Archiv des Autors: Schwester Myriam

Felicita, die neue Köchin im Roshini Center

von Margrit Germann

Felicita stammt aus Assam in Nordostindien. Im Alter von 12 Jahren verstarb ihr geliebter Vater. Die Mutter verheiratete sich wieder. Ihr Stiefvater und ihre Mutter schickten sie von zu Hause weg und waren nicht mehr bereit für sie zu sorgen. Als Dreizehnjährige kam sie zu einem wohlhabenden Ärzte-Ehepaar als Haushalthilfe. 15 Jahre lang musste sie fast sklavenartig für dieses Ehepaar schuften. Sie hatte zu essen und sie besorgten ihr die allernötigsten Kleider. Ein Gehalt oder nur das kleinste Geschenk hat sie in all diesen Jahren nie erhalten und weg zu gehen war unmöglich.

Doch eines Tages konnte sie fliehen, träumte von einer besseren Lebenssituation in Südindien. Sie arbeitete im Strassenbau und verdiente sich etwas Geld für die Reise dorthin. In Assam gibt es enorm viele Arbeitslose und die Migration nach Südindien ist ein grosses Problem, da dort nur gut ausgebildete Menschen Arbeit finden. In Kerala fand sie Arbeit bei einem Kaffeeplantagenbesitzer. Im September 18 war die grosse Flutkatastrophe in Kerala, von der wir auch viele Bilder in den Medien gesehen haben. Trotz des grossen Regens mussten die Arbeiter/innen in der Plantage arbeiten. Plötzlich spürten sie, wie der Hang ins Rutschen geriet. In letzter Minute konnten sie sich aus dem Gefahrengebiet retten. Die Flut und der Hangrutsch begrub alles, was sie besassen. Zwei Tage lang hatten sie nichts zu essen, mussten in diesem abgelegenen Gebiet im grössten Regen im Freien ausharren, bis sie zu Fuss in das nächste abgelegene Dorf gehen konnten. Der Plantagebesitzer hatte sich in seine Villa in Bangalore abgesetzt. Das Schicksal der Arbeiter/innen kümmerte ihn in keiner Weise und er bezahlte auch den ihnen zustehenden Lohn nicht.

Felicita wurde von Patres aufgenommen. Denen war die Adresse von Sr. Lisy bekannt und sie brachten Felicita von Kerala bis nach Mysore ins Roshini Center. Ausser den Kleidern, die sie trug, hat sie alles verloren, auch den Pass und andere Dokumente.

Nach einigen Tagen der Erholung hat Sr. Lisy sie als Küchenmädchen angestellt. Sie ist lernwillig und kann recht gut und selbständig kochen. Sie freut sich über jede Aufmerksamkeit. Sie versteht etwas Englisch. Ich ging oft zu ihr in die Küche und habe mich mit ihr, so gut es ging, unterhalten. Nun ist sie 31 Jahre alt und es sei das erste Mal, seit ihr Vater gestorben war, wo sie gut behandelt und angemessen für ihre Arbeit bezahlt werde. Wo wäre Felicita wohl hingekommen, wenn es das Roshini Center nicht gäbe?

Jedes Mädchen und jede Frau, die einmal im Roshini Center, ob für kurze oder lange Zeit, aufgenommen wurde, hat ihre eigene schlimme Geschichte. Ganz herzlichen Dank allen, die mitgeholfen haben das Heim zu ermöglichen!

Mit herzlichem Gruss
Margrit Germann

Anhang: Sinngemässe Übersetzung des Rundbriefs Roshini Rays, Juni bis Oktober 2018: roshini newsletter okt2018 (PDF 324 KB)

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