Archiv für den Monat Dezember 2013

Frohes Neues Jahr

livingeducation everychildneedsLiebe Leute,

diesen Neujahrsgruss ziert kein Bild von Indien, sondern eins von Pakistan. Mein muslimischer pakistani Bruder schreibt dazu als Antwort auf meinen Weihnachtsbrief:

„Danke für all Deine Gebete und guten Wünsche! In Pak feiern die Mädchen, die bei uns geblieben sind, mit uns Weihnachten. Dann gibt’s Gottesdienst und Mitternachtsmesse bzw. Gebet, alles von den Mädchen selber organisiert, da wir ja niemanden in eine Kirche oder Moschee lassen ohne Begleitung der Angehörigen.

Viel LIEBE, viele UMARMUNGEN, viel GESUNDHEIT, viel ERFOLG und noch viel mehr MENSCHLICHKEIT im Neuen Jahr!!!“ (Yahya Hassan Bajwa)

Die Verbindung Pakistan / Indien ist mir wichtig, und einer meiner groessten Traeume fuer 2014 ist, dass sich dieses Jahr Beena Sebastian und Yahya in der Schweiz begegnen und sich die Haende reichen koennen, sie, die grosse christliche Friedensfrau aus Suedindien und er, der Ahmadiyya-Muslim aus Pakistan, der nie weiss, ob er wieder lebend aus seiner Heimat in die Schweiz zurueckkehrt. Doch die Menschenrechte sind ihm soviel wert. (Zitat Yahya). Ahmadiyya-Muslime sind in Pakistan verfolgter als Christen http://www.livingeducation.org
Sowohl Beena als Yahya setzen sich in ihrer Heimat fuer Frauenrechte und fuer Bildung von Maedchen ein, der beruehmte Tropfen auf den heissen Stein, jedenfalls, wenn man den Medien glaubt. Doch es gibt Menschen, die glauben mehr an den Wassertropfen als an den heissen Stein. Ich moechte zu ihnen gehoeren. (Und ich werde mit Beena und ihrer Familie den Uebergang ins Neue Jahr feiern.)

Ich glaube an Gott und das Kind in der Krippe. Nur ein allmaechtiger Gott kann sich dermassen ohnmaechtig dem Wohlwollen oder der Willkuer der Menschen aussetzen. Doch wenn unsere Herzenstueren offen sind und Jesus in uns Gestalt annehmen kann, dann wird sich die Welt neu gestalten.

Credo jenseits der Religionen

Ich glaube an den Wassertropfen, denn steter Tropfen hoehlt den Stein.

Ich glaube an die Steine, die ins Wasser geworfen werden, dass sie weite Kreise ziehen.

Ich glaube an die kleinen Muenzen. Jede Million beginnt mit der ersten Muenze. Wenn sie geteilt wird, werden viele reich.

Ich glaube an die kleinen Flammen. Jede von ihnen ist staerker als die Dunkelheit.

Ich glaube an die kleinen Schritte, denn der laengste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Ich glaube an die kleinen Menschen, denn wenn viele kleine Menschen kleine Schritte tun, veraendern sie die Welt.

Schwester Myriam

Diesen Glauben und diese Zuversicht wuensche ich euch allen im Jahr des Herrn 2014!
Viel LIEBE, viele UMARMUNGEN, viel GESUNDHEIT, viel ERFOLG und noch viel mehr MENSCHLICHKEIT im neuen Jahr!
Eure Schwester Myriam

„Be the change that you wish to see in the world.“  Gandhi

Advertisements

Weihnachten in Kerala gefeiert

Liebe Leute,

ein ganz herzliches Danke schoen fuer all die lieben, aufmunternden, ermutigenden, einfach frohmachenden mails. Ich werde sicher alle persoenlich beantworten, auch wenn es vielleicht erst im naechsten Jahr ist…. Es war mir einmal mehr eine Erfahrung, wie wir alle zusammengehoeren in der einen Welt.

Es kam aber auch ganz klar rueber: „Wie hast Du denn ganz konkret Weihnachten gefeiert?“

Ich war in Beenachi, einem kleinen Ort in Nordkerala, etwa auf 1300 m, im Urwaldreservat Wayanand. Dort wachsen durchaus noch Palmen, Bananen, Kaffee und was halt dort so waechst. Tagsueber an der Sonne war es sehr warm. Aber sobald sie hinter den blauen Urwaldbergen verschwand, nahm ich meine Wolldecke mit auf’s Hausdach, wo ich sehr gerne den Abend verbrachte, den Sonnenuntergang beobachtete und immer wieder zu den Sternen hochschaute, denn Ihr betrachtet ja die gleichen Sterne. In der Nacht ging es klar unter die 20 Grad. Morgens um drei habe ich mir dann die 2. Wolldecke ueber die Nieren gelegt.

MSFS BEENACHI INVITATION 1024

Fr Johny

Pater Johny

Ich war in einem Ashram der MSFS. Pater Johny ist der Hausobere, ein Mensch mit einer ganz besonderen Ausstrahlung. Er ist Seelsorger, Familienberater, Psychotherapeut, Yogameister und Nothelfer fuer alle Faelle. Es soll auch ein geistliches Zentrum werden fuer Menschen, die auf der Suche nach ihrem Weg sind. Der Ashram ist erst ein halbes Jahr alt.

Johny wird unterstuetzt von 2 Mitbruedern, der eine, Pater Jose, ist ein ruestiger 70jaehriger, der seines Alters wegen grosse Hochachtung geniesst. In Indien bedeutet es etwas alt zu werden. Nicht jeder schafft die 60. Ich gehoere auch schon zu den Respektspersonen!!! Pater George ist noch etwas juenger. Die beiden halten die Stellung, wenn Johny unterwegs ist.

Die beiden Tage vor Weihnachten kamen eine Menge Klosterleute, um Weihnachtskuchen zu bringen und Merry Christmas zu wuenschen. Schliesslich war der Kuchenberg so hoch, dass Johny mit einigen Paketen zu den Nachbarn verschwand, den Muslimen, den Hindus und natuerlich auch zu den Christen, die weniger hatten.

Am Heiligen Abend habe ich den Tisch mit Kerzen und etwas Gruenzeug dekoriert. Das war fuer die drei ungewohnt, aber sie freuten sich ueber die ‚deutsche Kultur.‘

Wir haben miteinander auch angestossen: mit Erdbeerkaltschale, hergestellt aus der letzten Packung, die ich aus Deutschalnd mitgebracht hatte. Weil die drei Herren froren, gab es auch noch warmen Ricola-Kraeutertee. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Sonst gab es einfaches Essen, Reis, Gemuese und Fischeintopf.

Kurz vor Mitternacht fuehren wir mit dem Jeep in das Kirchlein in Urwaldnaehe. Die Christmette dauerte bis halb 2. Da habe ich echt gefroren, denn ich hatte keinen Wollschal mit. Manchmal habe ich auch geschlafen. Gefeiert wurde im Syromalabar Ritus, wie er in Kerala ueblich ist. Die Kirche war voll mit fast ausschliesslich jungen Leuten. Die Kinder, die schliefen, wurden einfach in der Kirche auf den Teppich gelegt. Um halb 2 gab es eine Prozession mit dem Infant Jesus um die Kirche, dann ging das Feuerwerk los. Der Pfarrer verteilte Kuchen, die jungen Maenner tanzten im Rhythmus einer Trommel ums Feuer und sangen Weihnachtlieder. Das beliebteste auslaendische Weihnachtslied ist „Jingle bells“. Da kann man so toll in Bollywoodgesten dazu tanzen. Das Nikolaeuschen huepfte wie ein Gummibaellchen. Am Schluss gab es auch noch eine Tombola. War ich froh, als wir endlich wieder im Jeep sassen und losfuhren, aber Johny musste mir auch noch die Krippe in der Pfarrkirche zeigen. Dort war noch viel Volk unterwegs. Irgendwann nach 3 Uhr fiel ich dann ins Bett.

Am andern Morgen und zum Mittagessen waren wir bei den Nachbarn eingeladen. An grossen Festen gibt es Ziegengulasch zum Fruehstueck, was ich besonders mag. Was da alles aufgetischt wurde!! Ich war froh, als wir wieder unter uns waren. Irgendwann gab es dann auch noch Bratkartoffeln.

Leider ging diese Zeit viel zu schnell vorbei.

Jetzt bin ich wieder bei Beena Sebastian, unten am Meer, wo ich auch Neujahr feiern werde. Und ich brauche keine Wolldecke mehr!!

In Indien wird auch in der Neujahrsnacht um Mitternacht Gottesdienst gefeiert, um das Neue Jahr mit dem Segen Gottes zu begreussen. Dann wird tuechtig gefeiert mit Feuerwerk bis in den Morgen hinein.

Ja, dann heisst es fuer mich dann auch schon bald Abschied nehmen. Doch vorerst feiern wir Silvester.

Euch alles Gute und reichlich Segen fuer 2014!!
eure Schwester Myriam

Merry Christmas und happy birthday, Caroline Grace!!

caroline-grace-bekommt-fruehstueck-mit-mama-und-papa-640pxLiebe Leute,

als ich dieses Bild am 7. November geknipst habe, kam es mir gar nicht in den Sinn, dass es eigentlich ein lebendiges Krippenbild ist: Maria, Josef und … Caroline Grace….

An Weihnachten feiert das kleine Maedchen den ersten Geburtstag. Vor einem Jahr wurde es unter dramatischsten Umstaenden geboren, fast 3 Monate zu frueh, 900 Gramm schwer, ein Wuermchen, das in einer Hand Platz hatte. Tagelang schwebten Mutter und Kind zwischen Leben und Tod.

Ein Gebetssturm und eine grosse Spendenbereitschaft und viele andere glueckliche Umstaende retteten den beiden das Leben.. Die Aerzte selber sagten, es waere ein Wunder, dass beide ueberlebt haetten. Niemals haette diese Tamilen-Familie den Spitalaufenthalt bezahlen koennen. Nur dank Spenden aus Deutschland und der Schweiz wurde ihnen diese Schuldenlast genommen. Der Mutter geht es wieder gut. Sie arbeitet wieder als Lehrerin in ihrem Dorf, weit draussen, wo Elefanten und Tiger einander gute Nacht wuenschen. Heute koennen wir uns alle ueber ein gesundes, sehr waches und aufgewecktes Kind freuen, das schon die ersten Schritte macht. Eltern, Grosseltern, Dorfgemeinschaft und wer immer zu diesem Haus kommt, freuen sich an diesem kleinen Sonnenschein. Jemand von der Dorfgemeinschaft ist immer da, der die Kleine haetschelt.

Allen, die vor einem Jahr diese Famile in irgend einer Weise unterstuetzt haben, nochmals ein herzliches Dankeschoen. Alle andern koennen sich mitfreuen, dass Weihnachten fuer diese Famile wahr wurde und sie dieses Jahr von ganzem Herzen gluecklich sein und Weihnachten FEIERN koennen.

Auch Euch allen ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes Neues Jahr.

Eure Schwester Myriam

„Be the change that you wish to see in the world.“ Gandhi

Ein Gott, der sucht …

In allen Religionen suchen die Menschen Gott,
im Christentum sucht Gott den Menschen.
MSFS

Liebe Leute,

diese Aussage von einem jungen Brahmanan, der Christ wurde und heute MSFS-Pater ist, hat mich den ganzen Advent hindurch begleitet. Hier gibt es keinen Weihnachtsrummel, keine gefuehlvolle Ablenkung. Die Kirchen sind ohne Schmuck, wie in der Fastenzeit. Advent ist Vorbereitungszeit fuer das Kommen des Herrn, dessen Wege wir bereiten sollen, fuer die Menschwerdung Gottes in und um uns.

Jesus Christus ist in einem Stall geboren worden. Gott gab sich in die totale Ohnmacht des Menschen hinein. Auch wir fuehlen uns sehr oft ohnmaechtig und hilflos. Unser Herz ist selber ein Stall, in dem Ochs und Esel hausen, doch wenn diese Herzenstuer offenbleibt, dann ist es der richtige Ort, wo Gott Mensch werden und Jesus Gestalt annehmen kann.

Was koennen wir aendern in dieser Welt voller Krieg, Armut und Ungerechtigkeit? Wenn ich in Deutschland bin, gehoert es zu meiner Morgenandacht, die Euronews zu sehen. Hier in Indien bin ich mitten drin.

In diesen Tagen habe ich mich oft gefragt. Warum kann eigentlich nicht die eine Haelfte der Menschheit die andere alphabetisieren? Warum kann man die Armeen dieser Welt nicht umfunktionieren in Armeen, welche der anderen Haelfte der Menscheit quer durch alle Voelker zu einem menschenwuerdigen Leben verhelfen?

Gerade hier erfahre ich diesen menschensuchenden Gott. Weihnachten hat fuer mich wenig mit einem Datum zu tun. Weihnachten wird es immer wieder, wenn ein Augenpaar aufstrahlt, wenn Menschen neue Hoffnung schoepfen. Warum erfahre ich gerade unter den Armen so viel Lebensfreude? Ich selber lache hier viel mehr als zu Hause.

Den menschensuchenden Gott erfahre ich auch durch die vielen jungen Ordensleute, die sich mit voller Begeisterung fuer ein Leben in der Nachfolge Jesu entscheiden. Auch in Indien ist der Goldrausch bei vielen jungen Leuten ausgebrochen. Dennoch gibt es viele, die andere Werte suchen, die ihr Leben den Armen weihen wollen, die auch wissen, dass ihre Entscheidung ihr Leben kosten koennte.

In diesen Tagen habe ich an viele Menschen in der westlichen Kirche gedacht, die gutes Geld verdienen, ob geweiht oder verheiratet, und doch sind sehr viele unzufrieden. Hier begegne ich Priestern, die oft mit einem Hungerlohn auskommen muessen, 24 Stunden am Tag abrufbar sind, denen kein Weg zu weit ist. Sie strahlen eine Freude und Begeisterung aus, die ich in Deutschland kaum mehr kenne.

Ich bin auch in diesen Tagen wieder viel unterwegs gewesen. Besonders der Besuch in Andrah Pradesh (AP) bewegt mich immer noch. AP ist fuer Touris uninteressant, heisst es in meinem Reisefuehrer. Ich liebe dieses wilde, urspruengliche Land, war aber ein paar Jahre nicht mehr dort. AP ist so gross wie Deutschland, gehoert aber immer noch zu Suedindien. Die Grenze ist kurz nach Bangalore. Seit Jahren wird fuer eine Teilung des Landes gekaempft. Zum Teil gibt es auch Guerillas, was aber kaum je in westlichen Nachrichten eine Rolle spielte. Es gab auch nie eine Warnung vom Auswaertigen Amt. Die Korruption ist sehr gross und die armen Massen werden zum Teil gnadenlos von den Maechtigen manipuliert wie es zum Beispiel in Kerala nicht mehr moeglich waere. Die Trennung des Staates ist eigentlich eine Machtsache. Ich habe noch nie jemanden gefunden, der diese Trennung gewollt haette. Sie wird von oben vollzogen, deshalb gibt es auch viele Streiks und Proteste.

In der Gegend von Kadapa sind die meisten Menschen Hindus. Die Religionen der kastenlosen Eingeborenen werden zum Hinduismus gerechnet. Die Kasten haben leider sehr viel Einfluss, obwohl sie seit 1947 vom Staat abgeschafft sind. Es gibt eine starke muslimische Minderheit. Die Christen sind eine verschwindend kleine Gruppe mit einem sehr grossen Einfluss. Unzaehlige Schulen, soziale Einrichtungen, Spitaeler etc. werden von der Kirche, respektive den Ordensleuten getragen.

Jetzt war ich eingeladen worden. Jetzt war es einfach an der Zeit wieder hinzugehen. Ich bin sogar im Privatwagen abgeholt worden, was ich anfangs nicht so gut fand. Ich fahre sonst grundsaetzlich mit dem Bus. Ich wusste auch nicht, wie weit es wirklich sein wuerde, denn Asi, mein Bekannter, ist in sein Heimatbistum zurueckgekehrt. Obwohl ich Asi schon viele Jahre kenne und wir auch schon viel miteinander gearbeitet haben, die Mentalitaet von AP ist mir fremd geblieben. Ich verstehe auch die Sprache, Telugu, absolut nicht. Sonst kann es auch schon mal vorkommen, dass ich ein Wort auf Malayalam sage, wenn mir das englische nicht gelaeufig ist.

In Telugu gibt es etwa sechs Arten ja oder eben nein zu sagen. Sehr oft weiss ich bis heute nicht, was nun wirklich gemeint ist. Dann lasse ich einfach nicht locker, bis die Antwort klar genug ist. Vor allem ist es auch wichtig, dass ich mich sehr klar ausdruecke. Diesmal hatte ich nicht nachgefragt. Asi wuerde mich zusammen mit einem Kollegen abholen und gemeinsam wuerden wir nach Kadapa fahren. Die Haelfte des Weges nach Madanapalli kannte ich schon. Dann noch vier Stunden weiter, macht 7 Stunden, alles klar?

Der Kollege konnte dann doch nicht kommen, sondern schickte seinen Wagen mit einem Fahrer, der den Weg genau so wenig kannte wie Asi. Der Kollege, Anand, wohnt naemlich wo ganz anders als in der Naehe von Madanapalli. Asi und der Fahrer kamen schon zu spaet zum Mittagessen. Dann wollte Asi noch seine Verwandten in Ostbangalore besuchen. Diesen Weg kannten die beiden auch nicht, aber keine Eile und keine Eile bei den Verwandten. Als wir schliesslich aufbrachen, fing ich so langsam an zu rechnen. Aber keine Eile. Man(n) musste noch was abholen in einem Kloster und schliesslich kamen wir bei dem Pfarrer an, der tagsueber verhindert war. Diese Dorfpfarrer sitzen oft den ganzen Tag vor dem Pfarrhaus und empfangen Hilfesuchende. Sie sind ausser Seelsorger auch Sozialarbeiter, Familienberater, Psychotherapeuten und sonst noch vieles. Oder sie besuchen die vielen Aussenstationen. Jedenfalls kennen sie ihre Pfarreiangehoerigen mit ihren Sorgen und Noeten. Natuerlich musste Anand, der jetzt ein Gesicht bekam, der aus Badel stammt und dort seine Eltern besuchen wollte, mir auch noch seinen Kirchenchor und wer eben noch dort war, praesentieren und Tee trinken. Schliesslich fuhren wir doch noch los. So gegen 10h abends hielten wir bei einem Restaurant. Wir hatten noch nichts gegessen. Absolut keine Eile. So langsam fragte ich nach, wie weit es sei. Ach, noch weit, sagte Anand, aber keine Sorge, wir haben im Bischofshaus angerufen. Wir werden dort uebernachten. Morgens um 3 kamen wir dann auch dort an. Ich fiel in mein Bett und schlief, bis ich am Morgen von einem Mordiogezwitscher geweckt wurde. Ich aeugte durch die Tuere und sah einen Schwarm Papageien, die ihren Morgentratsch abhielten.

Nach dem Fruehstueck zeigte Asi mir das Bischofshaus mit einigen seiner Bewohnern. Anand war nicht zu sehen. Der hatte eine Menge zu erledigen. Asi schliesslich auch noch. Um elf fuhren wir endlich weiter, denn Badwel liegt noch einige Stunden entfernt. Was ich erst jetzt erfuhr, war, dass der Staat tatsaechlich am Tag unserer grossen Fahrt geteilt wurde. Jetzt war 2 Tage Generalstreik. Es fuhr kein Bus, keine Tankstelle war offen und auch die meisten Laeden blieben geschlossen. Ohne Privatauto waeren wir voellig stecken geblieben. Vorsorgehalber hatten die beiden auch die Nacht zuvor getankt. Wir mussten noch eine Strassensperre umfahren. Zuerst diskutierten wir, ob es besser waere, wenn ich mir wie eine Muslimin den Schal uebers Gesicht legte, ober ob es besser war weisse Haut zu zeigen. Wir beschlossen, den Umweg zu fahren. Um 2h nachmittags kamen wir an und wurden auch gleich herzlichst von den Jungs vom Knabenheim, in dem Asi Direktor ist, empfangen. Und die Moral von der Geschichte? Indische Freunde kann man hochschaetzen, man kann ihnen absolut vertrauen, aber versuch‘ ja nicht sie zu verstehen, in Andrah noch weniger als anderswo.

Fuer mich hat dies auch sehr viel mit Gottesbegegnung zu tun, dieser Gott, der mich immer wieder wunderbar fuehrt, der Humor hat und Ueberraschungen liebt, dessen Wege weit ueber meinen Wegen liegen und der mich immer wieder bei den Kleinen und Schutzlosen dieser Welt erwartet.

Das Gelaende der Kirche ist sehr gross. Im ersten Drittel steht die Pfarrkirche. Ravi ist dort Pfarrer. Gemeinsam mit einem Kollegen und einigen Katecheten betreut er 26 Aussenstationen.

Als er erfuhr, dass ich Schweizerin bin, sagte er: Ein Schweizer Priester hat mein Studium bezahlt. Sonst haette ich nicht Priester werden koennen. Ich werde ihm mein ganzes Leben lang dankbar sein. Hast Du ihm das auch mal gesagt?? Nein, natuerlich nicht. Typisch indisch: Man vergisst diese Menschen nie, aber mal was sagen, liegt einfach nicht in der Mentalitaet. Er nannte mir auch den Namen. Ich war platt: Ein bekannter Name von meinem Heimatbistum. Die Adresse hatte Ravi auch noch. Im Internet konnte ich spaeter nachpruefen, dass sie auch noch stimmt. Ich hoffe, dass es fuer diesen Priester auch eine Weihnachtsfreude war zu erfahren, dass sein ehemaliger Schuetzling ein gluecklicher Seelsorger ist.

Auf dem 2. Drittel des Kirchengelaendes ist eine English Medium Schule, die von Schwestern geleitet wird. Auf dem letzten Drittel steht eine Telugu Medium Schule, die vom Bistum Kadapa gefuehrt wird. Zum Unterricht gehoert aber auch English. Wenn die Schueler dort fleissig sind, koennen sie spaeter trotzdem ins College, falls die Finanzierung vorhanden ist.

Asis Jungs machen Hausaufgaben

Asis Jungs machen Hausaufgaben

Asi ist Direktor dieser Schule und leitet ein Hostel fuer arme Jungs aus den Doerfern, die sonst kaum eine Moeglichkeit haetten, in eine hoehere Schule zu gehen. 40 Buben von 8 bis 14 Jahren wohnen dort, eine aeusserst liebenswuerdige und auch Liebe beduerftige Rasselbande. Im Haus fehlt eine Mutter, die sich der Jungs annimmt. Zwar lebt der Koch mit seiner Frau dort, aber diese leidet schon lange an TBC. Ihre Knoechel koennte ich mit Zeigefinger und Daumen umspannen.

Die Jungs sind sehr aufgeweckt, hilfsbereit und froehlich. Langweilig wird ihnen nicht. Ihre Spielsachen basteln sie selber, den Schlaeger fuer ihr Lieblingsspiel Cricket, oder sie werfen mit Steinen statt mit Boccia-Kugeln. Sie wissen sehr genau, was sie werden wollen: Arzt, Kuenstler oder auch Pater (Father) wie ihre Vorbilder. Wenn sie gross sind, wollen sie mich alle in Deutschland besuchen… Sie fragten mich aus nach meinen Heimatlaendern. (Am 18. Dez. waren es 20 Jahre, dass ich in Deutschland eingewandert bin, das darf man doch als Heimat bezeichnen?) Wie soll man Kindern erklaeren, dass bei uns jetzt kalt und Schnee ist? Es ist wie beim Kuehlschrank, wenn man die Tuere offen laesst. Dann setzt sich eine weisse Schicht an. Das ist fast wie Schnee und Eis. Hm, was ist ein Kuehlschrank?

Ich hoffe, dass ich mit meinem Versuch, euch Andrah zu erklaeren, etwas gluecklicher war.

Zu meiner Ankunft tanzten sie einen ganzen Abend lang nach Bolliwoodmusik und zeigten ihre Kunststuecke. Ich haette ihnen auch die laengste Zeit ueber die Haare streichen koennen, auf die Schultern klopfen oder einfach an der Hand halten. Bevor sie ins Bett gingen, wollten sie alle noch gesegnet sein.

Ich hatte gesehen, dass die Jungs einen Riesenteller mit Reis bekamen, dazu 2 Loeffel Gemuesesauce. Als Gast hatte ich etwas Besseres und wehe, ich haette es nicht angenommen!!

Auch am andern Tag gab es einen Berg Reis und 2 Loeffel Gemuesesauce. Am Sonntag sagte ich dem Koch, dass ich den Jungs gerne ein Eis spendieren wuerde. Stadtkinder fahren normalerweise total auf Eis ab. Er zoegerte etwas, dann fragte er die Jungs, ob sie Eis moechten oder doch lieber Huehnereintopf? Die Antwort war eindeutig: Chikkenbirianj!!

Das Festessen war auf den Abend geplant. Am Sonntag Mittag waren gekochte Eier vorgesehen. Die Jungs sollten sie schaelen, doch sie kamen nicht weit. Die Eier stanken fuerchterlich. Also gab es auch am Sonntag Mittag einen Berg Reis und 2 Loeffel Gemuesesauce. Keiner jammerte oder beklagte sich. Milch habe ich auch nie gesehen.

Ich habe dann spaeter nochmals versucht Eis zu kaufen, aber es gibt keines im Angebot.

Spaeter fragte ich nach der Finanzierung des Hostels. Die Eltern bezahlen im Jahr!!!! 500 Rupien fuer ihre Soehne, ca 6 Euro. Pro Monat bekommt Asi vom Bistum 500 Rupien pro Kind. Bis alles andere abgezogen ist, bleiben pro Malzeit 5 Rupien, 6 cent, dafuer bekommt man heute nicht mal mehr eine Tasse Tee. Manchmal bringen noch welche Leute etwas zum Beissen. Das wars.

Und ich kehre demnaechst in ein Land zurueck, wo jedes Hundeleckerli mehr als 6 cent kostet. Viele Kinder gehen zu McDonald’s, einfach mal so oder wenn es zu Hause nicht schmeckt…

Ich werde ab sofort alle 5er sammeln und die kleinen Roten. Groessere Muenzen will ich nicht. Ich glaube an die kleinen Schritte, die Grosses bewirken koennen.

Das heisst fuer mich Weihnachten!!

In Andrah habe ich auch eine interessante Frau kennen gelernt. Joshvat, sie ist 28, war einige Jahre im Kloster. Ich bin nicht erstaunt, dass sie es nicht mehr ist. Sie ist sehr selbstbewusst und hat aehnliche Fragen wie ich vor 30 Jahren schon: Warum gibt es so viele Ordensschwestern, aber kaum ein Kloster setzt sich fuer Frauenrechte ein oder bietet belaestigten Frauen Schutz. In Deutschland hat sich dank Lea Ackermann Gott sei Dank sehr viel geaendert. In Indien gibt es eine starke Bewegung von Schwestern zu Frauensolidaritaet hin. Leider mussten auch viele Schwestern deswegen ihren Orden verlassen. Joshvat hat auch schon daran gedacht eine eigene Gemeinschaft zu gruenden. Auf jeden Fall will sie ihr Leben den Armen widmen. Vorerst will sie noch Geld verdienen. Sie ist Schuldirektorin.

Vielleicht kann ich sie mit Beena Sebastian in Verbindung bringen…

Nach einigen Tagen bin ich mit dem Linienbus nach Bangalore zurueckgefahren, bevor der naechste Streik das Land lahm legte. Von ganzem Herzen habe ich die wunderbare Landschaft genossen, bizarre Felsformationen, gruene Landstriche zwischen halbwuestenaehnlichen Ebenen.

Unerwartet bin ich dann doch noch zu einer ersten Weihnachtsfeier gekommen. Ich hatte in der Metro einen Grosseinkauf gemacht, ueber den ich mich eigentlich nur freuen konnte, aber ich war muede, stark erkaeltet und aus verschiedenen Gruenden traurig, einfach Freitag 13. Katerstimmung. Ich war froh, dass ich im Privatauto nach Kengeri mitfahren konnte. Ich wollte nur noch schlafen und in Ruhe gelassen werden. Irgendwann klopfte es an meine Zimmertuere. Einer der Seminaristen rief mich, es waere Messe. Ich ging hin, denn ich mag ihre frohe Liturgie, die sie mit ihren indischen Musikinstrumenten begleiten. Zuerst rieb ich mir die Augen. Ich war mitten in die Weihnachtsmesse hineingeraten, inklusive „Stille Nacht, heilige Nacht“. Da die Studenten nachher nach Hause fuhren, wurde die Feier vorgezogen.

Vorgezogene Weihnachtsfeier

Vorgezogene Weihnachtsfeier

Mit viel Liebe und Kleinarbeit hatten sie eine Weihnachtskrippe in einem keralitischen Hausboot gebaut. Soviel bunte blinkende Lichter hat von euch wohl noch kaum jemand an Weihnachten gesehen. Dann kam Santa Claas, der hier wenig mit dem wuerdevollen Nikolaus zu tun hat, sondern eher eine Spassfigur ist. Er singt und tanzt, und wen er an der Hand fasst, muss mittanzen. Es wurde zur froehlichsten Weihnachtsfeier meines Lebens. Es gab sogar einen Drittel Rotwein in einem Plastikbecherchen.

Eine solch frohe, unbeschwerte Weihnachtsfeier wuensche ich auch Euch allen. Wir haben Grund zum Feiern: Gott ist mit uns, Emmanuel!!!

Alles Liebe und Gute, eure Schwester Myriam

Roshini-Projekt, Dezember 2013

Roshini Projekt in  Mysore, Südindien                                 Dezember  2013
von Margrit Germann

Eine Version mit Fotos kann hier als PDF heruntergeladen werden: Roshini Baubericht Dez 13

Liebe Freunde

Vor zwei Wochen bin ich gesund und glücklich aus Südindien zurück gekommen. Sr. Myriam und ich durften mit der Reisegruppe während drei Wochen wunderbare Tage erleben.

Nachdem wir die Gruppe am Flughafen in Bangalore verabschiedet hatten, konnte ich noch 11 Tage mit meinen indischen Freunden verbringen. Es war für mich eine erholsame sehr schöne Zeit.

Vor allem wollten Sr. Lisy und ich nochmals einige Tage zusammen sein. Sr. Lisy ist 44 Jahre alt und stammt aus einer kinderreichen Familie aus Kerala. Das Roshini Projekt liegt uns sehr nahe und da wir sonst während des Jahres nur durch E-mail  und wenigen Telefongesprächen in Verbindung sind, ist gemeinsames Zusammensein vor Ort wichtig.

Einfach mal miteinander Gedanken austauschen, Freuden und Sorgen des Alltags besprechen und einige Stunden mit „ihren“ 20 Kindern, die sie aus dem Slum in ihrem Haus aufgenommen hat, verbringen.  Dazu auch nochmals auf die Baustelle und einige  Abklärungen mit dem Architekten  machen.

Das  Roshini-Projekt ist für die Ärmsten, denen sonst jegliche Chance auf Schule und Bildung versagt bliebe. Es wird kein Unterschied gemacht zwischen Religionszugehörigkeit. Allerdings wird Wert darauf gelegt, dass christliche Werte, wie Frieden, Liebe, Gerechtigkeit und Vertrauen untereinander gelebt werden.

Ich schätze Sr. Lisy sehr. Ihren nimmermüden Einsatz, ihre Liebe und Fürsorge zu den Slum- und Strassenkindern bringt sie oft auch an gesundheitliche Grenzen. An sich selber denkt sie immer zuletzt. Die ganze Zusammenarbeit mit ihr macht mir Freude, ist es doch das gemeinsame Ziel, das uns nahe gebracht hat.

Zum Roshini Projekt. Vor ca. 6/7 Jahren hat sie angefangen  Kinder aus dem Slum,  für zwei Stunden am Abend schulisch zu unterrichten. Tagsüber müssen Slumkinder betteln, stehlen und oft sogar für ihre Geschwister für Nahrung aufkommen. Damals hat Sr. Lisy,  auch dank einer Sponsorin, einigen jungen Frauen aus dem Slum Unterkunft gegeben  und ihnen die  Ausbildung zur Krankenschwester oder ein Studium ermöglichen können. Dazu hat sie Menschen kennengelernt, die sie aufmunterten, Geld sammelten für eine Nähmaschine oder sonstiges und sie ins Gebet einschlossen.

Auf der zweiten Indienreise im Jahre 2009 lernte ich Sr. Lisy kennen. Sie erzählte mir von den Strassenkindern und dem Slum in Mysore, von ihrer Vorstellung  diese Kinder und Frauen auszubilden, damit sie den eigenen Lebensunterhalt verdienen könnten. Mit unserem Besuch und unserm Interesse für das Projekt, bekam sie auch Verständnis  und Anerkennung dafür im Orden. Nach einigen, eher kurzen Gesprächen, versprach ich ihr meine Mithilfe eine Nähschule zu gründen. Was damals Gedanken und Visionen waren, wurde schnell Wirklichkeit. Nach dem ersten Ausbildungskurs mit 50 jungen Frauen kam das Angebot zur Zusammenarbeit mit dem Don Bosco Technical Institut., die im ganzen Land Projekte haben. Der Staat würde für die Lehrerbesoldung den Beitrag sponsern. Dazu musste eingewilligt werden gleichzeitig mehrere Ausbildungsklassen zu führen. Ausbildungskurse für Computertechnik, Hotelfachangestellte, Handel und Verkauf, sowie Industrie-Näherinnen, in jeder Kursklasse ca. 40-50 Jugendliche. Aber die Frage und Sorge, das restliche Geld aufzubringen für Gebäudemiete, Infrastruktur, Lunch abzugeben, Schulmaterial, etc.,  blieb. Sr. Lisy rang in vielen schlaflosen Nächten um die Entscheidung, wurde ihr doch von allen Seiten abgeraten, auf dieses Angebot einzugehen. Es sei zu gross, zu aufwendig, kein Geld da um es zu finanzieren. Von ihrem Orden kann sie keine finanzielle Unterstützung erwarten, da dieser selber sehr arm ist.

Sie spüre da eine Berufung, sagte sie mir. Ich konnte ihr die Entscheidung nicht abnehmen, versprach aber in ihren Entscheidungen und Überlegungen hinter ihr zu stehen und mein Möglichstes beizutragen. Sie willigte ein, falsch machen konnten man nichts, höchstens wieder aufgeben, sollte es nicht gehen. Das Roshini Projekt ist trotz der Zusammenarbeit mit Don Bosco Technical ein selbständiges Projekt. Unterdessen haben über 1150 junge Menschen aus dem Slum und ärmsten Dörfern eine Ausbildung gemacht und verdienen ihren Lebensunterhalt, oft auch  für die ganze übrige Familie.

Die Schulräume im gemieteten Gebäude waren sehr eng, nur rohe Betonräume, die Miete überrissen hoch und die sanitären Verhältnisse prekär. Z.B. mussten zwei halbverlotterte WC reichen für 135 bis 190 Schüler.

Nach der Abschlussfeier des Ausbildungskurses im Jahre 2011, bei der ich mich über die  Ansprache des damaligen Vermieters sehr geärgert habe, war für mich ganz klar, dass es nur noch Eines gibt, einen eigenen Neubau auf dem vorhandenen Gelände. Sr. Lisy sagte damals zu mir: „jetzt weiss  ich, dass du mich ganz verstehst“.

Danach konnte Sr. Lisy die Schule ins Haus der Salesianer verlegen, die einige Räume gratis zur Verfügung stellten. Im Juli dieses Jahres mussten wir die Schule vorübergehend einstellen, da die staatlichen Beiträge für die Lehrerbesoldung ausblieben. Es ist schmerzlich, aber einfach nicht anders zu berappen, denn das ganze Geld wird  momentan dringend für den Neubau gebraucht. Die Erklärung vom Staat war, dass einfach das Geld nicht mehr reiche,  Ausbildungszentren zu unterstützen. Korruption macht auf sich aufmerksam! Sobald die neuen Bauten fertig sind, werden die Berufsausbildungskurse wieder aufgenommen.

Im Mai 2012 lagen die Baupläne vor. Vorgesehen sind zwei Bauten. Ein Gebäude für Unterkunft/Schlafsäle für Kinder und interne Schüler, Schwesternzimmer, Küche und Speisesaal, etc. und das zweite Gebäude als Schulhaus. Im September 2012  war die Grundsteinlegung. Viele Hürden mussten genommen werden. Auf die Grundsteinlegung folgten dann Wochen mit Einwänden seitens der Stadtbehörde. Neuwahlen mit einem neuen Baudirektor, der seine politische Macht auch Sr. Lisy zeigen musste, indem er einfach die 10 Meter Niemandsland, das zum Eingang des Geländes führte, für unpassierbar erklärte, obwohl Sr. Lisy eine schriftliche Durchfahrtsbewilligung vom vorherigen Bauverwalter hatte. Materialtransporte zum Gelände waren nicht mehr möglich. Drei Wochen lang ging Sr. Lisy täglich, hartnäckig zur Bauverwaltung, fragte um Erlaubnis, sparte auch nicht mit Vorwürfen an die Stadt, die für ihre Bewohner zu sorgen hätten. Sie mache ja nur die Arbeit für die Ärmsten. Zudem würden alle im Projekt Beteiligten gratis arbeiten, ohne jegliche Spesenentschädigung. Dazu gab sie klar zu wissen, dass sie nie und nimmer Schmiergelder bezahlen werde.

Da in einem noch immer stark männerdominierten Staat, solche Vorwürfe von einer Frau nicht nur Freunde schafft, ist zu verstehen. Irgendwann wollten sie diese „lästige Person“ doch loshaben und drückten den Stempel auf die Bewilligung.

Noch fehlt viel. Geldsorgen sind immer da, aber alles was gebaut ist, ist auch bezahlt. Hypotheken werden keine aufgenommen, die Zinsen sind unbezahlbar und bringen weitere Abhängigkeiten. Trotz allem gehen wir mit Freude, Ausdauer und enormer Zuversicht auf das gemeinsame Ziel zu. Aufgeben und resignieren wird nie ein Thema sein.

Im April/Mai dieses Jahres, verhängte der Staat  über ganz Karnataka eine Sperre für Sandlieferungen, was das Weiterbauen für Wochen verunmöglichte. Den Grund für diese Sperre wissen die Götter!

Zuerst wird nun das Haus für die Unterkunft gebaut. Schlafräume, Küche, sanitäre Einrichtungen, Zimmer für die Schwestern und dazu eine Kapelle.

Im Juni fängt jeweils der Monsun an. Dieses Jahr war er sehr heftig, was die Bauarbeiten nur langsam vorwärts brachte. Ab August geht es nun stetig voran. Vor zwei Wochen war ich noch auf dem Baugelände, der Rohbau ist nun fast fertig. Die Betondecke für das Obergeschoss erstellt. Somit kann bald mit dem Innenausbau begonnen werden. Die Rahmen für die Türen liegen aufgestapelt zur Montage bereit. Wir haben noch Abklärungen mit dem Bauführer gemacht. Fenster, Mückengitter, Überdachung des Innenhofes, etc. wurden besprochen. Massive gute Bauweise und praktische Einteilung sind sehr wichtig.

Ganz herzlich danke ich Euch im Namen von Sr. Lisy für jede kleine und grosse Spende, für Euer Interesse, für so viel Vertrauen, das wir immer erfahren dürfen. Ohne all dies wäre das Roshini Projekt nie Wirklichkeit geworden!

Herzlichen Dank für alles.

Sr. Lisy und Margrit Germann

Noch eine kleine Episode. Am Freitag, 6. Dez. hat mir Sr. Lisy geschrieben, dass seit Dienstag (den Tag als ich heimreiste) 8 wilde Elefanten aus dem Busch gekommen seien und ganz nahe am Baugelände „campieren“ es sei den Wildhütern noch nicht gelungen sie in den Busch zurückzudrängen. Somit können die Bauarbeiter nur mit grosser Vorsicht arbeiten. Wilde Elefanten können sehr gefährlich werden.

Eine Mauer um das Gelände ist vorgesehen, muss auch erstellt werden, wegen Wildtieren und sonstigem Schutz, aber vorläufig ist es nur mit Stacheldraht eingezäunt, da das Geld fehlt.