zu machen. Ich hoffe und bete, dass der lebenslange Wunsch von Beena Sebastian, ein eigenes Friedens- und Therapiezentrum zu haben, sich erfuellen moege und sich immer genuegend Menschen finden, die sich ebenso selbstlos fuer diese Ziele einsetzen.
Viel Zeit verbrachte ich einmal mehr beim Zahnarzt: vier zum Teil schwierige Wurzelbehandlungen und zwei Kronen waren dran. Vor 15 Jahren hat diese Zahnaerztin diese Zaehne schon mal aufgemotzt. Sie ist Fachfrau fuer Wurzelbehandlungen, eine wahre Kuenstlerin, ihr Mann macht die Kronen und der alte Vater plombiert meistens noch. Ein Rudel junger Zahnaerztinnen sorgt fuer Zahnhygiene und was es sonst noch so braucht in einer Zahnklinik.

Letztes Jahr wollte auch eine Teilnehmerin der Reisegruppe ihre Zaehne dort putzen lassen. Jetzt will es ihre Freundin ihr nachtun. Als dies bei der Gruppenvorbereitung zur Sprache kam, haben sich auch gleich noch vier andere angemeldet. Also, ich habe eine kleine „Zahnarztgruppe“. Nachdem mir eine junge Zahnaeztin die Zaehne wieder auf Vordermann gebracht hatte, wollte ich die Gruppe auch gleich anmelden. Das war Anfang Oktober fuer den 17. November.. Aber die junge Frau wollte absolut nicht. Man kann sich doch nicht so lange zum voraus anmelden. Man weiss ja gar nicht, was da noch alles passiert… Nachdem ich ihr erklaert hatte, dass man sich bei uns ein halbes Jahr vorher anmelden muss, hat sie dann den Termin notiert mit der Zustimmung des ganzen Rudels.
Wir sehen uns im November!!!

Eure Schwester Myriam