Archiv der Kategorie: Allgemein

Mein Bruder heisst Yahya und ist Pakistani

Liebe Leute,
im letzten Blogeintrag bin ich auf die Frage eingegangen: „soll man den Armen überhaupt helfen?“ Nächste Frage: „Soll man einem Land helfen, das die Atombombe hat und die Frauen unterdrückt? Wie kann man wissen, ob die Spenden überhaupt ankommen?“ Diese Fragen stellen sich viele zu Recht. Diese Fragen betreffen sowohl Indien als auch Pakistan. Ist nicht alles Sisyphus-Arbeit?
Die Antwort gibt mir ein Mann mit seinem Leben, den ich Bruder nenne…, der durch alle Probleme hindurch seine Zuversicht und seinen Humor behalten hat.

Dr Yahya Hassan Bajwa mit einer christlichen Familie

Als er zwei Jahre alt war, kam er mit seinen Eltern in die Schweiz. Mit 14 schrieb er in einem Schulaufsatz, wie er seinem Heimatland helfen wollte, wenn er denn mal ´gross´ sei. Mit 24 erhielt er den Schweizer Pass und bekleidete mehrmals wichtige Posten in der Politik. Yahya konnte beste Schulen besuchen, ist hoch gebildet mit Doktortitel und könnte ein reicher Mann sein. Statt sich mit fünf Oldtimern oder drei Perserkatzen zu schmücken, setzt er sich unermüdlich für sein Herkunftsland ein, für die Bildung der Mädchen und zwar bewusst für ALLE Religionen zusammen, und für misshandelte und missbrauchte Frauen. Yahya ist ein Mann, der mit kleinen Schritten schon einen sehr langen Weg gegangen ist, ein Weg, der auch schon mehr als einmal lebensbedrohlich war. Yahya und sein Team und ein grosser Freundeskreis geben nicht auf. Hier ein Bericht von der Arbeit von ´LivingEducation´, einem Verein, der sich auf Tod und Leben in Pakistan einsetzt, letztlich auch, weil unser Planet zu einem globalen Dorf geworden ist. Näheres siehe auf http://www.livingEducation.org

Eure Schwester Myriam

Liebe Spenderinnen und Spender, liebe Freundinnen und Freunde von
LivingEducation,

Erfolgreicher Strategiewechsel von Living Education
Im letzten Jahr setzte sich LivingEducation intensiv mit der Frage „Wie geht es weiter mit den Projekten von LivingEducation“ auseinander. Wir beschlossen, dass wir unsere Aktivität auf die individuelle Unterstützung von Mädchen (zu 90%) und Knaben (zu 10%) vor Ort aus den Slumgebieten konzentrieren. Dabei erhalten mittellose Kinder und ihre Eltern eine finanzielle Unterstützung, die es ihnen ermöglicht, Schulen vor Ort zu besuchen. Unsere Unterstützung deckt das Schulgeld ab, die Bezahlung der Schuluniform und – wenn nötig – den Einkommensverlust auf Grund des durch den Schulbesuch wegfallenden Kindereinkommens. Die Auswahl der Kinder begann bereits im September 2017. Im April 2018 war der Präsident von LivingEducation in Pakistan und wählte gemeinsam mit dem Länderkoordinator Fida Waraich und seinem Team bis Ende Mai 651 Kinder aus. In der Regel unterstützen wir Kinder beim Besuch der öffentlichen Schulen. Die Kinder leben vor allem in armen Gegenden, Dörfern und Quartieren. Allerdings gibt es in einigen Gegenden keine Unterrichtsmöglichkeit ausser in Privatschulen. In diesen Fällen übernehmen wir das Schulgeld für diese Schulen.

Fida Hussain Waraich im afghanischen Fluechtlingscamp in der Nähe von Islamabad

Pilotprojekt
Das Pilotprojet ist im Oktober 2017 gestartet und konnte bis Juni 2018 erfolgreich abgeschlossen werden. Die weitere Projektplanung und –umsetzung erfolgt laufend, da unsere Hilfe unabhängig vom Schuljahresbeginn ist. Die Anzahl der unterstützten Kinder hängt vom Geld ab, das uns zur Verfügung steht. Die ersten Rückmeldungen aus den Schulen sind sehr positiv: Die Lehrpersonen sehen, dass die Kinder durch unsere Zuwendung ein grösseres Selbstwert- und Zugehörigkeitsgefühl entwickeln. Nach den Sommerferien geht die Auswahl weiter. Unser Ziel ist es, rund 1000 Kindern pro Jahr helfen zu können.

Projektverlauf und Geldvergabe
LivingEducation plante die Geldvergabe an die ausgewählten Schulen über die Bank zu tätigen. Unsere Bank riet uns davon ab, da solche Überweisungen speziell überprüft werden und wir gemäss dem „AntiTerroristen-Gesetz“ Gefahr laufen, unter Beobachtung gestellt zu werden. Aus diesem Grund wird das Geld durch unsere Mitarbeiter direkt vor Ort ausbezahlt. Die Lehrpersonen sind dafür verantwortlich, die Unterrichtspräsenz der Kinder laufend zu überprüfen. Sie halten den Schulbesuch der Kinder schriftlich fest und führen Buch darüber, wofür das Geld verwendet worden ist. Nur wer regelmäßig die Schule besucht, wird auch unterstützt. Vertreter von LivingEducation werden in den Schulen Kontrollen durchführen. Alle Lehrpersonen legen vor einem weiteren Unterstützungsentscheid sämtliche Zeugnisse der in Frage kommenden Kinder zur Einsicht vor. Wir haben vor Ort lokale Vertreter ausgewählt, – oft sind es jene Personen, die uns auf die Kinder aufmerksam gemacht haben -, die ebenfalls den Schulbesuch und den Schulerfolg der Kinder überprüfen und mit den Eltern den Kontakt aufrecht halten. Bei Problemfällen werden die Eltern direkt von uns kontaktiert. Diese Arbeit erfolgt gegen ein kleines Honorar.

Frauenprojekte
Das Menschenrechtsbüro für Frauen mit Schutzhaus funktioniert weiterhin gut. Nach dem Fastenmonat im Juni begannen wieder die Näh-, PC-, Englisch- und Beautician-Kurse. Im Oktober 2018 wird der Präsident diesen Frauen die Kursdiplome verteilen. Ebenfalls im Oktober wird der bisherige Verlauf des „Micro Finance Projects“ evaluiert und – nach einem Unterbruch – weitergeführt. Die finanziellen Mittel stehen dafür zur Verfügung.

LivingEducation ist nicht nur eine soziale, sondern auch eine Friedensinitiative zwischen zwei ehemals verfeindeten Ländern: Pakistan und das noch viel ärmere Bangladesh. Schon bilden sich Kreise in die verschiedenen Erdteile, wie wenn ein Stein ins Wasser geworfen wurde… Tarango ist eine Frauenorganisation in Bangladesch, die vor rund 20 Jahren gegründet wurde. Frauen, die zuvor Prostituierte waren, wurden zu Näherinnen ausgebildet. Heute produziert Tarango Frauentaschen aus Jute und auch aus wiederverwendeten Zementsäcken, die in Europa, in den USA und auch in Australien verkauft werden.
LivTar ist ein Projekt, das LivingEducation und Tarango gemeimsam gestartet haben. Tarango Produkte werden durch LivingEducation direkt eingekauft und der Gewinn geht an unsere Projekte in Pakistan. Somit ist das auch ein Friedensprojekt zwischen zwei Ländern, die früher gegeneinander Krieg geführt haben. Noch wichtiger ist die Tatsache, dass Frauen in Bangladesch Mädchen in Pakistan unterstützen. Im April 2014 kam auch ein Team aus Bangladesch, um unser Microfinance-Projekt vorzubereiten. Weitere Informationen unter: http://www.livingeducation.org/portfolio/livingeducation-tarango-livtar/

Advertisements

Abschied von den kleinen Jungs

Liebe Leute,
kürzlich erhielt ich von Pater Ashirvadam (Ashi) folgende Nachricht:
„Ich bin versetzt worden in eine Dorfpfarrei. Nach sechs Jahren habe ich Abschied genommen von den kleinen Jungs in Badwell. Ich wohne jetzt in einem Pfarrhaus, das vom Vorgänger ziemlich vernachlässigt wurde. Zuerst muss ich renovieren. In meinem Schlafzimmer fand ich drei Skorpione. Ausserdem gibt es hier auch Giftschlangen, die ich nicht besonders mag. Aber die Gegend ist sehr schön und ich bin im Glauben gewachsen und gefestigt worden“.

Ich bewundere immer wieder die Belastbarkeit vieler Inder, ihre Gelassenheit und Zuversicht! Dorf hat die Bedeutung von arm, hinterwäldlerisch. Schon die Stadt Badwell ist sehr arm, aber, und das muss man sagen, voller Leben und auch Toleranz. Hindus, Muslime, Christen, alle leben miteinander. Morgens und Abends tönt Tempelmusik durch das Städtchen, der Muezzin ruft vom Minarett und vom Kirchturm wird ebenfalls Musik, das Rosenkranzgebet oder das Evangelium des Tages gesendet. Zum Rosenkranz muss ich noch sagen: Der wurde nicht von Katholiken erfunden, sondern ist eine uralte Gebetsart, die aus Asien stammt. Hindus wie Muslime haben Gebetsschnüre, wahrscheinlich auch Buddisten und Jains.

Vor gut 10 Jahren habe ich Pater Asirvadam gleichzeitig wie Schwester Lisy kennen gelernt. Seither begleite ich ihn. Er hat mir viel geholfen, wenn ich im Staat Andrah Pradesh war, weil er selber von dort ist und die Gebräuche und die Sprache kennt. Die letzten Jahre habe ich ihn immer wieder in Badwell besucht. Letztes Jahr habe ich sogar eine kleine, ausgewählte Reisegruppe dorthin mitgenommen, denn nicht alle Leute können mit der Armut umgehen. Siehe auch: Martina B: Ein Ausschnitt von der Indienreise im September 2017 Es war eine sehr tiefe Erfahrung für alle.

Dank dieser Reisegruppe durften die Jungs mal einen grossen Schulausflug machen, weit weg von dem, was sie schon kannten. Schulausflug hiess sonst: 5km marschieren, ein wenig an einem See schwimmen oder spielen, und dann gab es noch Süssigkeiten und nachher zurück marschieren.. Jetzt wurde ein Bus angemietet, so ein schön grosser, in dem die ganze Meute Platz hatte. Den ganzen Tag waren sie unterwegs gewesen bis spät in die Nacht und hatten soviel Neues und Unbekanntes gesehen. Erst vor kurzem hatte Ashi mir geschrieben, dass sie noch jeden Tag von diesem EINEN Tag sprachen. Die andere Nachricht war gewesen, dass bis auf einen alle ihre Examen bestanden hatten.

Die Jungs im Alter ab 6 bis 15 Jahren stammen aus den abgelegenen Dörfern der Region. Meistens sind sie Bauernsöhne oder die Kinder von Lastwagenfahrern oder Rickshawdrivern. Einige sind auch Halbwaisen, deren Mütter kaum wissen, wie sie die hungrigen Mäuler sattkriegen. Sie gehören alle der katholischen Minderheit an, auch sehr armen Ethnien oder Kasten. Das Internat ist nur für katholische Jungen aus dieser Region, die sonst nicht zur Schule gehen könnten. Hier sind die Kinder unter sich, werden auch religiös gebildet und begleitet. Zuhause müssten sie arbeiten. Würde ein nahestehendes Familienmitglied krank, dann kehren sie sofort nach Hause zurück, um die Arbeit zu machen.

Die zum Internat gehörige Schule ist offen für alle. Es unterrichten LehrerInnen aller Religionen. Im Internat bekommen die Jungs 3x am Tag zu essen: einen Berg Reis mit etwas Gemüsesauce. Stühle oder Tische oder gar Besteck gibt es nicht, Betten übrigens auch nicht. Man sitzt auf dem Boden, isst mit der Hand und schläft in geschlossenen Räumen auch auf dem Boden. Etwas anderes kennt man nicht. Wichtig ist, dass man zur Schule darf. Das ist ein Privileg, vor allem, wenn es 10 Schuljahre werden.

Wichtig sind Schulbücher und Hefte und vor allem Elektrizität, dass am Abend auch die Schulaufgaben gemacht werden können. Ashi hatte einmal um einen Generator gebeten. Eine ehemalige Indienreisende machte es möglich, ein sehr nachhaltiges Geschenk, denn die Elektriziät kann zu jeder Tag- und Nachtstunde ausfallen. Ashi schrieb mir nachher, dass die Kinder, seit sie die Schulaufgaben besser und regelmässig machen konnten, deutlich ihre schulischen Leistungen steigern konnten.

Als ich Ashi letztes Jahr gesehen habe, hatte ich den Eindruck, dass er ziemlich am Ende seiner Kräfte war. Er war allein mit den 50 Jungs. Der Koch, mit miserablem Lohn und kranker Frau, half ihm dabei, was er nur konnte. Manchmal war auch noch ein Praktikant da, aber das war schon fast Luxus. Ich staunte immer über die Ordnung und Disziplin. Die älteren schauten zu den jüngeren, aber ich hatte nie den Eindruck, dass da Unterdrückung oder gar Gewalt herrschte. Nur einmal zog ich zwei Kleine auseinander. Zuerst wollte keiner reden, der eine schwieg, der andere mit der dunkleren Haut weinte. Genau darum ging es: Wer hellere Haut hat, ist etwas Besseres. Ich nahm ihre Hände in die meinen und versuchte aufzuzeigen, wie schön es ist, wenn so viele verschiedenen Farben sich mischen und sich alle an den Händen halten. „Wenn ich so lange an der Sonne Fussball spielen würde wie ihr heute, dann wäre ich jetzt ganz rot und das macht Aua! Dunkel ist viel besser“. Und dann beide noch ein wenig drücken.
Der eine der beiden war übrigens schon mal nach Amerika verkauft gewesen, aber seine armen Eltern, die sicher auch nicht viel gebildet sind, brachten es fertig, dass er zurück gebracht werden musste. In Indien begegnet man den Schattenseiten der Globalisierung auf Schritt und Tritt. Bei einer Kampagne an einem Touristenort hat mir mal ein wohlbeleibter Schweizertourist gesagt: „Ach, Frauen- und Kinderhandel gehört in Asien zur Kultur.“

Auch der Klimawandel ist hier deutlich mehr bemerkbar. Heiss war es in Andrah schon immer, aber jetzt wird es in der heissen Zeit 50 Grad und mehr. Es ist meistens viel zu trocken oder es stürmt und regnet, dass nachher alles überschwemmt ist. Die Bauern sind sehr arm, aber das Land gehört ihnen. Wie lange noch, denn sie können nicht davon leben? Ich habe mich immer gewundert, wie sie das schaffen.. Der Boden ist sehr karg mit vielen dornigen Sträuchern, wo sie ihre Kühe und Ziegenherden weiden. Andrah ist auch bekannt für die weltbesten Mangos. Inzwischen sind viele Plantagen wieder abgeholzt wegen Wassermangel.

Als ich die Buben mal nach ihren Berufswünschen gefragt habe, wollten die meisten Polizist werden oder zur Armee. Bauer wollte nur mal einer werden… Tatsächlich steht die indische Landwirtschaft vor riesigen Herausforderungen. Pro Jahr nehmen sich 12 000 indische Bauern das Leben… Allerdings auch bei uns in Europa nehmen die Suizide unter Bauern zu… Wir sind nur eine Welt!! Durch einen Freihandelsvertrag mit Indonesien können nun Agrargüter bedeutend billiger nach Indien importiert werden als es die einheimischen Landwirte schaffen zu produzieren. Die Verzweiflung ist gross. Aber nicht nur dort. Vor wenigen Monaten wurde in Deutschland eine Kampgne gestartet zur Unterstützung unserer deutschen Bauern: Derzeit verhandelt die EU mit Lateinamerika über das Handelsabkommen Mercosur. Tritt es in Kraft, bringt es Massen an Billigfleisch nach Europa und ruiniert die bäuerliche Landwirtschaft. Die Gewinner: Agrarfabriken mit Megaställen, die massiv Antibiotika und Pestizide einsetzen. Sie allein könnten mit den Agrarfirmen aus Brasilien oder Argentinien konkurrieren und würden absahnen……

Der Abschied Ashis von den kleinen Jungs ist auch ein Abschied für mich. Ich hoffe, dass sich sein Nachfolger ebenso liebevoll um die Jungen kümmern wird, wie ich auch hoffe, dass sich sein Nachfolger etwas mehr bei den zuständigen Stellen zu wehren weiss. Hoffentlich ist er ein Bauernsohn. Asi ist in der Stadt aufgewachsen.
Das Haus müsste unbedingt saniert werden. Das Essen ist seeeehr einfach. Für die kleinen Jungs fing ich an, kleine rote Münzen zu sammeln, um ihnen ein wenig besseres Essen zu ermöglichen, besonders etwas mehr Obst, jeden Tag eine Banane. Ganz viele Menschen haben den Gedanken aufgegriffen und mitgemacht. Ein ganz grosses Danke schön!! Auch wenn es in Zukunft nicht mehr für diese Jungs sein wird, so werde ich doch weiterfahren mit dem Sammeln der kleinen roten Münzen. Sie ermöglichen mir ein wenig „freies Geld“ für unerwartete Ereignisse. Manchmal kann ein Zustupf zum Beispiel für die Reparatur eines kaputten Fahrrades eines armen Händlers schon Wunder wirken. Mir liegt aber vor allem auch das Frauenhaus von Beena Sebastian am Herzen. Dort herrschte letztes Jahr grosse Not. Zwar hatten sie endlich Zuschüsse bekommen, um das Gebäude zu renovieren, aber sonst fehlt es am Nötigsten. Kurz vor Weihnachten hatte mir Beena berichtet, dass es dieses Jahr keine Weihnachtsbescherung geben würde. Es war einfach kein Geld da, während bei uns grösster Weihnachtsrummel, Überfluss und grosse Ansprüche herrschen. In meiner Not schrieb ich an eine australische Kollegin, die Weihnachten immer in Kochi verbringt und Beena mittlerweile auch kennen gelernt hatte. Sie und ihr muslimischer Rickshawdriver, ebenfalls ein Freund von mir, brachten dann Süssigkeiten zu den Frauen und Kindern. So konnte dann doch noch ein Fest gefeiert werden, oder erst recht ein Fest, eben Weihnachten.

Es ist sehr schwer, Menschen für missbrauchte und misshandelte Frauen zu interessieren, am allerwenigsten, wenn sie noch psychische Probleme haben. Das ist hier so und in Indien und an vielen andern Orten erst recht. Mehrere Jahre nacheinander hat ein Ehepaar, das Beena auf der Reise kennen gelernt hatte, ein Benefizessen organisiert. Tagelang arbeiteten sie jeweils dafür. Jetzt sind die beiden in die muslimische Heimat des Mannes ausgewandert. Einmal konnte ein Jahreslohn einer Angestellten bezahlt werden, ein anderes Mal wurde eine Rikshaw gekauft, damit die Frauen das Rikshawfahren erlernen konnten. Ein Einbruch in eine Männerdomaine, aber sehr hilfreich und nachhaltig, weil diese Frauen die Augen offen halten, wenn sie Frauen sehen, die ebenfalls Hilfe bräuchten….

Seit vielen Jahren versuche ich eine Solidaritätsgruppe aufzubauen, aber das ist sehr schwierig. Jedes unserer Haustiere wird besser versorgt, auch medizinisch, als diese Frauen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Ich hätte einmal einer Gruppe Slumfrauen einen Vortrag über arme Frauen in Deutschland halten sollen. Zugegeben, die Anfrage kam spontan und ich hatte keine Zeit mich vorzubereiten. Es war das peinlichste, was ich je in Indien hätte tun sollen. Bei allem was ich sagte, ergänzten die Frauen: „Wir wären aber schon zufrieden, wenn wir wenigstens dies oder jenes hätten, was Eure Frauen bekommen.. So schlimm kann es bei euch nicht sein.“
Öfter als man denkt, bekomme ich gesagt: „Warum sollte man da helfen? Die Armen sollen lernen sich selber zu helfen. Sie sollen sich zusammen schliessen und Revolution machen.“ Zu lernen sich selber zu helfen, auf eigenen Füssen zu stehen, genau das lernen die Frauen doch im Frauenhaus. So weit es möglich ist, bekommen sie die Möglichkeit zu einer Ausbildung. Aber einige sind traumatisiert mit schweren psychischen Schäden, brauchen medizinische, psychotherapeutische oder rechtliche Hilfe..

Ich bin allen dankbar, die weiterhin kleine rote Münzen sammeln werden. Oft, wenn ich in mein Zimmer komme, steht ein Glas mit Münzen da, von irgend einem unbekannten Schutzelengel gebracht, oder es steht auf der Treppe oder in der Gemeinschaftsküche. Die Botschaft ist immer klar: Es gibt viele Menschen, die mit mir auf dem Weg sind, kleine Schritte tun und nicht resignieren. Euch allen drücke ich meinen grossen Dank aus. Die kleinen Münzen haben einen weitaus grösseren Wert als den Geldwert.

Eure Schwester Myriam

Credo jenseits der Religionen

Ich glaube an den Wassertropfen, denn steter Tropfen höhlt den Stein.
Ich glaube an die Steine, die ins Wasser geworfen werden, dass sie
weite Kreise ziehen.
Ich glaube an die kleinen Münzen. Jede Million beginnt mit der ersten
Münze. Wenn sie geteilt wird, werden viele reich.
Ich glaube an die kleinen Flammen. Jede von ihnen ist stärker als die
Dunkelheit.
Ich glaube an die kleinen Schritte, denn der längste Weg beginnt mit
dem ersten Schritt.
Ich glaube an die guten Gedanken, denn sie bewegen die Welt. Die guten
oder die bösen Gedanken werden unser Schicksal.
Ich glaube an die kleinen Menschen, denn wenn viele kleine Menschen
kleine Schritte tun, verändern sie die Welt.
Schwester Myriam

Credo beyond religion

I believe in the ever falling water drop. It carves the rock.
I believe in the stones which are thrown into the water. They draw big
circles.
I believe in the small coins. The first million starts with the first
one. And when they are shared, many become rich.
I believe in the tiny flames. Each one is stronger than the darkness.
I believe in the short steps. The longest way starts with the first step.
I believe in the small people. When many of them start with short first
steps, they shall change the world.

Indische Religionsobere wollen Hass nicht tolerieren

Indien ist für mich das religiöseste Land der Welt. Religion ist keine Theorie, sondern allgegenwärtig im Alltag. Indien ist nicht bloss ein Land, sondern ein ganzer Kontinent, eine Vielvölkergemeinschaft, ein Schmelztiegel der Religionen, Kulturen, Sprachen und Ethnien. Das geht nicht ohne Konflikte. Doch seit einigen Jahren nehmen Intoleranz und sektiererische Gewalt im ganzen Land zu. Religion wird auch dort immer mehr missbraucht von der Politik. Den folgenden Bericht aus den Vatikan-Nachrichten vom 13. April 2018 finde ich bemerkenswert:

Indien: Aufruf zu religiöser Toleranz

Mehr als 1500 religiöse Führer haben sich in Indien zu einer zweitägigen Versammlung getroffen. Sie wollen sich verstärkt dafür einsetzen, die jeweils wahren Botschaften ihres Glaubens zu verbreiten und so der wachsenden religiös-motivierten Gewalt und dem Hass entgegentreten.

Repräsentanten der Hinduisten, Muslime, Christen, Sikh, Jain und Buddhisten sowie religiöser und sexueller Minderheit haben an einer Konferenz am 11. und 12. April in Indore teilgenommen. Es wurde gemeinsam von drei Organisationen, die sich für religiöse Harmonie einsetzen, organisiert. „Wir sehen eine Zunahme von religiöser Gewalt im Land und müssen dafür eine Lösung finden. Diejenigen, die Gewalt verbreiten, sind keine religiösen Menschen. Sie verstehen die Grundsätze ihrer Religion nicht“, sagte Adil Sayeed, einer der Organisatoren. Weiter sagte er, die Menschen, die religiösen Hass verbreiteten, täten dies aus politischen Gründen oder um sich persönlich zu bereichern. Sie würden sich lediglich die Lehren und Tradition heraussuchen, die ihnen persönlich zum Vorteil gereichten, um so Hass zu verbreiten. Gewöhnliche Menschen könnten diese verfälschten Lehren glauben — so entstünde dann religiöse Intoleranz, erklärt Sayeed. Die Teilnehmer haben sich laut Sayeed dazu verpflichtet, den Angehörigen ihrer Religion die wahre Lehre ihres Glaubens nahezubringen, denn keine Religion lehre Hass und Gewalt.

Indien erlebte seit dem Amtsantritt der pro-hinduistischen Bharatiya Janata Party (BJP) im Jahr 2014 eine zunehmende religiöse Polarisierung. Die Partei propagiert sich selbst als Vorkämpfer der Hindus und unterstützt hinduistische Gruppen, um ihre Aktion zur Umwandlung Indiens in eine Hindu-Nation zu beschleunigen. Religiöse Minderheiten wie Christen und Muslime beschweren sich über vermehrte Gewalt gegen ihre Religionsgruppen. Zehn muslimische Männer wurden getötet und 2017 wurden 736 Christen attackiert, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

80 Prozent der 1,3 Milliarden Inder sind Hindus. Mit 14 Prozent stellen die Muslime die größte Minderheit dar. Christen machen gerade einmal 2,3 Prozent der Bevölkerung aus. Da 2019 die nächsten Parlamentswahlen anstehen, stellen sich die Politiker aktuell gerne als Beschützer der Religionen dar.

Eigene Erfahrungen

Schon mehrmals wurde ich gefragt, manchmal neugierig, manchmal auch gehässig, wie ich denn in Indien mit den andern Religionen umgehen könne, da ich doch so katholisch sei. Sehr gut kann ich damit umgehen, denn ich weiss, wer ich bin und wo ich stehe. Viele meinen, dass das Christentum eh nichts in Indien zu suchen hätte und wissen nicht, dass es im Süden seit dem ersten Jahrhundert Christen gibt, noch haben sie eine Ahnung, welchen enormen Einsatz die Kirchen, insbesondere Ordensleute, bei den Ärmsten der Armen, dort wo keiner hingeht, leisten, oft unter Einsatz des eigenen Lebens. Diese westliche antikirchliche Propaganda ist natürlich Wasser auf die Mühle der Ultranationalisten, denen es nicht um die Menschen, sondern um Macht und Reichtum geht. Es gibt auch Evangelikale, welche alles, was nicht ihrer Lehre entspricht, zur Hölle verdonnern und dabei Hindus und viele andern zur Weissglut bringen.

Was ich bei meinen indischen FreundInnen besonders schätze, ist die Art, über Religion im Alltag zu sprechen. Man erkennt die Religionszugehörigkeit auch an der Kleidung, den Namen, an den religiösen Bildern oder Symbolen im Laden, im Auto, im Büro oder wo immer. Es kann auch vorkommen, dass ein Ladenbesitzer zuerst noch seine Andacht halten will, ehe er einen bedient. Christen beten oft einen Segen, ehe sie mit dem Auto losfahren (bei dem Verkehr!!). An mehreren Orten, wo ich jeweils länger weile, höre ich am Morgen oder auch am Abend den Gebetsruf des Muezzin. Irgendwann tönt die Musik vom Tempel herüber, an einigen Orten werden dann auch vom Kirchturm Gebete, Lieder oder das Evangelium des Tages gesendet. Ich geniesse diese Orte. So könnte es sein, Frieden auf Erden den Menschen guten Willens, verbunden mit DEM, der alles zusammenhält.. Oder eben ein Vorgeschmack auf den Himmel…

Als ich 1998 das erste Mal in Bangalore weilte, lernte ich an einem interreligiösen Treffen Professor N.S. Ramaswami (en.wikipedia) kennen. Er war ein hoher Gelehrter, ein Universalgenie, ein einfacher Mann, von dem ich sehr viel gelernt habe und der mir heute manchmal noch fehlt. Einmal sagte er mir: „Es gibt nur einen Gott. Die vielen tausend Götter im Hinduismus sind einfach verschiedene Gesichter des einen Gottes.“ Ich dachte an unsere vielen Heiligen oder Patrone, die in ihrer Verschiedenheit alle etwas von Christus in ihrem Leben verwirklicht haben. Ein anderes Mal sagte er: „Wir haben 20 Millionen von Göttern, aber was Jesus für Euch getan hat, hat keiner von den unsern für uns getan.“ Welche tiefe Erkenntnis hatte dieser Mann, wo in unserer Zeit im reichen Westen das Ärgernis des Kreuzes und Opfertod Jesu wegdiskutiert wird? Professor Ramaswami war ein grosser Verehrer von Sai baba. Er war ein hochkarätiger Brahmane, aber einmal soll er Kastenlosen die Füsse gewaschen haben. Für Ordensschwestern hatte er eine besondere Verehrung, weil die zu den Ärmsten der Armen gehen, da wo keiner hingeht. Für Konversionen hatte er allerdings kein Verständnis. Jeder soll da gut leben, wo er hineingeboren ist. Als ich ihn einmal fragte: „Wie sehen Sie den Run zum Materialismus, der sich rasant ausbreitet?“ Professor Ramaswami lächelte nur und antwortete dann: „Sie werden ihm eine Zeitlang nachrennen, aber sie werden bald genug davon haben und sich wieder auf die alten Werte besinnen.“

Als ich 2002 bei Beena weilte, verlor ich mein Professkreuz. Das bedeutet für mich soviel wie für andere der Verlust des Eherings. Ein Freund aus der salesianischen Familie schickte mir darauf eine Skizze des Kreuzes. Ich ging zu einem Silberschmied, der mir das Kreuz dann auch anfertigte, ein Hindu. Ich musste ihm jedes Detail ganz genau erklären. Als ich das Kreuz abholen ging, hatte er Traubensaft besorgt, wollte nochmals alles ganz genau wissen und dann feierten wir zusammen mit seinem Mitarbeiter ein richtiges Fest. So hat sich nie wieder jemand für mein Kreuz interessiert…

Schwester Lisy, die Gründerin des Roshini Projektes, könnte Professorin sein. Stattdessen gehört ihr Herz den Armen, den Strassenkindern, den zukunftslosen jungen Leuten, besonders den Frauen. Ihre rechte Hand ist eine Muslimin, eine wunderbare Frau. Das erste Mädchen, das wir föderten, war ein hochbegabtes, aber völlig mittelloses Hindumädchen, das heute Ingenieurin ist.

Als ich das erste Mal bei Schwester Lisy in Mysore lebte, wohnten wir im Salafistenviertel. Zugegeben, der eine Nachbar war ein Ekel, aber solche Nachbarn gibt es überall. Wenn die andern Leute in der Nachbarschaft ein Fest feierten oder sich auf die Reise nach Mekka machten, waren wir miteingeladen. An Weihnachten teilten wir mit ihnen unsern Weihnachtskuchen.
Erst zurück in Deutschland habe ich erfahren, dass die Salafisten alle böse sind. (Entschuldigung, das sind plakative Vorurteile, die ich oft zu hören bekomme, aber so krass treffen sie auf mich.)

Ein besonderes Erlebnis war die Einladung zu einer muslimischen Hochzeit. Samir war ein grosser Wohltäter von Lisy, ein Mann, der half, wo er helfen konnte. Auch ich verstand mich mit ihm ausgezeichnet. Also, wir sollten an seine Hochzeit kommen. Ausser ihm kannten wir niemand von der Gesellschaft, aber seine Schwester kam sofort auf uns zu. Lisy fiel durch ihr Ordenskleid auf, ich durch meine weisse Haut. Frauen und Männer waren getrennt. Sameer hörten wir hinter einer Wand zwar beten, aber wir sahen ihn erst, als er hereinkam, um seiner Braut den Ehevertrag zum Unterzeichnen zu bringen. Diese sass auf einer Art Bühne. Wir erkannten unsern bescheidenen Sameer kaum. Er sah aus wie ein Prinz. Er schritt würdevoll von hinten durch die Halle, doch dann bog er plötzlich zu uns beiden ab, begrüsste uns herzlichst, dann schritt er würdevoll weiter Richtung Braut. Nach der Trauung kümmerte sich wieder seine Schwester um uns, dass wir ja genug zu essen hatten.

Auch das Frauenhaus von Beena Sebastian und ihre Friedensakademie ist offen für alle. Beena vermeidet es ganz klar, sich mit einer einzelnen Religion oder Partei oder Organisation einzulassen, auch wenn sie dadurch finanzielle Einbussen erleiden muss. Die Angestellten kommen ebenfalls aus allen Religionen. Übers Jahr hinweg werden denn auch die wichtigen Feste der einzelnen Bekenntnisse von allen gefeiert.

Beenas Vater war ein anglikanischer Pastor, ein grosser internationaler Friedensstifter und Kollege von Gandhi, heute leider vergessen. Interreligiöser Dialog ist in Indien ein Muss, wenn man für den Frieden arbeiten will. Beena hat viele Jahre für die katholische Bischofskonferenz gearbeitet, um ihr Anliegen in die Kirche einzubringen, hat aber auch mit allen andern Religionen Kontakt. Wenn die Frauen verschiedener Religionen sich zusammen tun, dann ist schon viel getan.

In Kochi habe ich auch meine muslimischen Freude, die Rickshawfahrer. Sie begleiten immer unsere Reisegruppen, zeigen verborgene Winkel, welche nur wenige Touris sehen und haben uns schon in vielen schwierigen Situationen geholfen. Der eine ist ganz stolz, dass seine Frau für eine kommunistische Partei kandidiert. Kerala ist tatsächlich das erste Land, das 1958 ein frei gewähltes kommunistisches Parlament hatte. Heute noch wechseln sich Congress Partei und die Kommunisten in der Regierung ab. Die Nationalhinduisten haben dort keine Chance. Als von Delhi die Verordnung kam, ab sofort wäre das Schlachten von Rindern im ganzen Land verboten, feierten die Keraliten ein grosses Rinder-Festival. Rindfleisch gehört zu unserer Kultur!!

In Kochi gibt es auch eine alte jüdische Stadt mit einer Synagoge aus dem 16. Jahrhundert. Was in Europa kaum bekannt ist: Indien hat eine äusserst positive Geschichte mit den Juden bis in die jüngste Zeit. Die portugiesische Kolonialzeit war die schlimmste Epoche mit Judenprogromen. Heute ist diese jüdische Kolonie leider am Aussterben. Aber in der Gegend von Goa sammelt sich eine ganz neue Gruppe Juden: Israelische Soldaten, die nach ihrem Wehrdienst die weite Welt sehen wollen und die oft erst dann auch merken, was in ihrem Land mit den Palästinensern abgeht. Wie lange es Juden in Indien gibt, weiss niemand, aber möglicherweise kamen Flüchtlinge nach der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar und der babylonischen Gefangenschaft, 600 Jahre vor Christus. Nach der Auferstehung Jesu wurden die Apostel in alle damals bekannte Welt gesandt. Diese jüdischen Gemeinden mögen der Grund gewesen sein, dass der Apostel Thomas bis nach Indien kam. Deshalb gibt es in Kerala eine der ältesten Kirchen der Welt.

Mit unsern Gruppen haben wir bis vor kurzem auch immer den Sikhtempel besucht:

Sikhismus war ein Versuch von einer Art Versöhnung zwischen Islam und Hinduismus. Daraus ist eine neue Religion entstanden. Was unsere Leute besonders beeindruckte, war die herzliche Gastfreundschaft. Viele fragten sich nachher: Würden wir auch so nett sein und eine fremde Gruppe, mit anderer Religion und aus einem andern Kontinent so gastfreundlich aufnehmen?

Letztes Jahr besuchten wir mit unserer Reisegruppe erstmals einen Ashram von Daliths, kastenlose Ureinwohner, die einer Naturreligion angehören. Sie kennen keinen üblichen Gott, sondern sind mit Mutter Erde und den Ahnen verbunden. Mit ihnen feierten wir, pflanzten Bäume und liessen uns einfach beeindrucken von der ganzen Lebensweise eines Volkes, das stets ausgegrenzt war, jetzt aber mit einem unglaublichen Selbstbewusstsein auf gewaltfreie Art für seine Rechte eintritt und auch viel erreicht, aber nach wie vor sehr viel zu erdulden hat…

Von ihrer Art mit der Natur umzugehen, könnten wir alle viel lernen.

Die Daliths werden offiziel zu den Hindus gezählt, wollen es aber nicht sein. Auch sie haben das Rindfleischverbot nicht anerkannt, weil für sie die Kraft des Tieres beim Essen auf sie übergeht.

Und natürlich finde ich auch meine eigene Kirche wieder, eine ganz andere, junge, bunte, kreative und tief spirituelle Gemeinschaft. Ich erlebe Ordensleute, die ihr Leben wagen bei ihrem Einsatz für die Ausgegrenzten, Menschen, welche zu Menschen gehen, die sonst auf Grund ihrer Herkunft keine Chancen hätten auf Bildung, medizinische Versorgung und in unzähligen andern sozialen Projekten. Hier erlebe ich meine alte salesianische Spriritualität ganz neu. Je mehr ich mich ins Herz Gottes verliere, um so näher bin ich meinen Mitmenschen.

Rundbrief aus dem Roshini-Projekt, Herbst 2017

ROSHINI RAYS, September/Oktober 2017 

Bericht zweimal jährlich. Ein Einblick in den Alltag im Roshini Projekt, Mysore, Südindien. Sinngemässe Übersetzung: Margrit Germann (Original von Sr. Lisy in Englisch)

Unsere Aufgaben:

Berufsbildungen, Heimplatzierung von Kindern und Mädchen in Not, retten und rehabilitieren, ganzheitliche Entwicklung, Schulen in den Slums, Arbeitsplatzvermittlung.

Unsere Visionen:

Eine kinder- und frauenfreundliche Gesellschaft in Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Respekt und Integrität.

Liebe Freunde vom Roshini Förderverein und alle, die unsere Arbeit unterstützen,

Unser herzlichster Dank an Euch alle, die unsere Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung, Schulung und ihrem Wachsen unterstützen.

Der Traum von zwei eigenen Kühen ist durch Euch erfüllt worden, und schon bald wird der Traum eines eigenen Schulhauses für die Ausbildungskurse auch Wirklichkeit.

(Sr. Lisy Georges, Leiterin Roshini Projekt)

Besuch von Vineesha Nero, Ministerin Legislative Assembly Bundesstaat Karnataka

Frau Vineesha Nero, Ministerin für Rechte im Staate Karnataka, überraschte uns am 19. August mit ihrem Besuch und der Entscheidung, eine Nacht bei uns im Roshini Kinderheim zu verbringen.

Das ganze Haus wurde sofort festlich eingerichtet. Die Kinder waren erfreut, sie zu treffen und mit ihr zusammen zu sein. Sie haben für sie getanzt, gesungen und verbrachten fast zwei Stunden mit ihr. Frau Nero liess die Kinder Fragen stellen und gab Antworten über ganz verschiedene Themen. Beim Essen mit dem Team teilte sie ihre Sicht mit uns, wie die Kinder aufwachsen dürfen und sich zu starken Frauen entwickeln sollen.

Frau Vineesha Nero erklärte uns einige Angelegenheiten betreffend der verfassungsmässigen Rechte der Kinder und der momentanen Situation im Bundesstaat Karnataka.

Auch machte sie uns darauf aufmerksam, dass wir nach drei Jahren, nach dem Bezug des neuen Kinderheimes und dessen Registrierung, bei der Regierung eine kleine Hilfe anfordern können. Sie versprach uns zu unterstützen, falls es damit Probleme geben sollte.

Sie lobte und schätzte die gute Entwicklung der Kinder, die Möglichkeiten, die den Kindern und Jugendlichen geboten wird und die überaus grosse Arbeit von Sr. Lisy und ihrem Team.

Examen und Resultate

Im September/Oktober ist die Zeit, wo in den Schulen Examen abgehalten werden. Die Resultate sind herausgegeben worden und alle unsere Kinder haben in allen Fächern bestanden. Die Meisten haben sehr gute Noten erhalten, dank ihrem Fleiss und ihrer Zielstrebigkeit und auch dank der Unterstützung unserer Mitarbeiterinnen und Schwestern.

 Martina Bo aus Italien

Durch ein Gespräch mit Sr. Lisy kam Martina Bo aus Italien ins Roshini Center. Sie und ihr Verlobter waren hier als Joga-Lehrer tätig. Martina besuchte jeden Sonntag unser Kinderheim und unterrichtete die Kinder in Geschicklichkeit und Joga und spielte mit ihnen.  Die Kinder freuten sich und genossen die Zeit mit ihr. Vielen Dank, liebe Martina für deine wertvolle Zeit mit uns.

 

Ein Ausflug zum Sacchidanatha Ashram

Auf unsern Ausflug am 2. September freuten sich die Kinder sehr. Wir besuchten den Ganapathi Sacchidanatha Ashram in Mysore. Das spezielle in diesem Ashram sind die vielen Papageien, die hier gehalten werden. Sie sind einzigartig, aus allen Erdteilen und in allen Grössen und Farben. Einige der Vögel können Stimmen nachsprechen. Im Ashram ist auch eine spezielle Tierklinik für Vögel eingerichtet und rundherum ist ein schöner Bonsaigarten. Dazu wird eine Licht- und Sound-Produktion geboten.

Wir schätzten uns glücklich in der Natur zu sein und manches über die Vögel zu lernen.

Volontärinnen aus Deutschland.

Seit Juli dieses Jahres sind Lisa und Leonie aus Deutschland als junge Volontärinnen bei uns im Team. Ihre Anwesenheit ist eine Ermutigung für die Kinder und Jugendlichen. Beide begleiten die Kleinen zur Schule und bleiben dort im Unterricht bis mittags. Wenn die Kinder nach Hause kommen, helfen sie ihnen bei den Hausaufgaben und in anderen Aktivitäten wie Gartenarbeit, singen, spielen etc. Die Kinder sind beschenkt mit der Anwesenheit dieser zwei jungen Frauen, und die Volontärinnen nehmen die Pflichten und die Verantwortung freudig auf. Es ist eine gute gegenseitige Erfahrung und ihre Präsenz ist auch eine Erleichterung für uns Schwestern, da wir auch viel auswärts im Slum und an anderen Orten arbeiten.

Für alles danke ich von Herzen!

Sr. Lisy Georges, Leiterin Roshini-Projekt